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«Ich wünsche mir eine Rückkehr zum FCB»

Beim FC Basel war für ihne die Zeit noch nicht reif – jetzt erobert Timm Klose beim 1. FC Nürnberg die Bundesliga. Mit dem FCB pflegt er aber trotzdem regelmässig Kontakt.

Glücksgefühle in Mönchengladbach: Im September 2012 schoss Klose sein bisher einziges Saisontor.
Glücksgefühle in Mönchengladbach: Im September 2012 schoss Klose sein bisher einziges Saisontor.
Keystone

Wenn es noch ein letztes Indiz für die Feststellung gebraucht hätte, dass Timm Klose ein bemerkenswerter Fussballer ist: Zum vereinbarten Treffen beim Trainingsgelände am Nürnberger Valznerweiher erscheint er zehn Minuten zu früh. Dazu muss man wissen: Fussballprofis neigen dazu, es mit der Pünktlichkeit nicht so genau zu nehmen. Als Faustregel gilt: je grösser der Name, umso länger die Wartezeit. Kennt man vielleicht aus der Musik- oder Filmbranche.

Noch hat Timm Klose nicht den grössten Namen in der Liga. Doch er fällt immer mehr auf, dank seiner Körpergrösse von 195 Zentimetern, seiner enormen Kopfballstärke, dank seinen spiel- und kampfstarken Leistungen auf dem Platz. Als einziger Spieler des 1. FC Nürnberg fehlte der Basler in dieser Saison noch keine Minute. Er bestritt alle 18 Bundesligapartien und kam dazu noch auf die besten statistischen Werte (Zweikämpfe, Passspiel, Fouls) innerhalb der Mannschaft. Richtig gut für einen, der sich im Sommer 2009 beim FC Basel noch nicht durchsetzen konnte und zunächst sein Glück in Thun in der Provinz suchen musste.

Die Geschichte von Timm Klose ist aber dennoch keine typische Teller­wäscher-Story made in Hollywood. Er kommt aus gutem Elternhaus mit Tradition und durchlebte eine unbeschwerte und finanziell abgesicherte Kindheit. «Ich hatte stets einen guten Bezug zum Geld.» Sein Uronkel war Fred Spillmann, der bekannte und provokante Couturier aus Basel. Timms Mutter, ­Daniela Spillmann-Klose, führt nun die schmucke Boutique am Rheinsprung in der Innenstadt. Der Sohn sagt: «Wir sind ein Teil des Basler Daig.»

Der Uronkel: Fred Spillmann

Die Familie Spillmann-Klose ist modernstes Patchwork; Timms Halb­­­bruder heisst Manuel, Lea ist seine Halbschwester, beide stammen aus Daniela Spillmanns erster Ehe. Noch näher ist Timms Verbindung mit Zoe, sie ist seine sieben Minuten jüngere Zwillingsschwester. Die beiden wurden am 9. Mai 1988 in Frankfurt geboren, Vater Norbert ist Deutscher und trägt an einem grossen Turnier gerne mal vor dem Fernseher das Trikot mit dem Bundesadler. Timm ist Doppelbürger, so gesehen war sein Transfer von Thun zu Nürnberg im Sommer 2011 kein Weggang, sondern eine Rückkehr in seine zweite Heimat.

Timm hat nicht – wie der Rest der Familie Spillmann-Klose – studiert, sondern die HMS abgeschlossen. Und trotzdem ist er nun der Grossverdiener unter dem glorreichen Stammbaum. «Damit habe ich den Respekt gegenüber den anderen jedoch nie verloren», hält Klose fest. Die Eltern spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben. Vater Norbert gibt ihm Einsicht in die Welt der ­Immobilien, wo sie zusammen ihr Geld investieren.

Mitgegeben haben sie ihrem Filius auch, dass Emotionen im Leben eine grosse Rolle spielen und Sensibilität keine Schwäche, sondern eine Charakter­eigenschaft darstellt. Dass diese auch mal mehr zum Vorschein kommen kann, als er selbst will, zeigte ein viel diskutiertes TV-Interview nach der Heimniederlage gegen den SC Freiburg im November 2011. Mit einem ­kapitalen Fehler hatte Klose die Pleite besiegelt. Darauf angesprochen, konnte der Innenverteidiger seine Tränen nicht mehr zurückhalten – die Bilder des aufgewühlten Profis, live auf dem Bezahl­sender Sky zu sehen, gingen durch halb Europa.

