Hoeness poltert mit ganzer Feuerkraft

Abteilung Attacke: Uli Hoeness zieht wunderliche Vergleiche in der Debatte um Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer.

Uli Hoeness ergreift in gewohnter Manier Partei für den FC Bayern und dessen Angestellte – und attackiert den DFB. (Bild: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Uli Hoeness ergreift in gewohnter Manier Partei für den FC Bayern und dessen Angestellte – und attackiert den DFB. (Bild: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Vor genau 20 Tagen sagte Uli Hoeness bei der Ankündigung seines baldigen Rückzugs, man müsse keine Angst haben, dass er ein golfspielender Rentner am Tegernsee werde, man werde schon noch von ihm hören und was soll man sagen: Der Mann hält sein Wort. Am Mittwochabend kam Uli Hoeness in die Interview-Zone des FC Bayern, er geht da nach fast jedem Spiel durch, meistens wünscht er den Reportern nur einen «schönen Abend» und am Tonfall seiner Stimme kann man dann erahnen, wie er gelaunt ist.

Diesmal war es anders. Hoeness erschien nach dem Auftaktsieg seines Teams in der Champions League, baute sich mit der ganzen Gravität eines Bayern-Präsidenten auf und sendete seine Botschaft an Marc-André ter Stegen, den DFB, Joachim Löw und an die Presse.

Ob er es fair finde, wie Marc-André ter Stegen mit Manuel Neuer umgehe, wurde Hoeness gefragt. «Ich finde das einen Witz», legte Hoeness los. «Die westdeutsche Presse unterstützt den Marc ter Stegen extrem, wie wenn der schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte. Und von der süddeutschen Presse kommt keine Unterstützung.» Und wieder Richtung ter Stegen: «Ich finde es unmöglich, dass man so ein Thema in die Öffentlichkeit bringt. Er hat überhaupt keinen Anspruch dort zu spielen.» Mit «dort» meinte er das Tor der Nationalmannschaft. «Bei Torhütern muss die Hierarchie klar sein. Wenn Manuel Neuer die Form hat, gibt es gar keine Diskussion, dass nur er die Nummer eins sein kann.»

FC Bayern gegen DFB – Hoeness ist nicht zu bremsen

Einmal in Fahrt war er natürlich nicht mehr zu bremsen. «Ich hätte mir vom DFB auch mehr Unterstützung erwartet. Wir kriegen ständig vom DFB Theater, zuerst die unmögliche Ausbootung der drei Spieler (Boateng, Müller und Hummels; Anm. d. Red.) und jetzt wieder mit Manuel Neuer.» Hoeness sagte: «Dass ein Mitspieler mit einem Thema an die Öffentlichkeit geht, das er nur mit Joachim Löw zu besprechen hat – das ist nicht in Ordnung.» Er schloss ab: «Wir werden es uns in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler beschädigt werden. Wir werden den Leuten schon mal bissl Feuer geben. Das können wir.» Sprachs und wünschte einen «schönen Abend».

Es war ein Mia-san-Mia-Auftritt aus der alten Zeit, ein klassischer Hoeness. Wer sich mit einem Mitglied der Bayern-Familie anlegt, so seine Doktrin, der bekommt es auch mit dem Patron zu tun und der ist nicht zimperlich. Und wenn der das Gefühl hat, sich schimpfend und polternd vor seinen Spieler zu stellen, fallen beim Hobeln auch mal ein paar Ungenauigkeiten als Späne runter.

Dass er so quasi nebenher fordert, dass die regionale Presse regionale Fussballspieler unterstützen sollte – passiert im Eifer des Gefechts. Dass er selbst auch Jérôme Boateng ausgebootet hatte – offenbar vergessen. Dass Joachim Löw ter Stegen in diesem Jahr genau eine Halbzeit lang im Testkick gegen Serbien ins Tor stellte und sonst immer Manuel Neuer spielte und auch bei der WM Neuer nach einjähriger Verletzungspause eine Einsatzgarantie bekam – Details.

