FC Concordia: Meuterei der Spieler

Der Trainer Anil Kumar wurde trotz guter Bilanz entlassen – weil ihn das Team nicht mehr wollte.

Entlassen: Im Sommer noch das Trainerduell gegen Ludovic Magnins FCZ– nun hat er mit dem Fussball abgeschlossen. Der ehemalige Concordia-Basel-Trainer Anil Kumar (rechts).

Entlassen: Im Sommer noch das Trainerduell gegen Ludovic Magnins FCZ– nun hat er mit dem Fussball abgeschlossen. Der ehemalige Concordia-Basel-Trainer Anil Kumar (rechts).

(Bild: Freshfocus)

Sebastian Briellmann

Anil Kumar wählt seine Worte mit Bedacht, er mag erzählen, das schon, aber ja nicht die Fassung verlieren. Selbst durch den Telefonhörer ist seine Gefühlserregung spürbar, es rumort in ihm. Irgendwann muss dann raus, was ihn umtreibt, also sagt er: «Ich bin enttäuscht. Nein: Ich bin brutal enttäuscht.»

Kumar spricht über seine Trainertätigkeit beim FC Concordia Basel; ein Amt, das er durchaus erfolgreich ausgeübt hat in den letzten zwei Jahren. Zweimal gewann er mit dem Fussballteam aus der 2. Liga regional den Basler Cup, in dieser Saison blieb er in der Meisterschaft ungeschlagen. Am Freitag vor einer Woche kam es dennoch zum Big Bang, zum grossen Knall: Kumar wurde entlassen. Damit hat keiner gerechnet, auch er nicht. «Wenn man mir im November mitgeteilt hätte, dass sich Congeli neu orientieren will – kein Problem», sagt Kumar, «aber einen Tag vor der Abreise nach Spanien ins Trainingslager, das ich organisiert habe? Das war ein Schock.»

Wie konnte das passieren?

Am angesprochenen Freitag kam es zu einem Meeting der gesamten Mannschaft und Teilen des Staffs – aber ohne Kumar, der beruflich verhindert war. Die BaZ weiss, dass eine Gruppe von Führungsspielern ihre Kollegen darüber informierte, dass man den Coach nicht mehr wolle. Die Aufständischen brachten eine Mehrheit auf ihre Seite – und Kumar war seinen Job los. So zackig ging das. Und Tschüss.

Dahinter verbirgt sich aber selbstredend eine Geschichte; eine Geschichte einer ambitionierten Equipe, die begabte Fussballspieler in ihren Reihen weiss, ehemalige Profis auch, was jedoch fast automatisch zur Folge hat, dass die Unruhe im Team latent gross ist. Es geht um Egos, verletzte Eitelkeiten und ums Ausloten der eigenen Macht.

Hinter dem Rücken

Es ist die Rede von einem Spielerrat, der vor zwei Wochen hinter dem Rücken des Trainers gebildet worden ist – unter anderem sollen die Leistungsträger Edon Basha, Ugur Findik und Liridon Osmanaj, ein früherer Profistürmer aus Slowenien, federführend gewesen sein.

Sie – und auch andere Kollegen – fürchteten sich um ihren Status, sie wollten ihre Immunität nicht verlieren, die ihnen bisher das Recht gab, so ziemlich das zu tun (oder eben auch nicht), was ihnen gerade beliebte. Und sie waren auch nicht einverstanden, dass es ihnen ans Portemonnaie gehen sollte, wenn ihre Präsenzzeit nicht dem erwünschten Umfang entspricht. Was überaus regelmässig der Fall war.

Dazu muss man wissen: Congeli zahlt als Vertreter der sechshöchsten Spielklasse luxuriöse Gehälter, manche haben ein Fixum von 1500 Franken pro Monat. So viel zahlt in dieser Liga sonst niemand – auch höherklassige regionale Vereine oftmals nicht. Der Schuldige war: Kumar. Dass dieser mit den Finanzen ziemlich wenig zu tun hat, war kein Hinderungsgrund, da die Rebellierenden auch sportlich mit dessen Arbeit nicht mehr glücklich waren. Also sagten sie: Wir haben das Vertrauen in Kumar verloren. Und dieser verlor den Machtkampf – und seinen Posten.

Widersprüchliche Aussagen

Congeli-Präsident Thomas Steinemann sieht das anders: «Eine Mannschaft kann mitreden, aber keinen Trainer entlassen. So war es auch in unserem Fall.» Damit widerspricht er sich selbst, da er sagt: «Am Freitagnachmittag habe ich nicht daran gedacht, Kumar zu entlassen.»

Das beweist auch die Tatsache, dass Steinemann erst eine Woche nach dem Rausschmiss das erste Mal Kontakt zu Kumar aufgenommen hat. Deshalb steht fest: Die Entlassung des Trainers ist ein Werk der Mannschaft. Eine Meuterei gegen den Trainer – auch wenn Steinemann verständlicherweise versucht, die Wogen zu glätten. Dieser Fall aber ist für eine wachsweiche Erklärung zu extrem: Beobachter der Szene sagen schon lange und gut begründet: Bei Congeli können sich die Leistungsträger erlauben, was sie wollen. Das hat diese Revolte eindrücklich unter Beweis gestellt.

Bereits in der letzten Saison war der fehlende Zusammenhalt dieser an Heterogenität kaum zu überbietenden Gruppe der Hauptgrund, warum der Aufstieg verpasst wurde – obwohl Concordia mit Abstand das beste Team hatte. Die Verantwortlichen müssen sich die Frage stellen, ob Spieler mit ein bisschen weniger Talent, dafür mit mehr Hingabe, in dieser Liga nicht die bessere Variante wären.

Für Kumar dagegen ist klar: «Mit dem Fussball habe ich abgeschlossen. Auch auf diesem Niveau ist er oft ein Drecksgeschäft.» Anstatt viermal pro Woche ein Training zu leiten, könne er die Zeit nun seinen beiden Töchtern widmen. Als er dies sagt, wirkt seine Stimme auf einmal wieder fröhlicher.

Basler Zeitung

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