Zum Hauptinhalt springen

Hoffenheims nächster Gipfel

Das Überraschungsteam von Hoffenheim hat die Vorrunde mit einem 1:1 gegen Schalke beendet und ist Wintermeister.

Können weiter feiern: Ralf Rangnick und Dietmar Hopp sind mit Bundesliga-Aufsteiger Hoffenheim Wintermeister – vor Rekordmeister Bayern München.
Können weiter feiern: Ralf Rangnick und Dietmar Hopp sind mit Bundesliga-Aufsteiger Hoffenheim Wintermeister – vor Rekordmeister Bayern München.
Keystone

Nach dem Schlusspfiff wollte der Grossteil der 26'300 Zuschauer das Carl-Benz-Stadion nicht verlassen. Es war fast ein wenig, als wollten sie den Augenblick festhalten. Es ist fast 20 Jahre her, seit Waldhof und sein Kulttrainer Klaus Schlappner in der Bundesliga gespielt haben. Seither war Mannheim mehr oder weniger sportliches Niemandsland gewesen. Die TSG Hoffenheim hat den Glanz der Bundesliga für ein paar Monate nach Mannheim zurückgebracht. Ab dem 31.Januar und dem Beginn der Rückrunde wird Hoffenheim seine Spiele in der neuen Arena im 40 Kilometer entfernten Sinsheim austragen. Dort kommt der Verein her, dorthin kehrt er zurück.

Die Geschichte des Dorfklubs erreichte gestern einen neuen Superlativ: Weil Bayern in Stuttgart nicht über ein 2:2 hinaus kam, reichte dem Aufsteiger gegen Schalke ein 1:1, um als erster Neuling in der Bundesliga-Geschichte Herbstmeister zu werden.

Der Titel ist zwar nur von symbolischem Wert und eine Momentaufnahme. Und doch ist er das nächste Kapitel in der unglaublichen Geschichte. Hoffenheim war das Thema des Herbsts im europäischen Fussball und provozierte weltweit Schlagzeilen. Selbst die New York Times aus den USA, in denen Fussball immer noch eine Beschäftigung für exzentrische Eigenbrötler ist, reiste in die nordbadische Provinz und porträtierte den Klub, der scheinbar Unmögliches möglich macht. In den letzten 17 Jahren ist Hoffenheim sieben Mal aufgestiegen. Seit Jahren prognostiziert die argwöhnische Konkurrenz das Ende des Wunders; und doch erfährt es stets eine Fortsetzung.

Möglich macht es der Software-Milliardär Dietmar Hopp, der mit einem geschätzten Vermögen von neun Milliarden Franken zu den zehn reichsten Männern Deutschlands gehört. Hopp hatte als 17-Jähriger in den Niederungen der Landesliga einst selber als Linksaussen für die TSG gespielt. Er gilt als Wohltäter der Region und unterstützt neben dem Fussballklub auch das Handballteam der Rhein-Neckar-Löwen und die Adler, bei denen sein Sohn Geschäftsführer ist. Daneben finanziert Hopp aber auch soziale und karitative Einrichtungen. Seine Angestellten gaben ihm den Übernahmen «Vadder Hopp».

Dietmar Hopp vermeidet es, wie auch sein Trainer Ralf Rangnick, den Meistertitel in den Mund zu nehmen. Je länger die Saison dauert, desto ernsthafter aber werden die Ambitionen. Mit dem Zuzug des ehemaligen Nationaltorhüters Timo Hildebrand korrigierte Hoffenheim das Manko auf der Torhüterposition. Er wird ab der Rückrunde spielberechtigt sein. Gegen Schalke zeigte sich, dass dem Klub zum absoluten Titelanwärter noch ein, zwei routinierte Verteidiger fehlen.

Offen bleibt, wie Hoffenheim mit dem zunehmenden Druck des Favoriten fertig werden wird. Die Herbstmeisterschaft vor Augen war das 1:1 gegen Schalke eines der schwächsten Spiele in der noch jungen Bundesligageschichte des Aufsteigers. Am Ende reichte die Leistung trotzdem zum Erreichen des Ziels. Wie fast immer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch