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Michael Lang hält Linie

Die Karriere des 27-jährigen Verteidigers verläuft wie am Reissbrett – auch in der Bundesliga.

«Hey, das ist jetzt mein Alltag.» Der ehemalige Basler Aussenverteidiger in seinem neuen Wohnzimmer – dem Borussiapark in Mönchengladbach.
«Hey, das ist jetzt mein Alltag.» Der ehemalige Basler Aussenverteidiger in seinem neuen Wohnzimmer – dem Borussiapark in Mönchengladbach.
Keystone

Der Tag danach. Michael Lang sitzt im schwarzweissgrünen Restaurant des Borussiaparks, ein paar Hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem er vor wenigen Stunden sein erstes Tor in der Bundesliga geschossen hat.

Es war ein typisches Lang-Tor – irgendwie. In der Hälfte des Gegners ist er mal wieder vergessen gegangen, und als dann auch noch die halbe Abwehr von Hannover 96 ihren Betrieb einstellte, stand er plötzlich ganz frei und schob Torhüter Michael Esser den Ball von halb rechts durch die Beine. Halb rechts, von dort hat Lang seine Tore auch für den FC Basel immer wieder gerne erzielt. Aber das hier, das ist nicht mehr Basel.

Dass es kein alltägliches Tor war, das er da erzielt hat, ist Lang relativ schnell bewusst gemacht worden. Auf seinem Handy herrschte schon vor dem Abpfiff eine rege Betriebsamkeit. Und daran misst man Aussergewöhnliches in diesen Tagen ja; an Nachrichten, Likes und Herzen.

Seine Familie hat sich umgehend bei ihm gemeldet, die engsten Freunde, Bekannte und auch einige der ehemaligen Mitspieler. Eine der zahlreichen Nachricht auf seinem Telefon kam von Raphael Wicky.

Jetzt ist der Abstand zum gestrigen Abend schon wieder ein bisschen grösser. Wobei? Auf dem Nebentisch liegen die wichtigsten Zeitungen – Rheinische Post, Express, Bild. Überall hat Lang die Note 2 abgeräumt, was in Deutschland heisst: Gut. «Gut», das sagt aber noch lange nichts darüber aus, was dieses Tor für Lang bedeutet. Aber wie soll er das jetzt so schnell einordnen? Es ist ja nicht nur dieser Treffer, sondern es sind auch all die anderen Dinge, die in den vergangenen Wochen auf ihn eingeflutet sind, seit er im Sommer vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist.

Sieben Spiele in der Bundesliga hat der 27-Jährige bestritten und nur eines verloren, das in Freiburg. Er hat mit seiner Mannschaft 3:0 bei Bayern München gewonnen, steht mit der Borussia auf dem zweiten Tabellenplatz – und jetzt also dieser Treffer gegen Hannover 96. «Das erste Tor im siebten Spiel, das ist okay für einen Verteidiger, oder?», fragt Lang, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. «Jetzt habe ich das hinter mir und kann sagen, dass ich komplett in der Bundesliga angekommen bin.»

Dabei war der Einstieg nicht leicht.

Sie waren erst ein paar Tage in Gladbach, ehe Sie sich verletzten.

Im ersten Training war das! Ich war eine Woche vorher für die medizinischen Tests hier und habe allen stolz erzählt, dass ich noch nie in meiner Karriere ernsthaft verletzt war. Und dann stehe ich erstmals auf dem Rasen und verdrehe mir bei einer harmlosen Aktion das Knie.

Aussenbandriss. Sechs Wochen Pause.

Ich habe es zwar noch ein paar Tage versucht, aber die Schmerzen sind grösser geworden. Als der Arzt mir die Diagnose mitgeteilt hat, war ich im ersten Moment am Boden zerstört.

Meine Vermutung: zu wenig Erholung und zu viel Ehrgeiz.

Ich habe mich das auch gefragt. Eigentlich kenne ich meinen Körper sehr gut und habe mich bereit gefühlt. Aber vielleicht ist es wirklich so, dass ich durch meinen Wechsel in der kurzen Phase nach der WM zu viel Stress hatte und der Körper nicht bereit war.

Kann man sich in so einer Phase sagen: Jetzt muss ich die Zeit nutzen, um mich hier so gut wie möglich einzuleben.

Mir ist nichts anderes übrig geblieben. Ich musste noch auf meine Wohnung warten und habe mich entschlossen, für den Übergang eine Airbnb-Wohnung in Düsseldorf zu nehmen.

Airbnb?

