«Ich darf nicht mehr so laut fluchen»

Ruedi Zbinden will als Sportchef des FC Basel weniger präsent sein als Marco Streller. Den Sparkurs von Präsident Burgener trägt er mit.

Ruedi Zbinden spricht im Trainingslager in Rottach-Egern über seinen neuen Posten als Sportchef des FC Basel.

Ruedi Zbinden spricht im Trainingslager in Rottach-Egern über seinen neuen Posten als Sportchef des FC Basel.

Am letzten Donnerstag hat Ruedi Zbinden sich dazu entschieden, neuer Sportchef des FC Basel zu werden. Am letzten Freitag teilte der Club dann mit, dass der 60-Jährige der Nachfolger von Marco Streller wird. Und heute sprach Zbinden am Tegernsee zum ersten Mal über...

... das Angebot von Bernhard Burgener:
Der Präsident ist nach dem Rücktritt von Marco Streller auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dessen Nachfolger zu werden. Wir hatten einige gute Gespräche. Natürlich musste ich überlegen, ob ich das machen soll. Ich habe mich gefragt: Kriege ich das hin? Denn die Erwartungshaltung ist enorm gross. Ich habe dann einige Gespräche geführt und zugesagt. Weil es nicht um mich geht, sondern um den FCB. Keiner ist wichtiger als der andere, das will ich vermitteln. Das habe ich auch den Spielern gleich gesagt.

... seine Doppelrolle als Scouting- und Sportchef:
Nach 17 Jahren habe ich im Scouting-Bereich einiges aufgebaut und war in dieser Zeit etwas weiter weg von der Mannschaft. Aber ich weiss, was auf mich zukommt, weil ich diese Arbeit zu Zeiten von Christian Gross und Gigi Oeri bereits ausgeführt habe. Es ist klar, dass sich seitdem viel geändert hat, das habe ich bereits in den ersten Tagen gelernt. Ich musste mein Handy häufiger laden als früher. Trotzdem werde ich auch weiterhin im Scouting-Bereich tätig sein, allerdings gezielter. Es beeinflusst meine Arbeit als Sportchef nicht, wenn ich mal für einen Tag nach Südamerika reise, um dort einen Spieler zu beobachten.

... sein Team:
Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mit einem kleinen Team zusammenarbeiten will. Meine Mitarbeiter werden Sportkoordinator Philipp Kaufmann und Talentmanager Marcel Herzog sein. Kaufmann ist mit 25 Jahren noch jung, ich habe aber bereits viel mit ihm zusammengearbeitet und habe einen sehr guten Eindruck von ihm. Ich wollte ihn unbedingt in meinem Team haben. Marcel Herzog ist als Talentmanager unsere Verbindung in den Nachwuchsbereich. Mir ist wichtig, dass die Wege wieder kürzer sind. Heutzutage ist es für uns ohnehin schwierig, gewisse Spieler zu verpflichten. Deshalb müssen wir wieder schneller und agiler werden.

... die Rolle von Kaderplaner Remo Gaugler:
Er wird nicht mehr unser Kaderplaner sein. Ich habe ihm bereits vor anderthalb Jahren das Scouting im Jugendbereich übergeben und er hat das auch sehr gut gemacht. So wie es aktuell aussieht, erfüllt er diese Aufgabe auch weiterhin oder übernimmt vielleicht noch weitere Aufgaben im Juniorenbereich.

... die turbulenten Tage beim FCB: Natürlich habe ich mitbekommen, dass einige Dinge in verschiedenen Bereichen nicht optimal gelaufen sind. Aber für mich und den Verein ist es wichtig, dass es jetzt wieder vorwärts geht. Deswegen will ich mich auch nicht mehr dazu äussern. Ich habe nach meiner Ernennung eine SMS von Marco Streller erhalten, der mir gratuliert hat. Das hat mich gefreut und motiviert mich zusätzlich.

... die Mannschaft:
Ich denke, dass wir ein breit aufgestelltes, gutes Kader haben. Natürlich wird es noch Veränderungen geben, wir planen aktuell mit einer Kadergrösse von 22 Feldspieler und drei Torhütern. Wir sind zum Beispiel mit Carlos Zambrano in Kontakt, der aktuell bei der Copa spielt. Er kann sich vorstellen, weiterhin in Basel zu spielen und das ist auch für uns eine Möglichkeit. Auch Afimico Pululu ist ein interessanter Spieler, er hat sich bei Xamax zuletzt gut entwickelt. Und auch bei Geoffroy Serey Die sind wir in Gesprächen, allerdings will sich der Spieler aktuell voll und ganz auf den Afrika-Cup konzentrieren.

... der Spar-Auftrag des Präsidenten: vEs ist ja nichts Neues, dass man auch die Kostenstruktur der Mannschaft im Auge behalten muss. Wir werden mit dem Präsidenten absprechen, was in dem jeweiligen Fall Sinn macht.

... die Zusammenarbeit mit CEO Roland Heri:
Über Dinge wie das offizielle Organigramm haben wir noch nicht gesprochen. Ich habe erst vor einigen Tagen den Posten übernommen und will jetzt nah bei der Mannschaft sein und viele Gespräche führen. Da müssen wir in den nächsten Wochen sicher noch das eine oder andere besprechen und anschauen, ob ich beispielsweise dem CEO Roland Heri unterstellt oder gleichgestellt bin.

... die Zusammenarbeit mit Trainer Marcel Koller:
Ich kenne ihn schon lange und habe noch gegen ihn gespielt, als er bei GC war. Wir haben uns auch sonst regelmässig bei einem Kaffee ausgetauscht. Ich werde ihn jetzt unterstützen und wir schauen, was die Mannschaft noch braucht und was Sinn macht. Es ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass wir nochmals aktiv werden und einen Spielertypen verpflichten, der uns weiterhelfen kann.

... sein Auftreten in der Öffentlichkeit:
Man wird mich sicher weniger wahrnehmen als Marco Streller zuletzt. Er war als Spieler eine Ikone. Das kann man nicht mit mir vergleichen und ich werde darum auch sicher nicht so präsent sein wie er. Aber natürlich werde ich die Spiele und Trainings der Mannschaft verfolgen und in der Öffentlichkeit Auskunft geben, wenn es die Situation erfordert. Das wird am Anfang eine Umstellung werden, nachdem ich in den letzten Jahren im Hintergrund gearbeitet habe. Aber da werde ich rein finden.

... seine legendären Schimpf-Tiraden auf der Tribüne:
Der FCB war mir schon immer wichtig und natürlich bin ich immer auch Fan, wenn ich auf der Pressetribüne die Spiele verfolgen. Es haben ja im Stadion sicher einige schon mal mitbekommen, dass ich geflucht und auf den Tisch gehauen habe. Ich bin immer sehr angespannt und nervös, wenn wir spielen. Das muss dann einfach raus. Aber ich werde künftig darauf achten, dass ich mich etwas zurücknehme. Ich weiss, dass jetzt mehr Augen auf mich gerichtet sind und ich nicht mehr so laut fluchen darf.

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