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Freipass für FCB-Chaoten

Die Verantwortlichen des FC Basel haben den Beweis nicht erbracht, dass sie gewillt sind, die Stadionordnung konsequent durchzusetzen. Randalierer werden geschont.

Christian Keller
Wenn es die bösen Buben sind, die sich wieder einmal um jegliche Regeln foutieren, weil sie gerade Lust auf eine «Heldentat» haben, dann werden beide Augen zugedrückt.
Wenn es die bösen Buben sind, die sich wieder einmal um jegliche Regeln foutieren, weil sie gerade Lust auf eine «Heldentat» haben, dann werden beide Augen zugedrückt.
Keystone

Sie trugen Jeans, dunkle Jacken und waren vermummt. Was sie taten, während sich das friedliche Fussballvolk in der Halbzeitpause bei Bratwurst und Punsch wärmte, war eine bewusste, wahrscheinlich von langer Hand geplante Provokation. Mit dem Fahnenklau sollte den Wallisern maximale Schmach zugefügt werden – eine Kriegserklärung.

Wenn ich Krieg schreibe, dann meine ich es auch so: Die Fäuste sollen fliegen, das Stadion brennen. Das ist die perfide Absicht, die hinter dem Coup steckt. Die Täter zielen auf den Krawall ab. Das Spiel, die Freude am Fussball oder auch wir FCB-Fans, die wir mit in unseren Kollegen, Freunden und Kindern einen schönen Abend verbringen wollen: Das alles interessiert diese Leute nicht.

Ich frage mich als Jahreskarteninhaber, ob überhaupt eine Stadionsicherheit existiert.

Wer die Chaoten sind, die am Samstag im St.-Jakob-Park den Anpfiff der zweiten Halbzeit massiv verzögert und Ausschreitungen mit Gummischrotteinsatz ausgelöst haben: Mit grösster Wahrscheinlichkeit werden wir es nie erfahren.

Wenn die FCB-Führung in einer Erklärung versichert, die Stadionsicherheit arbeite «mit Hochdruck» daran, die Geschehnisse aufzuarbeiten und Bildmaterial auszuwerten, fällt es mir schwer, diesen Beteuerungen Glauben zu schenken. Seit Samstag frage ich mich als Jahreskarteninhaber vielmehr, ob überhaupt eine Stadionsicherheit existiert.

25'000 Zuschauer – und das ist der eigentliche Skandal – sind am Wochenende Zeuge geworden, welch schockierende Narrenfreiheit die gewaltbereite Fussballszene in Basel geniesst. Die Videoaufzeichnungen dokumentieren das Nichtstun der Sicherheitskräfte in erschreckender Weise. Wir sehen die Fahnenräuber über den Rasen rennen – niemand stoppt sie. Wir sehen sie über die Werbebanden springen – niemand stoppt sie. Die Security dreht sich sogar demonstrativ weg: Man sieht nichts, man macht nichts. Hans Guck-in-die Luft.

Im Joggeli gilt eine Zwei-Klassen-Justiz.

Ich staune und ärgere mich enorm, dass so etwas möglich ist. Und ich frage mich: Was würde geschehen, wenn ich einfach so in der Halbzeitpause aufs Spielfeld spazieren würde? Mit Sicherheit würde ich von den Ordnern niedergerungen und mit einem lebenslänglichen Stadionverbot belegt. Aber wenn es die bösen Buben sind, die sich wieder einmal um jegliche Regeln foutieren, weil sie gerade Lust auf eine «Heldentat» haben, dann werden beide Augen zugedrückt. Im Joggeli gilt eine Zwei-Klassen-Justiz.

Die Verantwortlichen des FC Basel haben den Beweis nicht erbracht, dass sie gewillt sind, die Stadionordnung konsequent durchzusetzen. Randalierer werden geschont.

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