Ja, ich habe mir im Internet eine möblierte Wohnung gesucht. Das ist näher dran am wahren Leben.

Das hört sich aber gar nicht nach der schillernden Bundesliga-Welt an.

Im Hotel wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen. So hatte ich eine Wohnung in der Nähe vom Carlsplatz und war viel zu Fuss unterwegs. Das hat mir geholfen, mich einzuleben und die Mentalität der Menschen besser kennenzulernen. Ich weiss jetzt, was die Kö ist oder wo die längste Theke der Welt steht (schmunzelt).

Haben Sie inzwischen Ihre richtige Wohnung bezogen?

Ja, ich wohne näher in Richtung Mönchengladbach, in der Nähe von Yann Sommer. Bis zum Stadion brauche ich 20 Minuten, aber in Düsseldorf bin ich auch schnell. Das ist Lebensqualität pur, weil ich mich dort völlig frei bewegen kann.

Das konnten Sie in Basel doch auch.

Ja. Aber anders. Ich habe es zwar nie als Belastung empfunden, aber in Basel wusste ich genau: Wenn ich in ein Restaurant gehe, dann kennen mich 80 Prozent der Leute. Für mich ist diese totale Anonymität ein Ausgleich zum Bundesliga-Alltag.

«Bundesliga-Alltag», das klingt immer so abgehoben. Ganz so, als würden sie in Deutschland einen Sport betreiben, von dem man in der Schweiz noch nie gehört hat. Aber wie soll sich der Alltag schon unterscheiden von dem eines FCB-Spielers mit mehreren Titeln und Einsätzen in der Champions League? Ist dieser Alltag wirklich so anders? «Es ist eine andere Welt», sagt Lang.

Mit GC und dem FCB hat er vier Titel gewonnen, zwei Meisterschaften, zwei Cupsiege. Er ist 35 Mal in einem europäischen Wettbewerb angetreten, Theatre of Dreams, Parc des Princes, Emirates Stadium. Trotzdem machte sich eine wohlige Anspannung in ihm breit, als Lang vor einigen Wochen im Bus sass und durchs Fenster die Münchner Allianz Arena erblickte. In diesem Moment wurde ihm wieder klar: «Hey, das hier, das ist mein Alltag.»

Seine Gegenspieler heissen jetzt Franck Ribéry, Marco Reus oder Julian Brandt. Klar, manchmal heissen sie auch Ridle Baku, Mike Frantz oder – wie zuletzt gegen Hannover – Linton Maina. Aber die Intensität ist auch bei denen eine andere, ebenso wie die Erwartungen, die Aufmerksamkeit, der Druck und die Erbarmungslosigkeit. Das «Drumherum», wie es so schön heisst.

Zu den Heimspielen der Borussia kommen mehr als 50 000 Menschen, zum Training am nächsten Morgen sind es bei fünf Grad und Regen immerhin 50. Zu den meisten Auswärtsspielen fliegt das Team. Nach einem Spiel in Freiburg geht es mit dem Bus nach Colmar, von dort mit dem Charter-Flugzeug nach Köln und die letzten Kilometer im Bus weiter nach Mönchengladbach. «Das ist etwas anderes, als wenn du nach dem Spiel gegen YB von Bern zurück nach Basel fährst.»

Lang würde das zwar nie so sagen, aber natürlich ist es nicht das Gleiche, ob man beim FCB trainiert oder bei Borussia Mönchengladbach. Wie oft ist er wohl schon am Montag in Basel ins Training gefahren und wusste, dass er am Samstag spielt? Wie oft hat er sich nach einem Spiel in Lausanne gedacht, dass auch 80 Prozent gereicht hätten? Oder 70? «In der Bundesliga kannst du dir nichts erlauben. Du musst jeden Tag alles geben», sagt Lang, «darum wollte ich meine Komfortzone in Basel ja auch verlassen. Ich wollte mir beweisen, dass ich hier mithalten kann.»

«Vorzeige-Profi»

Jetzt spielt er in einer grossen europäischen Liga, so, wie er sich das schon immer erträumt hatte. Aber das alles wäre kaum möglich gewesen, wenn er nicht eines Tages erkannt hätte, dass es ohne harte Arbeit nicht geht. Lang hat nie dieses Übermass an Talent besessen wie andere Spieler, das es ihm erlauben würde, sich nur darauf zu verlassen. Als er mit neun Jahren bei einem Probetraining teilnahm, war zwar schnell zu erkennen, das er seinen Mitspielern körperlich und mental voraus war. Aber dass es mal so weit gehen würde …?

