Erich Vogel erhält eine Geldstrafe

Das Zürcher Bezirksgericht fällte heute Morgen das Urteil gegen den ehemaligen Vizepräsidenten und Sportchef der Grasshoppers. Es ging um Erpressung von YB-Sportchef Fredy Bickel.

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Fussballmanager Erich Vogel und ein befreundeter Spielervermittler sollen versucht haben, YB-Sportchef Fredy Bickel zu erpressen. Heute standen die beiden vor Gericht.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte Vogel wegen Gehilfenschaft zu versuchter Erpressung zu einer bedingen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 150 Franken. Vogel nahm den Schuldspruch ohne Regung entgegen.

Der Spielervermittler Peter Bozzetti wurde wegen versuchter Erpressung und versuchter Nötigung schuldig gesprochen. Gegen den einschlägig vorbestraften Bozzetti verhängte das Gericht eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten. 6 Monate davon soll er absitzen müssen.

Das Gericht folgte bei der den Tatbeständen der Staatsanwaltschaft, blieb beim Strafmass aber unter den Anträgen der Anklage. Diese hatte für Bozzetti eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, für Vogel eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monate bedingt verlangt.

Schmerzensgeld für Bickel

YB-Sportchef Bickel hat inzwischen auf das Urteil reagiert: Die Verurteilung der beiden Beschuldigten bestätige, dass er damals richtig und korrekt gehandelt habe, so Bickel. «Ich bin sehr froh über die ausdrückliche Bestätigung des Richters, meine Aussagen in dem Verfahren seien ‹konstant und ohne Widersprüche› gewesen», wird Bickel in einer Mitteilung von YB zitiert. Für ihn sei diese unerfreuliche Angelegenheit damit abgeschlossen.

Die beiden Verurteilten wurden verpflichtet, Bickel ein Schmerzensgeld von 1500 Franken zu bezahlen. Zudem müssen sie eine Prozessentschädigung von 16'200 Franken übernehmen.

Zwölf Jahre Streit

Die Wurzeln des Falls reichen weit ­zurück. 2002 stecken die Berner Young Boys in Schwierigkeiten. Fredy Bickel, damals ein erstes Mal Sportchef des Vereins, sucht Geld – und hofft, es beim Schwiegervater von Peter Bozzetti zu finden. Im Gegenzug würden Bickel und der damalige YB-Präsident Bozzetti ein «Vorkaufsrecht» auf alle YB-Spieler einräumen. Der Spielervermittler könnte dadurch jeden Sportler, der den Club verlässt, zu einem 20 Prozent tieferen Preis übernehmen. Der für YB unvorteilhafte Deal wird publik, Bickel muss den Verein verlassen. Ein Strafverfahren ­gegen ihn wird aber eingestellt.

Der «Blick» wärmt die Affäre später mehrmals auf. Als die Geschichte 2013 einmal mehr hochkocht, verklagen ­Bickel (der Sportchef ist inzwischen zum Berner Club zurückgekehrt) und YB-Investor Andy Rihs das «Blick»-Haus Ringier. Laut Bickel war das Vorkaufsrecht zwar unterschrieben, trat aber nie in Kraft. Bozzetti habe das Dokument aus seinem Büro entwendet.

Während der Konflikt vor sich hin schwelt, bewahrt Erich Vogel ein Couvert in seinem Tresor auf, das die umstrittenen Dokumente enthält. Bozzetti hatte es ihm übergeben. Der Spielervermittler steht unter Druck, Schulden ­belasten ihn, 61'000 Franken bei Vogel, 70'000 Franken bei seinem Schwiegervater. Im Spätsommer 2013 beschliesst er, wieder ins Fussballgeschäft einzusteigen. Ein Entscheid mit Folgen:

30. August Bozzetti ruft Bickel an und verlangt ein Treffen. Der «Blick» wolle brisante Dokumente haben, über die er verfüge. Diese würden den Sportchef «schwer belasten».

3. September Bickel und sein Anwalt Daniel Glasl empfangen Bozzetti in Glasls Kanzlei an der Bahnhofstrasse. Der Spielervermittler sagt, er sei im ­Besitz von «heissen Dokumenten», mit welchen der «Blick» Bickel «fertig­machen» wolle. Er, Bozzetti, wolle die Dokumente aber lieber Bickel geben. Noch seien sie in Erich Vogels Tresor.

9. September Anwalt Glasl telefoniert mit Vogel. Der sagt, die Dokumente seien «hochexplosive Ware», die Bickels Karrierenende im Fussballgeschäft bedeuten könnten, sollten sie an den «Blick» gelangen. Dies zu verhindern, müsse Bickel «schon etwas wert sein».

10. September Bozzetti und Bickel treffen sich. Der Vermittler sagt, Erich Vogel und sein Schwiegervater würden ihm bei der Rückkehr ins Geschäft helfen, wenn er seine Schulden begleiche. Bozzetti macht klar, dass er Bickel nochmals treffen will, um Couvert gegen Couvert zu tauschen – wobei in Bickels Umschlag 131'000 Franken stecken sollen.

11. September Vogel sagt Bozzetti am Telefon, er solle mehr fordern.

12. September Vogel instruiert Bozzetti nochmals – 200'000 Franken sollen es sein, 131'000 bar, 69'000 als Zusage für künftige Honorare. Später trifft sich Bozzetti mit Bickel und Glasl zum zweiten Mal in der Kanzlei. Er hat die Papiere dabei und fordert die 131'000 Franken.

19 Tage Haft

Weder Bozzetti noch Vogel ahnen, dass Bickels Anwalt die Polizei eingeschaltet hat. Die Beamten schneiden die Telefonate der beiden mit. Und: Sie nehmen das zweite Treffen in Glasls Kanzlei mit versteckten Kameras und ­Mikrofonen auf. Bickel lehnt die Übergabe der 131'000 Franken ab. Bozzetti verlässt die Kanzlei – und wird verhaftet. Gleichentags wird die Polizei auch bei Erich ­Vogel aktiv. Der Staatsanwalt nimmt auch ihn in Haft, sie wird 19 Tage dauern.

ms/sda

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