Aber spätestens nach diesem Auftritt war klar, dass das Torwart-Duell Neuer/ter Stegen, das zunächst von den beiden Akteuren erst auf dem Platz, dann an den Mikrofonen und dann auf dem Platz und an den Mikrofonen geführt wurde, jetzt auch auf der grossen administrativen Ebene angekommen ist. Kurze Chronologie: Neuer spielte in der Nationalelf gut gegen die Niederlande und Nordirland. Daraufhin sagte ter Stegen, dass die Situation in der Nationalelf ein «Schlag» für ihn sei. Daraufhin spielte Neuer super gegen Leipzig und sagte, dass ter Stegens Aussagen «nicht hilfreich» seien. Daraufhin sagte ter Stegen, dass er Neuers Aussagen «unpassend» finde und hielt super für Barcelona gegen Dortmund.

Auch Rummenigge ledert gegen den DFB

Die Debatte war eigentlich schon wieder am abtauen, das nächste Länderspiel ist ja noch ein bisschen hin, die EM erst recht, aber schon vor dem Spiel sagte Karl-Heinz Rummenigge an den Sky-Mikrofonen, er sei vom DFB irritiert. «Da wird nie so richtig Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit lässt man das wabern», meinte Rummenigge. «Das wird zum Teil schon auf dem Rücken von Manuel ausgetragen, und das finde ich nicht fair.» Er wünsche sich «ein Stück Dankbarkeit gegenüber einem Mann, der 90-mal für Deutschland gespielt hat».

Der FC Bayern hatte sich entschieden, ein sogenanntes Zeichen zu setzen und seine ganze Feuerkraft für den Captain und Torhüter einzusetzen. Wirklich jeder sagte was zu dem Thema. Trainer Niko Kovac nannte Neuer «eine Galionsfigur des deutschen Fussballs. Ich finde, dass die Diskussion fehl am Platz ist.» Sportdirektor Hasan Salihamidzic forderte: «Vom DFB könnte schon mal eine richtige Ansage kommen, dass er die Nummer eins ist.»

Wie findet Neuer die neue Kaskade?

Salihamidzic erzählte, er habe mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff über die Situation gesprochen, der habe verstanden und Salihamidzic glaubt, dass Bierhoff in den kommenden Tagen «reagieren» wird. Was er damit konkret meinte, sagte Salihamidzic nicht. Am charmantesten äusserte sich wie immer Thomas Müller. «Wir hatten in Deutschland immer gute Zeiten, wenn wir Torhüter-Diskussionen hatten. Das zeigt halt, welche Qualitäten wir im Tor stehen haben. Schwierige Entscheidung – aber Manu war schon immer mein Torhüter und darum steh ich ihm da natürlich zur Seite.»

Die einzige verbliebene Frage war zu diesem Zeitpunkt, wie Manuel Neuer diese neue Kaskade an Fürsprechern eigentlich findet. Spät kam der Bayern-Captain aus der Kabine, lange nach Hoeness. Er sprach dann tatsächlich auch noch über das 3:0 gegen Roter Stern (das zu dem Zeitpunkt schon kaum noch Thema war, Tore übrigens Coman, Lewandowski und Müller) und dass Marko Marin, Captain der Serben, beim Stand von 1:0 noch einen gefährlichen Schuss losgelassen hatte.

Neuer beantwortete die Spiel-Fragen routiniert, dann sollte er was zur Hoeness'schen Tirade sagen: «Unterstützer zu haben, ist natürlich immer gut, aber grundsätzlich muss ich sagen, dass ich einmal was dazu gesagt habe, weil ich darauf angesprochen worden bin – aber ich will jetzt nicht grossartig eine Debatte führen und darüber reden, wer was wie gut kann.» Er wolle sich dazu nicht mehr äussern. Ob er das Gespräch mit Löw suchen werde, liess Neuer offen, jede Nachfrage blockte er ab. Er wirkte wie jemand, der die Diskussion, die er ja selbst mitbefeuert hatte, am liebsten wieder löschen würde. Aber das zumindest ist nach diesem Abend unwahrscheinlicher geworden.

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