Man kann sich das heute ja kaum noch vorstellen, aber es soll tatsächlich mal eine Zeit gegeben haben, in der Lang nicht der Vorzeige-Profi von heute war. Als die U15 des FCSG bei einem Vortrag von Arno Del Curto zu Gast war, störte Lang so lange, bis der Eishockey-Trainer ihn zurechtwies. Und auch seine ehemaligen Trainer wie Giorgio Contini, René Weiler oder Rolf Fringer erzählen immer wieder gerne, dass Lang nicht einverstanden war, als er auf die rechte Seite befohlen wurde.

Solche Anekdoten gibt es in den letzten Jahren nicht mehr; und wenn, dann sind sie ganz tief in der Privatsphäre versteckt. Ganz egal, wen man an diesem Wochenende fragt, Trainer Dieter Hecking, Sportchef Max Eberl, Journalisten oder Menschen, die Lang privat gut kennen: Sie alle sprechen vom Vollprofi, der genau weiss, was er will. Früh genug ins Bett, nach dem Training in die Kältekammer, bewusste Ernährung, zusätzliche Einheiten beim Osteopathen. Einfach alles, was von einem Fussball-Profi heutzutage erwartet wird.

Gladbach ist der vorerst letzte Schritt Ihrer Reissbrett-Karriere.

Reissbrett-Karriere?

Na ja, Ihre Laufbahn passt zu dem Bild, das viele Menschen von Ihnen haben: ohne Ecken und Kanten.

Das denken Sie also (lacht). Nein, ich weiss, was Sie meinen: Wenn man meine Karriere aufmalt, ist es eine relativ gerade Linie nach oben. Zwar nicht mit den ganz grossen Sprüngen, aber dafür auch ohne Abstürze.

War Ihnen klar, dass es nur so geht?

Will das nicht jeder? Im Grunde sollte das die normale Entwicklung sein. Ein Schritt nach dem anderen. In St. Gallen habe ich die Grundlagen gelernt. Bei GC habe ich mich neben dem Rasen entwickelt und meinen ersten Titel gewonnen. Und dank der erfolgreichen Zeit in Basel darf ich jetzt in der Bundesliga spielen.

Ist dieser Weg akribische Planung – oder pures Glück?

Natürlich ist es der Weg, den ich so ähnlich im Hinterkopf hatte. An der einen oder anderen Stelle hätte es aber auch anders laufen können.

Sie haben im Winter 2014/15 ein Angebot des FCB ausgeschlagen, der Sie schon da verpflichten wollte. Woher kam das Selbstvertrauen, Nein zu sagen?

Wir hatten mit GC keine gute Form, standen im Abstiegskampf, und ich habe mich verpflichtet gefühlt. Aber natürlich war mir auch klar: Wenn nicht alles schiefläuft, kommt die Chance wieder. Und inzwischen weiss ich, dass die Verantwortlichen beim FC Basel sogar etwas beeindruckt waren von meiner Absage.

Eine andere Wendung hätte Ihre Karriere auch vor einem Jahr nehmen können, als Swansea Ihnen 50 000 Pfund Lohn bot – pro Woche.

Diese Zahl wurde von den Medien kolportiert, und es ist etwas ärgerlich, dass das überall stand.

Wieso?

Weil ich jetzt immer wieder mit der Zahl konfrontiert werde. Aber ja, das war so ein Punkt, an dem meine Karriere durchaus einen anderen Weg hätte nehmen können.

Wie lange mussten Sie überlegen, diese Offerte abzulehnen?

Nicht lange. Ich hatte dem FCB zwar gesagt, dass ich mir einen Wechsel im Winter vorstellen kann, wenn die perfekte Anfrage kommt. Aber das Angebot kam sehr kurzfristig, und es hat sich nicht richtig angefühlt. Mein Gefühl hat sich ja bestätigt: Hätte ich Ja gesagt, würde ich jetzt vielleicht in der Championship spielen und mich auf dem Weg zum Training jedes Mal fragen: Was machst du hier?

Das hört sich alles so vernünftig an. Dabei kann einem die Summe von 50 000 Pfund pro Woche ordentlich den Kopf verdrehen.

Unabhängig von dieser Zahl gab es auch Stimmen, die gesagt haben: Was überlegst du eigentlich noch? Mach das!

Was hilft Ihnen bei solchen Entscheidungen: ein gesunder Menschenverstand, das gute Elternhaus oder doch ein verlässlicher Berater?

