Zum Hauptinhalt springen

Funkstille in der Akte Embolo

Auch elf Monate nach seiner schweren Verletzung wartet der Schweizer Schalke-Stürmer auf sein Comeback.

Beim Trainingsauftakt dabei, danach hörten die Fans wenig von ihm: Breel Embolo. Bild: Keystone.
Beim Trainingsauftakt dabei, danach hörten die Fans wenig von ihm: Breel Embolo. Bild: Keystone.

Die Liga: Oberliga Westfalen. Die Gegner: SV Lippstadt oder Hammer SpVg. Die Ausbeute: 158 Minuten, 2 Spiele, 0 Tore. Schicht im Schacht – für Breel Embolo war der Begriff aus dem Bergbau mehr Alltag als Plattitüde. Der Schweizer Nationalspieler muss nach seiner schweren Verletzung vor bald einem Jahr tatsächlich ganz weit unten Anlauf holen.

Im vorletzten Sommer war er beim FC Schalke 04 als Hoffnungsträger vorgestellt worden, bis ein verhängnisvolles Foul im Spiel vom 15. Oktober 2016 gegen Augsburg die Euphorie schlagartig stoppte. Zurück blieben bei Embolo ein malträtiertes Sprunggelenk, Wadenbeinfrakturen und gerissene Bänder. Und weil der Heilungsprozess nicht wunschgemäss verlief, keimten Zweifel auf. Unbeteiligte publizierten Ferndiagnosen, das Ergebnis einer Nachuntersuchung wurde öffentlich, Spekulationen kursierten, Unruhe breitete sich aus.

«Mir fehlt der Ball, mir fehlt das Training mit dem Team, es ist vieles ungewohnt», sagte Embolo im Frühsommer. «Mir ist klar, dass ich in den nächsten Wochen nichts falsch machen darf. ­Zufrieden bin ich erst, wenn ich wieder spielen kann.» Seither zog sich der 20-Jährige aus der Öffentlichkeit zurück, und aus dem inneren Schalker Zirkel ­sickert zur Personalie Embolo nur wenig durch.

«Wir müssen ihn bremsen»

Der Basler wird abgeschirmt, Anfragen perlen ab, verläss­liche Prognosen sind keine erhältlich – zu heikel scheint das Dossier. Selbst fundierte mediale Beobachter können nicht abschätzen, wie nahe Embolo vor dem Comeback steht. Zuletzt gegen Stuttgart gehörte er erstmals wieder zum Kader, ob er nun morgen in Bremen auf den Rasen zurückkehrt?

«Intern üben wir keinerlei Druck auf ihn aus, im Gegenteil. Wir müssen ihn sogar manchmal bremsen», erklärte Sportvorstand Christian Heidel vor ein paar ­Wochen in einem «Kicker»-Interview. «Wir haben alle ein prima Gefühl, aber wir wissen auch, dass er Zeit brauchen wird.» Geduld, Zurückhaltung, Risikominimierung. «Breel hat Fortschritte gemacht», sagte Schalkes Coach Domenico Tedesco am letzten Freitag. Mehr nicht.

Schalke dosiert den Prozess seit einem medizinischen Rückschlag im Frühjahr auffällig, der behutsame ­Betreuerstab gibt das Schritttempo in Absprache mit dem Trainer vor. Wie viel der Club sich nach wie vor von seinem Königstransfer erhofft, machte Heidel an der letzten Mitgliederversammlung vor aufgeregten 10 000 Aficionados deutlich: «Sein Spiel ist das, was wir brauchen. Deshalb haben wir viel Geld für Breel ausgegeben. Er kann den Unterschied ausmachen.»

Anspannung oder Zuversicht?

Embolo schätzt die Herausforderung, kennt die Ansprüche. Der 22-Millionen-Mann traut sich die Frontmannrolle zu, er will Verantwortung übernehmen – so schnell wie möglich. «In Gesprächen mit ihm war dieses Verlangen zu spüren», berichtet ein Reporter der «Rheinischen Post». Embolo tue sich schwer damit, nur schon kleine Schritte vorwärtszugehen. Die Anspannung sei unverkennbar.

Basler Vertraute gewannen im persönlichen Austausch mit Embolo hingegen den Eindruck, das Talent sei weiterhin überwiegend positiv eingestellt und verbreite Zuversicht wie in den besten FCB-Tagen. Ein Statement von Embolo selbst vor rund zwei Wochen bekräftigt jene Einschätzung: «Ich fühle mich gut, das hat man gesehen», betonte er nach zwei Testspieltoren gegen den unterklassigen FC Gütersloh.

Nicht nur Schalke sehnt sich nach der Rückkehr von Embolo, auch Vladimir Petkovic interessiert sich für die Bulletins aus der Knappenabteilung. «Ich verfolge natürlich sehr nah, wie es mit Embolo in den nächsten Tagen und ­Wochen weitergeht», sagte der Schweizer Nationaltrainer. Er hoffe, Embolo komme möglichst bald wieder für ein Aufgebot infrage. Sein letztes Länderspiel bestritt der Stürmer am 10. Oktober vergangenen Jahres gegen Andorra.

Petkovic rief ihn an

Der letzte telefonische Kontakt mit dem EM-Endrunden-Teilnehmer liegt dagegen nicht so weit zurück. Vor der zweitletzten WM-Ausscheidungstranche gegen Andorra (3:0) und Lettland (3:0) verschaffte sich Petkovic ein Bild vom Zustand Embolos: «Er ist physisch in ­guter Verfassung und brennt auf das Comeback in der Bundesliga.» Die vorsichtige Strategie im Ruhrpott goutiert der Nationaltrainer ausdrücklich: «Der Club gibt Breel viel Zeit, sich von der schweren Verletzung zu erholen und wieder in Schwung zu kommen. Das ist im Fussball oft genug nicht der Fall.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch