Führungsloser Club Basel

Will der FCB seinem Anspruch gerecht werden, braucht er personelle und strukturelle Änderungen auf Chef-Ebene.

Der eine redet oft, der andere hat am Ende das Sagen. Der starke Mann, der den FC Basel sieben Tage die Woche ganzheitlich führt, ist weder Marco Streller (l.) noch Bernhard Burgener.

Der eine redet oft, der andere hat am Ende das Sagen. Der starke Mann, der den FC Basel sieben Tage die Woche ganzheitlich führt, ist weder Marco Streller (l.) noch Bernhard Burgener.

(Bild: Keystone)

Oliver Gut

Ein 1:7 gegen YB, nach nur sieben Runden zwölf Punkte Rückstand in der Tabelle – nach der Blamage von Bern ist eines klar: Aus dem unantastbaren Dominator und Serienmeister FC Basel ist ein Club geworden, der seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird.

Wer sich nun fragt, wie es in nur 16 Monaten seit dem Basler Double-Gewinn so weit kommen konnte, findet die wichtigste Antwort nicht auf dem Rasen, nicht bei diesem oder jenem Transfer oder diesem oder jenem Trainer. Sondern dort, wo sich niemand mehr findet: an der Spitze des Clubs.

Dort stehen im Organigramm zwar durchaus Namen. Der FC Basel hat mit Bernhard Burgener einen Besitzer und Präsidenten, mit Marco Streller einen Sportchef und ein Gesicht. Und er hat weitere Verwaltungsräte sowie einen Chief Operations Officer. Doch was ihm trotzdem fehlt, ist die Führung.

Gemeint ist nicht, dass unklar ist, wer am Ende das Sagen hat. Bernhard Burgener gehören über 90 Prozent der Holding-Aktien, womit er bestimmt, was mit dem Kerngeschäft Profifussball, der FC Basel 1893 AG, geschieht. Der Mann jedoch, der die grosse Linie vorgibt und überwacht, alle Mitarbeiter kennt und sieben Tage in der Woche rund um die Uhr für alle Belange des Clubs eine Anlaufstelle bildet, ist er nicht. Und damit auch nicht der Mann, der den Laden zusammenhält. Die Leitung des Tagesgeschäfts überlässt er anderen, die öffentliche Bühne möglichst auch – so, wie angekündigt.

Auskunft gibt meist der Sportchef, was dazu geführt hat, dass Streller in der jetzigen Misere für mehr Fehler den Kopf hinhalten muss, als er begangen hat. Wer operativ aber das Sagen hat, ist bis heute unklar. Der Versuch mit Jean-Paul Brigger als Delegiertem des Verwaltungsrats war ein Fehler. Per Definition wäre Roland Heri als Chief Operations Officer seit April in ähnlicher Funktion. Per Organigramm nicht: Dort ist Heri dem AG-Verwaltungsrat unterstellt, wo mit Streller, Nachwuchschef Massimo Ceccaroni und U18-Trainer Alex Frei drei Personen sitzen, deren Chef er wäre.

Egal, ob sich Heri im Sandwich fühlt: In der Aussenwirkung ist er so nicht erster Mann. Und selbst in anderem Konstrukt fragt sich, ob er das sein kann: Heri war bis 2017 lediglich Nachwuchs-Koordinator, sein Aufstieg war rasant. Bis zur internen und externen Akzeptanz dauert es meist länger. Doch ohne diese kann man den Club nicht führen. Erst recht nicht, wenn man Burgeners Stellvertreter ist – bisher machte der Präsident primär in finanziellen Fragen ab und an vom letzten Wort Gebrauch. So hemmt er die Wirkung jener, die operativ arbeiten.

Dies ist sein gutes Recht. Es fördert aber Hetero- statt Homogenität. Jeder schaut ein wenig für sein Gärtchen, keiner fühlt sich für den ganzen Club verantwortlich. Dazu passt, dass beim Europa-League-Playoff-Spiel in Zypern, in dem es um 10 Millionen und viel Renommee ging, inklusive Burgener kein Verwaltungsrat vor Ort, geschweige denn im FCB-Flieger war. Ein Signal, das im Club bis hin zu Spielern viele irritiert zur Kenntnis nahmen.

Es legt den Schluss nahe, Burgener müsste weniger entscheiden, damit der Club ganzheitlich geführt werden kann. Und zwar von einer Person, die über Kompetenz, Akzeptanz und Weitblick verfügt, dies in rotblauem Interesse zu tun – in klarer Struktur und mit jährlichem Budget, die es ihr mit dem Verwaltungsrat der AG erlauben, Entscheidungen zu treffen und am Ende des Tages dafür geradezustehen.

Dabei ist auch dessen Besetzung zu überdenken. Neben Burgener sitzen im VR lauter ehemalige Fussballer, die alle vom Club angestellt sind. Der Vergleich mit der vormaligen Führung zeigt die Diskrepanz: Unter Bernhard Heusler setzte sich der Verwaltungsrat aus ihm als Jurist, einem Finanzfachmann (Stephan Werthmüller), einem Wirtschaftsführer (René Kamm), einem Ex-Fussballer (Adrian Knup) und Sportdirektor Georg Heitz zusammen, der aus der Medienbranche stammte. Der Fächer an Wissen war also klar breiter. Vor allem aber war Heitz der Einzige, der vom Club angestellt und damit in gewisser Weise von Heusler abhängig war, was innerhalb des Gremiums eine offene, fruchtbare Diskussionskultur ohne Betriebsblindheit förderte.

Bei Burgener ist dies anders – selbst im Verwaltungsrat der Holding. Peter von Büren ist Burgeners engster Mitarbeiter, und Karli Odermatt ist noch immer FCB-Ambassador. Auch er ist übrigens ein ehemaliger Fussball-Profi.

Basler Zeitung

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