Grabenkämpfe an der FCB-GV

Das Vertrauen der Mitglieder in Präsident Bernhard Burgener ist weiter gesunken, wie sich an der Generalversammlung zeigte.

FCB-Präsident Bernhard Burgener stellt sich gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Vielzahl anwesender Mitglieder. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

FCB-Präsident Bernhard Burgener stellt sich gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Vielzahl anwesender Mitglieder. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Als die 125. Generalversammlung des FC Basel, die Jubiläumsversion, gerade ihren emotionalen Höhepunkt erreicht hatte, erhob sich aus dem Publikum plötzlich ein schmaler Mann mit schwarzem Hemd und ordnete die Stimmungslage für die übrigen 1511 Mitglieder mit folgenden Worten ein: «Ich muss sagen, dass ich es gerade als eine ziemlich spezielle Situation empfinde.» Er empfinde in diesem Moment zwei Fronten. Dabei gehe es doch um eines, um den FC Basel nämlich.

Aber ja, «speziell» war durchaus ein treffender Begriff für das mehr als dreistündige Zusammenkommen von Vereinsvorstand und den Mitgliedern am gestrigen Abend im St.-Jakob-Park. Denn es wirkte zwischenzeitlich tatsächlich eher wie ein Aufeinanderprallen von zwei Parteien. Und das hatte in erster Linie mit einem Basler Mitglied namens Peter Hablützel zu tun.

FCB-Boss Bernhard Burgener zur Trainer-Diskussion. Video: Eva Tedesco

Dieser hatte ja im Vorfeld der GV den Antrag gestellt, dass künftig ein unabhängiges Mitglied die Interessen des Basisvereins in der FC Basel 1893 AG vertritt und nicht länger der Präsident, Bernhard Burgener. Es war nicht schwer, diesen Antrag als Misstrauensvotum gegenüber Burgener zu verstehen, und entsprechend gespannt war man im Vorfeld auf den Ausgang.

Die Dokumente eingereicht

Doch statt über den Antrag abzustimmen, stand plötzlich ein zweiter schmaler Mann mit schwarzem Hemd auf der Bühne, der sich als Markus Prazeller vorstellte, seines Zeichens Anwalt des Clubs. Und dieser Prazeller erklärte dann ziemlich nüchtern, dass die FCB-Mitglieder nicht früh genug über den Antrag Hablützels informiert worden seien. Dass man darum in diesem Moment auch nicht abstimmen könne.

Die Clubleitung hatte den Antrag Hablützels juristisch untersuchen lassen und war zu dem Schluss gekommen, dass die Mitglieder 20 Tage vorher hätten informiert werden müssen, um sich rechtzeitig ein Bild zu machen. «Das ist keine Schikane», sagte Prazeller, «es geht darum, die Statuten zu schützen.»

FCB-Präsident Bernhard Burgener zieht seine Bilanz über die abgelaufene Saison und äussert sich zu seiner Wiederwahl. Video: Eva Tedesco

Peter Hablützel berief sich auf die Einhaltung der Eingabefrist von 20 Tagen vor der GV und auf seine Dokumente, gemäss denen er seinen eingeschriebenen Antrag schon per 14. Mai verschickte. Aber ändern konnte auch das nichts mehr. Es wurde nicht über seinen Antrag abgestimmt.

Stattdessen können die Mitglieder unter dem Namen «Projekt 2020» nun ihre Vorschläge zu Statutenänderungen eingeben, mit denen sich der Verein beschäftigen wird. «Wir nehmen ihre Anliegen sehr ernst», sagte Bernhard Burgener anschliessend.

Die Signale registriert

Trotz – oder gerade wegen – dieser Irritationen während der GV zeigte sich gestern einmal mehr, dass das Vertrauen der Mitglieder in Burgener nicht uneingeschränkt vorhanden ist. Zwar wurde der 61-Jährige wiedergewählt. Mit 984 Ja-Stimmen, 365 Nein-Stimmen und 166 Enthaltungen erhielt er allerdings nur die Zustimmung von rund 65 Prozent der Mitglieder, also nicht mal zwei Dritteln. Vor einem Jahr lag dieser Anteil bei 78 Prozent. «Ich habe das und auch den Antrag auf die Änderung der Statuten registriert», sagte Burgener den Mitgliedern.

Und auch der erhöhte Anteil an Nein-Stimmen bei den Wiederwahlen von Sportdirektor Marco Streller und Roland Heri zeigt, dass das letzte Jahr des Vereins Spuren und einige Fragen bei den Mitgliedern hinterlassen hat. Zwar wurde Roland Heri am Ende des Abends wie erwartet in den Verwaltungsrat der AG gewählt, aus dem Alex Frei im gleichen Moment austrat. Und der Präsident kündigte an, dass man YB nächste Saison angreifen werde und etwas gegen den Zuschauerrückgang unternehme. Aber auch das konnte nichts daran ändern, dass eine Generalversammlung des FCB schon lange nicht mehr so turbulent verlief.

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