Ich will mich hier gar nicht aufspielen und so tun, als würde ich nicht von dieser Entwicklung profitieren. Ich bin der Letzte, der sagt, dass er nie einen Wechsel machen wird, bei dem das Geld im Vordergrund steht.

Das heisst, wir sehen Sie zum Ende der Karriere noch bei Tianjin Quanjian?

Wer weiss? Aber es ist klar, dass jeder sich Gedanken macht, wenn er am Ende der Karriere mit sich im Reinen ist und sagt: Ich habe alles erreicht, was ich mir vorgestellt habe …

Wann sind Sie mit sich und Ihrer Karriere im Reinen?

Ich will mich in der Bundesliga und bei Borussia beweisen und hier zu einem wichtigen Spieler werden. Was dann noch kommt, wird man sehen. Aber ich lehne mich nicht zurück und sage: Ich habe es in die Bundesliga geschafft, das reicht mir.

Eine Nostalgie-Rückkehr zum FCB wird es bei Ihnen also nicht geben?

Auch das kann ich jetzt unmöglich beantworten. Vielleicht will ich eines Tages zurück zum FCB. Oder nach St. Gallen. Vielleicht merke ich mit 34 aber auch, dass es keinen Sinn mehr macht und ich mir nur meinen Ruf zerstören würde.

Dabei könnte die aktuelle Ausgabe des FC Basel einen wie Lang gut gebrauchen. Vor allem wegen dem, was in der Kabine offenbar verloren gegangen ist, seit Lang und andere Leader den Verein verlassen haben.

Als Lang im Sommer 2015 präsentiert wurde, da ist – das darf man so sagen – keine Hysterie rund um den St.-Jakob-Park ausgebrochen. Auf einen 24-jährigen Aussenverteidiger hatte in Basel keiner gewartet; erst recht nicht auf einen 24-jährigen Aussenverteidiger vom Grasshopper Club. Aber so ist es immer schon gewesen: Was man an einem Spieler wie Michael Lang hat, merkt man erst so richtig, wenn er nicht mehr da ist.

Lang hat sich damals schnell eingelebt in Basel und das Vakuum genutzt, das durch den Rücktritt von Marco Streller und die Abgänge von Fabian Frei oder Fabian Schär entstanden war. «Michael ist ein intelligenter Spieler, der sich schnell einfügt. Er ist einer, der auch in schwierigen Situationen stehen bleibt. Kein Lautsprecher, aber ein echter Leader», sagte Georg Heitz damals und gab damit eine präzise Vorschau auf Langs dreijährige Zeit beim FCB.

Der Verteidiger verstand sich trotz seiner Zürcher Vergangenheit sofort als Teil des FCB. Und während bei Trainer Urs Fischer monatelang über die Frage diskutiert wurde, wie viel Zürich man Basel zumuten kann, machte Lang sich an die Arbeit. Elf Skorerpunkte in 37 Partien in der ersten Saison. 16 Punkte in 41 Spielen im zweiten Jahr, darunter ein Tor beim Cupsieg gegen Sion. Und dann diese letzte Saison, als Lang sich mit 17 Skorerpunkten in 44 Spielen für die Bundesliga empfahl.

Ob es auch an seinem Abgang lag, dass die Basler in diesen Tagen stehen, wo sie stehen? «So was werden Sie von mir nicht hören», sagt Lang. «Ich bin überzeugt, dass der FCB die aktuelle Phase braucht, damit er bald wieder Erfolge feiert. Aber natürlich tut es weh, wenn ich die aktuelle Tabelle der Super League sehe.» Und auch den FCB-Fans dürfte es wehtun. In Zeiten, in denen die Medienabteilung ein 1:1 gegen den FC Luzern feiert wie den 21. Meistertitel, denkt manch einer sehnsüchtig ans Vorjahr zurück, als Lang in zwei Spielen gegen den FCL vier Tore schoss.

Es war die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Sieben Tore in fünf Partien, das wichtigste am 22. November in der Champions League gegen Manchester United. Jetzt, ein Jahr später, hat Lang zum Jahrestag wieder einige SMS bekommen. «Mike, weisst du noch?» Er hat sich das Tor wieder angeschaut, dabei könnte er es auch nacherzählen, wenn man ihn morgens um 4 Uhr aus dem Tiefschlaf weckt.

