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Gnadenlose Abrechnung von Luis Enrique mit seinem Vorgänger

Verraten von einem guten Freund: Der spanische Nationalcoach erzählt seine Version des überraschenden Trainerwechsels.

Selten wurde eine Medienkonferenz mit so viel Spannung erwartet wie diejenige von Luis Enrique bei seiner offiziellen (Wieder-)Präsentation als spanischer Nationaltrainer. Würde er die ganze Wahrheit erzählen? Würde er verraten, weshalb er seinen guten Freund Robert Moreno aus dem Amt drängte? Ja, er packte aus. Und wie. Aber der Reihe nach.

Aufgrund der schweren Erkrankung seiner neunjährigen Tochter trat Luis Enrique im Juni von seinem Posten zurück – Ende August verstarb die kleine Xana am Knochenkrebs. Auf den früheren Barça-Coach war inzwischen sein Assistent Robert Moreno gefolgt, es war die naheliegendste Lösung. Jahrelang arbeiteten die beiden Freunde zusammen, kaum einer kannte Luis Enrique besser als Moreno – die Fortsetzung der Spielidee war gewährleistet. Bei seiner Vorstellung gab sich Moreno dankbar und demütig – und sagte einen Satz, der ihm heute um die Ohren fliegt: «Sollte Lucho jemals zurückkehren wollen, ich würde sofort einen Schritt zur Seite machen.»

Dann die Rückkehr

Nun ist er wieder da, Luis Enrique. Und Moreno? Es wurde mehr, als nur einen Schritt zur Seite. Er musste ganz weg.

Unter Tränen verabschiedete sich Moreno vom Team. Was passiert war, wollte er nicht sagen. Sein Kommentar: «Lucho soll es erzählen, wenn er will.» Und ja, Luis Enrique wollte offenbar. «Robert ist illoyal, ich hätte mich niemals so verhalten. Und ich möchte auch keinen mit diesen Charakteristiken in meinem Staff haben.» So, der Ton war gesetzt. Und der 49-Jährige wechselte in die Erzählform: «Wir distanzierten uns am 12. September. Es war der einzige Tag, an dem wir Kontakt hatten. Er rief mich an, wir trafen uns bei mir, und er sagte, dass er das Team an der EM coachen möchte und er danach, falls ich denn auch wolle, wieder mein Assistent werden würde.» Also war es nach Luis Enriques Version doch nichts mit dem sofortigen Schritt zur Seite: «Es überraschte mich nicht, so wie der Kontakt zwischen uns plötzlich abgeflacht war.»

Nicht stolz auf den Ausgang der Geschichte

Er verstehe Moreno, denn: «Er ist ambitioniert, hat hart gearbeitet. Das muss man anerkennen.» Aber: «Für mich ist das illoyal. Unverhältnismässige Ambition ist keine Tugend, sondern eine grosse Schwäche.» Also war für Luis Enrique klar: «Ich will ihn nicht mehr in meinem Staff. Und ich wollte unbedingt wieder arbeiten, fühlte mich stark genug.» Er betont allerdings, dass er sich nie angeboten habe, sondern die Verbandsbosse bei einem Telefonat Ende Oktober nachfragten, ob er sich bereit fühle, zurückzukehren: «Ich bin zwar sehr motiviert, aber auch alles andere als stolz, wie das alles enden musste.»

Er habe aus der Geschichte aber auch einiges gelernt, sagt der Wieder-Nationaltrainer: «Solche Situationen helfen, Menschen besser kennen zu lernen. So sieht man wieder, wer ein echter Freund ist und wer nicht.» Ihm seien Werte sehr wichtig: «Und ich freue mich, bald wieder mit meinen Spielern zu sprechen und ihnen diese Werte zu vermitteln.»

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