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Islands Kult-Kommentator bangt um seinen Job

Gudmundur Benediktsson prägte die EM. Dennoch durchlebt er aktuell eine schwere Zeit.

Erinnern Sie sich? Island bei der EM. Das «Huh» der Mannschaft mit ihren Fans nach Spielende, natürlich. Und zuvor beim Schlusspfiff dieser verrückte Fernsehkommentator, nicht wegzudenken. Der ausrastete bei jedem Sieg. Bei jeder Runde, die das Überraschungsteam weiterkam. Schreie bis zu Ekstase, eine hohe Stimme, die sich überschlug, bis irgendwann nur noch ein Krächzen zu hören war. Islands wundersame EM wurde auch von Gudmundur Benediktsson geprägt

Durch seine überschwängliche Kommentierung wurde er in aller Welt bekannt. Benediktsson war selbst Fussballprofi, er absolvierte einige Länderspiele, in Island ist er als «Gummi-Ben» bekannt. Ein Star aber wurde er erst durch die EM, durch seine Hingabe zum Spiel und zur isländischen Mannschaft.

«Jaaaaaaa!»

Als Kommentator der WM-Qualifikation ist er allerdings noch nicht gesetzt. Bei seinen Auftritten bei der EM habe es sich lediglich um einen Sondereinsatz für Islands öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RUV gehandelt, erklärte Benediktsson. Mittlerweile hätten die regulären Sportkommentatoren des Senders das Ruder wieder übernommen.

Bei den überraschenden Siegen der isländischen Nationalelf gegen Österreich und dann auch noch im Achtelfinale gegen England war Benediktsson live im Fernsehen regelrecht ausgerastet. Sein lang gezogenes «Jaaaaaaa!» bei Treffern der Isländer machte ihn dank Internet zu einem skurrilen Helden des Turniers. Im Gedächtnis blieb auch sein Ausspruch «England, geh nach Hause. Verlasst Europa, geht hin, wohin ihr wollt», als die englische Mannschaft wenige Tage nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der EU im Fussball gegen Island unterlag.

Benediktsson beteuerte nun aber, dass er im Alltag alles andere als hysterisch sei. «Wenn ich Gelegenheit habe, Fussball zu gucken, und nicht arbeite, bin ich sehr ruhig, und das bin ich auch im Allgemeinen im Leben», sagte er. In seinen Kommentaren der EM-Spiele habe er wohl nur «die Gefühle zum Ausdruck gebracht, die fast alle Isländer hatten».

Islands Erfolgsstory scheint endlich zu sein

Dass Island erst im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich ausgeschieden war, war für das kleine Land eine enorme Überraschung gewesen. Ab Montag kämpft die Mannschaft des Inselstaates nun um die Qualifikation für die WM 2018 in Russland. Dass die isländische Nationalmannschaft es wieder weit bringt, ist für Benediktsson keinesfalls ausgemacht. «Ich bin Optimist, aber ich muss zugeben, dass ich mir Sorgen mache», sagte er.

Schliesslich sei Islands Qualifikationsgruppe für die WM in Russland «sehr hart», sagte der 42-jährige Ex-Fussballspieler mit Blick auf Gegner wie die Türkei und Kroatien. Ausserdem hätten viele isländische Spieler nach der unerwartet langen EM-Teilnahme noch nicht wieder zu ihrer optimalen Form zurückgefunden.

Für Benediktsson selbst läuft es derzeit beruflich nicht so gut. Während der EM verlor er seinen Posten als Assistenztrainer bei KR Reykjavík. Im Herbst wolle er sich einen neuen Verein suchen, sagte er. Dann kann er auf der Trainerbank wieder herumschreien. «Ich werde immer derselbe sein, so bin ich einfach», sagte Benediktsson.

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