Pass von Zuffi, Ablage von Oberlin, Steffen und seine kurzen Schritte. Pass von Elyounoussi, Flanke von Petretta, Darmian, Smalling, Rojo und Blind, die nicht an den Ball kommen. Schuss, Tor. Die Freude in seinen Augen, die Mitspieler, der Sportchef Streller, der über die Bande springt und direkt von der rotblauen Jubeltraube geschluckt und zu Boden geworfen wird. Am Ende des Abends laufen Lang während des Interviews die Tränen übers Gesicht.

«Jeder Fussballer hat eine Handvoll Spiele, die er nie vergessen wird», sagt Lang. Dabei braucht man in seinem Fall fast schon zwei Hände. Für den FCB mag das 1:0 gegen Manchester United der letzte grosse Höhepunkt gewesen sein. Für Lang sind noch weitere hinzugekommen: Das erste Spiel in der Bundesliga, das erste Tor in der Bundesliga, seine zweite WM – auch wenn sie mit einer Roten Karte und dem Achtelfinal-Aus gegen Schweden endete.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Leistungen ausreichend gewürdigt werden? Oder fühlen Sie sich unterschätzt?

(Überlegt.) Nein, das sehe ich nicht so. Alle Mitspieler und Verantwortlichen wissen, was sie an mir haben. Auch die Fans honorieren meine Leistungen, sonst wäre ich im Februar kaum zum beliebtesten Spieler der Super League gewählt worden. Und ich habe auch schon gehört, dass ich einer der besten Transfers in der Ära von Bernhard Heusler und Georg Heitz gewesen sei. Das macht mich stolz – zeigt aber auch, dass meine Leistungen gewürdigt werden.

Und trotzdem fordert niemand: Michael Lang muss in der Nationalmannschaft spielen. Fehlt Ihnen diese Rolle?

Ich habe 30 Länderspiele gemacht, bin bei zwei WM-Turnieren und bei der EM 2016 zum Einsatz gekommen. Das sind Erfolge, auf die ich stolz sein kann, oder etwa nicht?

Keine Frage. Aber Sie standen immer hinter Captain Stephan Lichtsteiner.

So ist es nun mal in der Nationalmannschaft. Wenn ein Spieler wie er, zudem noch Captain der Mannschaft, auf deiner Position spielt, ist es halt schwer. Und trotzdem war ich bei nahezu jedem Zusammenzug dabei.

Der letzte Zusammenzug verlief für Sie aber sicher enttäuschend.

Ich habe mich in erster Linie über den Einzug ins Final Four gefreut. Aber klar, die letzte Woche lief für mich persönlich nicht optimal: Wenn man bei einem 0:1 gegen Katar aufläuft und bei einem 5:2 gegen Belgien auf der Bank sitzt, hätte man sich das definitiv anders vorgestellt.

Haben Sie sich je die Frage gestellt, ob Sie im Trikot der Schweiz vielleicht nie eine tragende Rolle spielen?

Die Karriere in der Nationalmannschaft lässt sich leider nicht so planen wie die im Club. Ich bin 27 Jahre alt und habe sicher die Chance bei optimalem Verlauf, noch zwei Turniere spielen zu können. Und wenn es anders kommen sollte, werde ich auch damit umgehen können.

Jetzt ist die Nationalmannschaft ohnehin schon wieder ganz weit weg. In der Bundesliga spielt Mönchengladbach bis zur Winterpause noch fünf Mal, diesen Sonntag gegen RB Leipzig. Und zum Abschluss der Hinrunde wartet dann Borussia Dortmund. Es deutet vieles darauf hin, dass es ein wahres Spitzenspiel wird, Erster gegen Zweiter und damit irgendwie auch Bestätigung für all den Schweizer Einfluss in der Liga.

In Gladbach ist die Euphorie gross, selbst an einem ansonsten geruhsamen Montagmorgen wird Lang oft unterbrochen, um entweder Komplimente zu seinem Auftritt entgegenzunehmen oder in Fotokameras zu lächeln. «Glückwunsch», «weiter so», «schönes Tor». Auf dem Weg zum Auto trifft er auf einen Fan, der schon vor dem Spiel zu ihm gesagt hatte: «Gegen 96 machst du dein erstes Tor für die Borussia.» Er hat tatsächlich recht behalten.

Michael Lang macht sich auf die Rückfahrt in seine neue Heimat. Er ist später noch mit seiner Freundin verabredet, die seit einem Monat ebenfalls in Deutschland wohnt. Und auch sonst ist noch viel zu organisieren. Aber Michael Lang wäre nicht Michael Lang, wenn er nicht trotzdem einen Termin in der Kälte-Sauna vereinbart hätte.

«Ich darf jetzt nicht nachlassen.»

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