«Ich versuchte damals, mich zusammenzureissen, aber es ging einfach nicht mehr», erinnert sich der Spieler. «Nie zuvor war mir auf dem Platz ein solcher Fehler unterlaufen.» Klose verlor seinen Stammplatz in der Mannschaft und musste sich über ein halbes Jahr gedulden, ehe er diesen Sommer eine neue Chance bekam. Und sie nutzte. Die Reaktionen nach seinen Tränen in der Öffentlichkeit waren unterschiedlich. Die einen lobten Klose als gefühlsstarken, ehrlichen Profi; andere kanzelten ihn als Heulsuse ab. «Im Leben», sinniert Klose, «braucht es solche harten Momente, um weiterzukommen.»

Der Rückhalt: Murat Yakin

Hart waren auch die Tage im Hochsommer 2009. Als hoffnungsvoller U21-Spieler stand er im Profikader des FC Basel. Er war von den Old Boys gekommen, wo er jahrelang Seite an Seite mit Kumpel Eren Derdiyok gekickt hatte. Doch der damalige FCB-Trainer Thorsten Fink entschied sich für Beg Ferati und gegen Klose. «Im ersten Moment brach für mich schon eine Welt zu­sammen, denn mein Herz ist zur Hälfte rotblau.» Klose wechselte zum FC Thun in die Challenge League. Dort kreuzten sich seine und Murat Yakins Wege. Der heutige FCB-Coach formte aus dem ­verunsicherten Jungspund einen stilprägenden Abwehrspieler, der auf ­Anhieb in der Super League bestehen konnte. Im Sommer 2011 stand eine Rückkehr in den St.-Jakob-Park zur ­Debatte, «doch ich wählte das Risiko – und ging zum 1. FC Nürnberg».

Im Haifischbecken Bundesliga hat er sich nun nach anfänglichen Problemen durchgesetzt, ähnlich wie dies zwischen 2004 und 2006 Mario Cantaluppi schaffte; der einstige FCB-Akteur war sogar Captain bei den Franken. So auffällig wie Cantaluppi ist der unauffällige Klose (noch) nicht. Sein Vertrag in Nürnberg läuft bis 2014. Noch freut er sich auf eine schöne Wegstrecke in der Bundesliga, doch wenn es um den FC Basel geht, legt er die Zurückhaltung ab: «Ich wünsche mir irgendwann schon eine Rückkehr zum FCB. Das ist meine Stadt und mein Verein.» Zu Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz pflegt er regelmässigen Kontakt.

Zurück in die Arme von Murat Yakin? Dies scheint nicht abwegig. «Muri hat mich gelehrt, was es heisst, Persönlichkeit auf dem Platz auszustrahlen», sagt Klose, «und er zeigte uns, wie man als Verteidiger die Ruhe bewahrt.» Als Yakin im August 2012 seinen Trainerjob in Luzern verloren hatte, besuchte er Klose sogar in Nürnberg. «Wir kommen sehr gut miteinander klar», sagt der Mann mit der Rückennummer 15 – exakt jene Zahl trug übrigens einst auch Yakin beim FC Basel auf dem Trikot.

Das Geschenk: Jaguar XK 140

Wie Yakin hat auch Klose ein Auge für die Schönheiten des Lebens. Auf den nächsten Geburtstag im Mai beschenkt er sich selbst mit einem Oldtimer – einem Jaguar XK 140, Baujahr 1955 (der Jahrgang seiner Mutter). Stephan Musfeld vom Pantheon-Forum Basel bringt den formschönen fahrbaren Untersatz auf Hochglanz.

Und sollte sich Klose dann eines ­Tages mit dem Jaguar ein Fährtchen in der Gegend um Nürnberg gönnen – er würde für einmal bestimmt auf Anhieb auffallen.

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