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Mal wieder Unruhe

Schalke 04 installierte ein Trainertalent für einen abermaligen Neustart. Weil eine Clublegende über Nacht flüchtete, herrscht schon wieder Chaos.

Gehen seit kurzem getrennte Wege: Ex-Schalke-Captain Benedikt Höwedes und Neutrainer Domenico Tedesco.
Gehen seit kurzem getrennte Wege: Ex-Schalke-Captain Benedikt Höwedes und Neutrainer Domenico Tedesco.
Keystone

Eigentlich hätte ja schon Markus Weinzierl diese Rolle übernehmen sollen: die des Erlösers. Er, der in den Jahren zuvor in Augsburg aus einer Gruppe von Durchschnittsfussballern stets eine leidenschaftlich kämpfende Truppe zu formen und ansprechende Erfolge zu feiern wusste.

Nach einem enttäuschenden ersten Jahr beim Bundesligisten fragte sich die Vereinsführung aber, ob das noch was werde mit Weinzierl. Ob nun, in der zweiten Saison, alles besser werde? Die Verantwortlichen verneinten zweimal.

Also war Weinzierl, der designierte Erlöser, nach nicht mal einem Jahr schon wieder weg. Schalkes Neustart gelang nicht. Mal wieder. Der Verein sah sich gezwungen, seine Strategie abermals auf den Kopf zu stellen. Mit Domenico Tedesco wurde für die Nachfolge ein Trainertalent bestimmt. Ein 31-Jähriger, der in vielerlei Hinsicht an Hoffenheims Erfolgscoach Julian Nagelsmann erinnert.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war, Verteidiger Benedikt Höwedes seines Captain-Amtes zu entheben und ihm die Stammplatzgarantie zu entziehen. Tedesco interpretierte das nicht als eine Entthronung. An einer Medienkonferenz sagte er: «Wir möchten, dass Benedikt hier spielt und den Konkurrenzkampf annimmt. Das befruchtet uns.»

Vertrauensbruch in den letzten Wochen

Erst schien Höwedes, seit 16 Jahren ein Knappe, sich der Herausforderung stellen zu wollen. Kurz bevor das Transferfenster schloss, entschied sich der 29-Jährige nach zwei Spielen ohne Einsatz um.

Er bat um die Freigabe – und wechselte leihweise zu Juventus Turin. Und statt im x-ten Neustart eine tragende Rolle einzunehmen, schürte er die Unruhe in Gelsenkirchen. Dazu kam, dass nach dem furiosen Saisonstart gegen Leipzig (2:0) gleich wieder ein blutleerer Auftritt gegen Aufsteiger Hannover folgte (0:1).

Kaum war Höwedes weg, lieferte er via Facebook Einblicke in seine Gefühlswelt. «Hätte mich jemand vor vier Wochen gefragt, ob ich in dieser Transferperiode ins Ausland gehe, hätte ich ihn für verrückt erklärt», schreibt die Schalker Clublegende. Nun sei es Realität. Und Höwedes ist vor allem eines: «sprachlos».

Mehrfach hätte er zu anderen Vereinen wechseln können. Jedes Mal habe er sich bewusst für einen Verbleib bei seinem Jugendverein entschieden. «Aus vollster Überzeugung.» Er habe dem Verein bedingungslos vertraut. «In den letzten Wochen ist dieses Vertrauensverhältnis mehrfach auf die Probe gestellt worden.»

Und dann sagt er diesen einen Satz, der sich direkt an Trainer Tedesco richtet: «Reisende kann man aufhalten, wenn man will.» Der Schalke-Coach hatte Tage zuvor an einer Pressekonferenz zum Thema wechselwillige Spieler gesagt: «Reisende soll man nicht aufhalten.»

Tedesco bereut

Diese Aussage fliegt Tedesco seither um die Ohren. Es habe ihn persönlich beschäftigt, «dass die Aussage missverstanden worden ist. Sie stand in einem Kontext, wurde jedoch verkürzt wiedergegeben. Das hätte ich wissen können, darum war das unglücklich.»

Unglücklich ist man auf Schalke nun, weil man mit Benedikt Höwedes nicht nur einen gestandenen Abwehrspieler, sondern auch eine Führungspersönlichkeit verloren hat. Tedesco sagte am Montag im «Kicker», dass er den Abgang unglaublich schade finde. Dieser sei zudem unerwartet gekommen, da ihm der Ex-Captain noch kurz zuvor versichert habe, «dass er ein Teil des grossen Ganzen sein will». Ressentiments gibt es vonseiten Tedescos aber keine. Er offenbart gar, dass er sich eine Höwedes-Rückkehr in einem Jahr vorstellen könnte: «Wir würden froh sein.»

Der Verteidiger selbst erklärte, dass die jetzige Lösung allen helfe. «Dem Verein, dass es nicht Woche für Woche Diskussionen über meine Person gibt. Und mir selbst, dass ich eine unbelastete Situation vorfinde.» Höwedes’ letzte Worte: «Ich gehe als Spieler, aber ich bleibe als Fan.»

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