Fabian Frei, die Weiterentwicklung des Staubsaugers

Gegen Tottenham überzeugte FCB-Profi Fabian Frei auf ganzer Linie. Gegen den FC St. Gallen wird er wohl nicht von Beginn an spielen – doch das ist nicht weiter schlimm.

Fabian Frei stoppt die Briten: Der FCB-Profi im Zweikampf mit Tottenham-Star Gareth Bale.

Fabian Frei stoppt die Briten: Der FCB-Profi im Zweikampf mit Tottenham-Star Gareth Bale.

(Bild: Keystone)

Oliver Gut

Wahrscheinlich wird Fabian Frei heute Sonntag auf der Ersatzbank sitzen. Der FC Basel tritt beim FC St. Gallen zur 26. Super-League-Partie der laufenden Saison an (So. 16 Uhr, live auf baz.ch/Newsnet) und er, der Ostschweizer, wird wohl nicht in der Startformation stehen. Enttäuscht wird er darob kaum sein. Oder nur ein bisschen, weil ein Fussballer eigentlich immer spielen will. Denn auch Fabian Frei weiss: Es spricht nicht gegen ihn, sondern für ihn, wenn er nur zuschaut – er würde für höhere Aufgaben geschont.

Aufgaben, wie sie am kommenden Donnerstag warten, wenn der FCB den Tottenham Hotspur FC zum Rückspiel des Europa-League-Viertelfinals empfängt und erstmals in die Vorschlussrunde eines Europacup-Wettbewerbs einziehen will. Dann wird Fabian Frei wohl wieder auf dem Platz stehen – so wie er schon an diesem Donnerstag, im Hinspiel an der berühmten White Hart Lane, auf dem Platz gestanden ist.

Neue Position, neues Glück

Er wird dies nicht im offensiven Zentrum und nicht auf der Seite tun, wie man das noch gewohnt ist. Sondern als Staubsauger im defensiven Mittelfeld, wie er das in London getan hat. Dass die Basler dort ein 2:2 erreichen, daran hat er grossen Anteil: Fabian Frei stoppt die Briten. Er trägt Sorge zum Ball, verteilt ihn präzise. Und er schiesst sogar ein Tor, trifft nach einem Corner per Kopf zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung der Rotblauen.

Erst einmal hat er zuvor diese Position gespielt. Am Ostermontag, beim 4:0 in Luzern. Was gegen Tottenham folgt, ist eine frühe erste Meisterprüfung auf Freis Weg zurück in die Zukunft. Zurück zu Leistungen, die ihn schon einmal zum wichtigen rotblauen Element und zum Nationalspieler haben werden lassen. Zurückgezogen im Dispositiv. Dort sieht Murat Yakin den maximalen Wirkungsgrad des 24-jährigen Frauen­felders. Der FCB-Trainer sagt klar: «Wir müssen vorausdenken. Wenn die Anforderungen auf der Sechserposition auch die spielerische Lösung beinhalten, ist Fabian die bevorzugte Wahl.»

Ein «Sechser» moderner Prägung

Yakin arbeitet an der Weiterentwicklung des Staubsaugers. Bis vor Kurzem war diese Rolle Cabral vorbehalten. Was dieser auf jedem Niveau erfüllt, ist das destruktive Anforderungsprofil. Der Umgang mit dem Ball, der auslösende Pass ist nicht seine Stärke. In einem 4-1-4-1- oder 4-2-3-1-System spielt das keine allzu grosse Rolle. Doch Yakin will mit den Angreifern Marco Streller und Raul Bobadilla künftig auch in einem 4-4-1-1 spielen. Da braucht er einen «Sechser» moderner Prägung, der nach vorne Impulse gibt.

Fabian Frei kann diesen verkörpern und tut das gerne. «Ich habe das Spiel vor mir, habe viel mehr Ballkontakte und ich treffe sogar ins Tor», sagt er, da er am Morgen nach dem Tottenham-Spiel am Flughafen steht und strahlt. Was er nicht sagt: Es sind nicht nur die defensive Disziplin und die Technik, die ihn zu dieser Rolle befähigen. Sondern auch sein Spielverständnis und seine taktische Schulung – in beiden Bereichen macht ihm beim FCB so schnell keiner was vor. Dazu passt, dass er auch bei einem Intelligenztest, der intern die Runde machte, am besten abschnitt: Gemäss Dr. Reichel, der diesen entwarf, soll Fabian Frei einen IQ von gegen 140 besitzen – er ist also quasi ein Genie.

Grübeln über den Erfolg

«Wahrscheinlich ist mein IQ nicht gar so hoch», sagt der Fussballer grinsend. Ernster wird er, wenn er über die vergangenen Monate spricht, denn diese sind schwierig gewesen: Fabian Frei spielt immer wieder. Er spielt fast immer solid. Doch solid ist nicht gut genug. «Ich will ein Leistungsträger sein.» So, wie er es schon einmal gewesen ist: Nach zwei Lehrjahren als Leihspieler in St. Gallen kehrt er im Sommer 2011 zum FCB zurück, spielt auf dem Flügel, begeistert. Auf dem Weg in die Champions-League-Achtelfinals hilft er dem FCB mit drei Toren.

Im Frühjahr jedoch ist die Herbstform weg und der «Rising Star» ein normaler Spieler. Solid eben. Ist da einer nach steilem Aufstieg abgehoben und abgestürzt? Das Gegenteil ist eher der Fall: «Ich war vielleicht fast zu sehr um Bodenständigkeit bemüht. Ich wusste gar nicht recht, warum es so gut lief – und anstatt mich einfach weitertragen zu lassen, grübelte ich darüber nach, wollte es ergründen.»

Ein Aber, das fast immer kommt

Das Grübeln findet in der neuen Saison seine Fortsetzung, da Fabian Frei als Hoffnungsträger von Olympia zurückkehrt. Das zentrale Mittelfeld des FCB funktioniert nicht richtig, er rückt nach innen und soll für offensive Impulse sorgen. Er macht das mal besser, mal weniger gut. Meistens spielt er… solid. Fabian Frei sieht das genauso, da er zurückblickt: «Ich bin mein strengster Kritiker», sagt er. Wer sein zweitstrengster Kritiker ist? «Entweder mein Vater oder meine Mutter.» Sein Vater, das ist Markus Frei, einst Trainer jener Schweizer U17-Equipe, die 2002 Europameister wurde.

Nach jedem Spiel hat Fabian Frei mit ihm Kontakt. «Er sagt mir immer zuerst, was gut gewesen ist. Dann jedoch folgt das grosse Aber.» Markus Frei ist am Donnerstag im Stadion an der White Hart Lane gesessen. Danach hat sein Sohn mit ihm telefoniert. Fabian Frei sagt: «Er hat mich gelobt – und ich habe auf das Aber gewartet.» Es ist keines gekommen.

Basler Zeitung

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