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Fussball verkehrt

Der FCB lässt gegen Thun Punkte liegen, spielt zu zehnt besser als zu elft – und nimmt die YB-Dominanz ruhig hin.

Wohin führt der rotblaue Weg? Die Mannschaft des FC Basel um Ricky van Wolfswinkel (links) und Fabian Frei scheint derzeit höchstens für Platz 2 gut genug.
Wohin führt der rotblaue Weg? Die Mannschaft des FC Basel um Ricky van Wolfswinkel (links) und Fabian Frei scheint derzeit höchstens für Platz 2 gut genug.
Keystone

War das die schlechteste Woche des FC Basel seit Jahren? Falls nicht, stünde sie in der rotblauen Hitparade des Grauens jedenfalls weit oben. Nach dem peniblen Ausscheiden aus der Europa League am Donnerstag auf Zypern brachten es die Basler drei Tage später nicht fertig, den bescheidenen FC Thun zu schlagen. Und dennoch tut Unrecht, wer nach diesem 1:1 den FCB blind in Grund und Boden schimpft.

Fussball verkehrt im St.-Jakob-Park. Das begann schon bei der Aufstellung. Statt Luca Zuffi gab überraschend Fabian Frei den Spielmacher, Zuffi rückte eine Linie zurück. Wieder eine neue Rolle also für Frei; vielleicht muss er nach der Länderspielpause auch nochmal das Tor hüten, wer weiss.

Dass es Fabian Frei war, der Sekunden vor der Pause wenigstens das Tor zum 1:1 erzielte, war eine der wenigen hübschen Pointen an diesem wolkenverhangenen Nachmittag. Freis Treffer korrigierte den Basler Fehlstart, denn es waren die Thuner, die in Führung gegangen waren – Dejan Sorgic schloss einen tollen Konter ab, den Flügelflitzer Marvin Spielmann hervorragend eingeleitet hatte (29.).

Xhakas Dummheit

Die Szene des Tages dann nur Sekunden nach Freis 1:1-Ausgleich: Taulant Xhaka fuhr Höhe Mittellinie bei einem Zweikampf mit Basil Stillhart den Ellbogen aus. Da Xhaka nach einem Foul bereits mit Gelb belastet war, zückte Schiedsrichter Lionel Tschudi folgerichtig nochmals Gelb und dann die Rote Karte. Mit hängendem Kopf schlich Xhaka Richtung Kabine, richtig reklamieren mochte er nicht. Der albanische Nationalspieler wusste, dass er einen Blödsinn gemacht hatte.

Mit nur zehn Mann kehrte der FCB nach der Pause zurück auf den Platz. Und zeigte Fussball verkehrt: Er lieferte eine wesentlich bessere Leistung als in den ersten 45 Minuten mit Vollbestand. In einer 4-2-3-Ausrichtung nahm er die Thuner in den Schwitzkasten und kreierte Torchancen. Ricky van Wolfswinkel hatte zweimal das 2:1 auf dem Fuss oder Kopf (50./71.), einmal wurde der Holländer penaltyreif im Strafraum gefoult – Tschudi entschied anders. «Da hätte man einen Elfmeter geben können», ärgerte sich Trainer Marcel Koller, «das ist nur schwer zu begreifen.»

Schwer zu begreifen ist auch, warum die Rotblauen mit einem Mann weniger mehr Leidenschaft und Souplesse auf den Platz brachten. «Das spricht für unsere Moral», meinte Koller, «und muss der Massstab für die Zukunft sein.» Die Zukunft: Wie sieht sie wohl aus im St.-Jakob-Park? Mit dem dritten Remis im sechsten Liga-Spiel ist der Rückstand auf Meister und Leader YB auf neun Punkte angewachsen. Noch 2017 hätte das in Basel zu kollektiver Schnappatmung geführt, diesmal ist alles anders, Fussball verkehrt. Koller sagt: «Die neun Punkte sind Tatsache. Es sind noch viele Spiele. Wir wollen die Berner kitzeln, aber wir sind nicht die einzigen.» Nach einer Kampfansage klang das nicht.

Tatsache ist, dass der FC Basel im Frühherbst 2018 viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, als dass er sich über den Berner Höhenflug ärgern könnte. In jedem Mannschaftsteil sind Schwächen ausgemacht. Die Abwehr schafft es nicht, ohne Gegentor über die Runden zu kommen, die Abstimmung im Zentrum mit dem Duo Cömert/Balanta klappt nur teilweise. Dem Mittelfeld gehen wahlweise Disziplin oder Spielkultur ab und im Angriff brauchen Albian Ajeti, Ricky van Wolfswinkel und wie sie alle heissen zu viele Torchancen, um zu reüssieren.

Kollers Schlucken

Momentan bleibt Marcel Koller nicht viel mehr übrig, als Seelenmassage zu betreiben, zu eng war der Spielkalender gesteckt. «Nach dem Ausscheiden auf Zypern mussten wir schon schwer schlucken», meint der 57-jährige Zürcher.

Die Nationalmannschaftspause verschafft dem kriselnden FCB nun etwas Luft und Koller hat erstmals die Chance, ausgiebig mit seinen Spielern zu trainieren. Doch vorerst steht die Regeneration im Vordergrund; der Coach kündigt für die neue Woche ein paar freie Tage an. «Die Jungs müssen sich erholen. Sie sollen abschalten und bei ihren Familien sein.» Im Kreis der Lieben wird sich jeder Profi Gedanken machen, wohin der rotblaue Weg noch führen wird. Viel mehr als der zweite Tabellenrang scheint momentan nicht drinzuliegen, dafür ist wohl das Kader zu dünn; das ist deprimierend genug für die erfolgsverwöhnten Basler. Ein Signal könnte der FCB im ersten Liga-Match nach der Länderspielpause setzen: Am 23. September tritt er in Bern gegen YB an. Ein Sieg wäre gut für Tabelle und Moral, aufgrund des Formstandes der Teams aber auch Fussball verkehrt. Wie gestern.

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