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Keine Zeit für Spektakel

Roberto Di Matteo debütiert bei Schalke mit einem zähen 2:0 gegen Hertha Berlin. Er nimmt den Rummel um seine Person ganz gelassen.

Schalke-Trainer Roberto Di Matteo jubelt über seinen ersten Sieg. Foto: Ina Fassbender (Reuters)
Schalke-Trainer Roberto Di Matteo jubelt über seinen ersten Sieg. Foto: Ina Fassbender (Reuters)

Es gibt diese Sequenz nach dem Champions-League-Final 2012. Fragt der Fernsehreporter: «Ihr Stil ist erfolgreich, aber ist er auch schön?» Roberto Di Matteo antwortet, indem er wegläuft. In Deutschland haben sie den Italiener aus Schaffhausen in den letzten Tagen immer wieder auf den Fussball reduziert, der ihm vor zweieinhalb Jahre als Chelsea-Trainer seinen grössten Triumph eingebracht hat. Di Matteo, der Defensivtrainer? Er kann damit nicht viel anfangen, er sieht den Fussball pragmatisch: Der Erfolg beginnt für ihn mit einer stabilen Defensive. Das Spektakel kommt nachher. Am Samstag steht Di Matteo bei Schalke 04 erstmals an der Seitenlinie. Der neue Trainer verkneift sich danach die grossen Gefühle. Er schaut lieber zu, wie die Spieler mit den Fans jubeln. Das 2:0 gegen Hertha Berlin tut allen gut, das schon, aber Verteidiger Christian Fuchs twittert später: «Drecksspiel, Dreckssieg. Was sagt uns das? Dreckssiege zählen auch drei Punkte.»

Die Schalker bauen auf harte defensive Arbeit, der sich bereits die Offensivkräfte unterwerfen müssen. Das Spiel ist weniger Spiel als vielmehr zäher, fehlerhafter Kampf. Auch die Tore haben einen Makel. Vor seinem 1:0 verschafft sich Klaas-Jan Huntelaar den nötigen Freiraum, indem er Gegenspieler Heitinga wegschiebt. Zum 2:0 von Julian Draxler lenkt Herthas Schweizer Captain Fabian Lustenberger den Ball entscheidend ab.

«Der Chef bin ich»

Schalke ist kein Verein wie ein anderer, er ist getrieben von Emotionen und Sehnsüchten, die ihn immer wieder in die Krise stürzen. Dass Di Matteo der 15. Trainer in den letzten 10 Jahren ist, steht für diese Unstetigkeit und Unruhe. «Davon habe ich gehört», sagt Di Matteo, so unaufgeregt, wie er sich immer gibt, seit er vor zwei Wochen als neuer Verantwortlicher vorgestellt worden ist. Und wie will er dagegen angehen? «Indem wir Spiele gewinnen, und die Regeln sollten dabei helfen.» Die Regeln stellt er auf – die erste und wichtigste heisst: «In einer Mannschaft kann es nur einen Chef geben, und der Chef bin ich.» Unter seinem Vorgänger Jens Keller war das offenbar noch anders. Di Matteo legt Wert auf Disziplin und sieht darin nichts Besonderes, und er kann auch nicht viel damit anfangen, wenn er als harter Trainer bezeichnet wird. Er habe immer nach seinen Grundsätzen gearbeitet, sagt er, und er werde es weiterhin so halten.

Milton Keynes, West Bromwich Albion und Chelsea hiessen seit 2008 seine Stationen als Trainer. Erfolgreich hat er überall gearbeitet, bis er im November 2012 bei Chelsea für die Ungeduld von Besitzer Abramowitsch zahlte und freigestellt wurde. Immerhin brauchte er nicht zu darben, 195'000 Franken erhielt er jede Woche, bis der Vertrag diesen Sommer endgültig ausgelaufen war.

Nun ist er bereit für das, was er «Super-Herausforderung» nennt. Rapportiert wird, dass er schon um 7.45 Uhr in seinem Büro sitzt, auch wenn erst nachmittags trainiert wird. «Er ist total aufgeladen», sagt Schalkes Präsident Clemens Tönnies. Die Spieler bemühen sich noch um Zurückhaltung, wenn es um die Wertung ihres neuen Chefs geht. Der junge Draxler sagt: «In ein paar Wochen kann ich mehr zu ihm sagen.»

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