Zum Hauptinhalt springen

«Fussball ist nicht immer schön»

Neun Fragen an FCB-Trainer Raphael Wicky vor dem brisanten Klassiker gegen den FC Zürich.

Keystone

BaZ: Raphael Wicky, sind Sie irritiert über die Härte der Kritik, die von allen Seiten auf Sie niederprasselt?

Raphael Wicky: Nein, ganz einfach deshalb, weil ich sie nicht lese. Ich bin sehr unzufrieden mit der Situation, aber ohne Zeitungen geht es mir gut.

Ist Ihnen bewusst, dass Ihnen mit einem Misserfolg gegen den FCZ der schlechteste FCB-Start seit Einführung des aktuellen Modus droht?

Nein, das war mir so nicht bewusst, aber es ist auch nicht relevant. Wir legen den Fokus auf die Aufgabe vom Samstag. Wir brauchen gegen die Zürcher wieder mehr Emotionen im Spiel – positive Emotionen.

Spüren Sie eine gewisse Nervosität im Vorstand des FCB?

Nein, davon spüre ich nichts. Ich war mit Sportchef Marco Streller kürzlich joggen. Wir haben alles analysiert und wir waren uns einig, dass wir jetzt die Ruhe bewahren müssen. Ich bin klar im Kopf und ich schaue vorwärts. Das ist ganz wichtig.

Warum sind letztjährige Leistungsträger wie Xhaka, Lang oder Zuffi ausser Form geraten?

Fussball findet zu einem grossen Teil im Kopf statt. Wenn die Resultate ausbleiben, beginnt man zu zweifeln, das ist normal. Im Moment fehlt in unserem Spiel etwas – nicht viel, aber überall ein bisschen. Diese Differenz müssen wir uns zurückerkämpfen. Eine andere Erklärung, warum diverse Leistungsträger ihre Form suchen, habe ich nicht.

Mit Doumbia, Janko und Delgado hat der FCB im Sommer ein Trio verloren, das 43 Liga-Tore schoss. Wie kompensieren Sie das?

Alle müssen ihren Teil dazu beitragen. Wir haben schon im Juli gesagt: Matias Delgado kann nicht eins zu eins ersetzt werden. Wir haben talentierte Spieler in der Offensive, die nun in die Fussstapfen dieses Trios treten müssen.

Am Mittwoch in St.Gallen war nicht viel zu sehen davon. Mit etwas Abstand: Wie fassen Sie dieses 1:2 zusammen?

Die erste halbe Stunde war überhaupt nicht das, was wir wollten. Zweikämpfe gewinnen, Bälle halten, das war alles ein grosses Problem. Wir standen zu weit vom Gegner weg. Wer die Grundlagen – Laufen, kämpfen, grätschen, beissen – im Fussball nicht mitbringt, hat ein Problem. Fussball ist nicht immer schön, man muss auf dem Platz nicht immer jede Situation spielerisch lösen.

Einige FCB-Spieler sind es sich nicht mehr gewohnt, zu verlieren. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja, das ist tatsächlich eine neue Situation. Damit müssen wir umgehen können.

Was macht Ihnen Mut für den FCZ-Match?

Die zweite Halbzeit in St. Gallen. Sie gab mir das Gefühl, dass viele Dinge gepasst haben. Ich sehe die Qualität der Mannschaft jeden Tag auf dem Platz. Mut geben mir auch die Gespräche, die ich mit den Spielern führe. Wir sind ja kein wilder Hühnerhaufen, in dem jeder macht, was er will. Deshalb ist es gar nicht schlecht, dass wir am Samstag gleich den nächsten Match haben.

Im Umfeld der Profis gibt es mit Alain Meyer einen Sportpsychologen. Werden Sie auf ihn zurückgreifen?

Alain Meyer ist in erster Linie bei uns im Nachwuchs tätig. Es wäre völliger Quatsch, ihn nur zu holen, wenn man jetzt gerade mal ein paar Spiele verloren hat. Es geht immer um eine Entwicklung: Wie kann ich dauerhaft meine Leistung optimieren? In solchen Bereichen hilft Alain Meyer enorm. Er bieten den Spielern Gespräche auf freiwilliger Basis an. Aber er hat keinen Auftrag von uns.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch