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«Eine Schnapsidee muss nicht immer schlecht sein»

Playoff, Aufstockung, Punktehalbierung – Liga-CEO Claudius Schäfer ist auch für schräge Ideen offen. Teil 2 unserer Modus-Debatte.

GC gegen Vaduz: Dieses Duell gibt es mit dem aktuellen Modus ganze viermal pro Saison.
GC gegen Vaduz: Dieses Duell gibt es mit dem aktuellen Modus ganze viermal pro Saison.
Keystone

Warum ist die Super League so langweilig?

Ich finde nicht, dass sie langweilig ist. Klar, der FC Basel hat einen beträchtlichen Vorsprung, trotzdem gibt es viele spannende Spiele, und es geht um mehr Entscheidungen als nur um den Meistertitel.

Aber die Frage, wer Meister wird, sollte doch Spannung bieten.

Wenn das einzige Barometer für Spannung die Serie des FC Basel seit 2010 ist, dann kann ich die Bezeichnung «langweilig» eher nachvollziehen. Trotzdem kommen die Leute in die Stadien: Wir hatten lange steigende Zahlen, die jetzt stagnieren und in dieser Saison leicht rückläufig sind, weil der FC Zürich fehlt.

Welcher Modus für die Super League? Stimmen Sie ab!

Die fehlende Attraktivität hat nicht nur mit Basels Dominanz zu tun, sondern auch mit dem Modus: Viermal Vaduz gegen Thun zum Beispiel ist für viele dröge. Das hören wir auch oft, und das ist mit ein Grund dafür, dass wir die Liga genau ­betrachten. Als wir uns 2003 auf die Zehnerliga festlegten, hatte das seine Gründe. Wir fragten: Wie viel gibt der Schweizer Markt her für eine höchste Profiliga? Wir kamen auf zehn Clubs und konnten deswegen auch schwer einen anderen Modus wählen. Aber es ist verständlich, dass man sich 2017 Gedanken macht. Ist diese Ligagrösse immer noch zeitgemäss? Und verlinkt damit: Haben wir den richtigen Modus?

Und Ihre Antwort?

Darüber diskutieren wir im Ligakomitee bald an einer Strategiesitzung. Wir müssen alles in Betracht ziehen, alle Vorschläge prüfen . . .

. . . selbst die schrägen wie die von Christian Constantin, der an eine Achterliga und ein Playoff mitten in der Saison denkt?

Ja, klar. Wobei acht Teams . . .

Halten Sie es für eine Schnapsidee?

Eine Schnapsidee muss nicht immer schlecht sein. Ich finde aber, dass wir uns nicht kleiner machen müssen, als wir sind. Zehn Clubs fanden wir bis jetzt noch immer. Aber ob Playoff, Auf­stockung oder Punktehalbierung – wir analysieren alle Varianten. Zwei Faktoren stehen aber bei allen Überlegungen im Vordergrund: die Attraktivität des Wettbewerbs für die Zuschauer in den ­Stadien und vor dem Fernseher sowie die Qualität des Fussballs. Diesbezüglich waren wir mit dem bestehenden Modus in der Vergangenheit sehr erfolgreich.

Woran messen Sie das?

Wir standen im Uefa-Ranking zuletzt so gut da, dass wir einen direkten Startplatz in der Champions League erhielten. Und: Was den Export von Spielern in eine der fünf grossen Ligen Europa angeht, belegen wir seit vier Jahren im weltweiten Vergleich Platz 5. Das zeigt mir: Dieser Modus ist gut, was die sportliche Entwicklung angeht.

Ist das nicht vielmehr auf die Arbeit in den Clubs zurückzuführen?

Natürlich ist das eine Grundvoraussetzung. Aber Qualität kann durchaus auch mit der Grösse der Liga zu tun haben.

Sie meinen also: mehr Mannschaften gleich Verwässerung?

Ja, dieses Risiko besteht.

Ancillo Canepa, der Präsident des FC Zürich, sagt zur Modusdebatte: «Bei 12 Mannschaften könnte man wie in Schottland 3 Runden spielen. Aber eben: Der Teufel liegt im Detail.»
Ancillo Canepa, der Präsident des FC Zürich, sagt zur Modusdebatte: «Bei 12 Mannschaften könnte man wie in Schottland 3 Runden spielen. Aber eben: Der Teufel liegt im Detail.»
Keystone
Basel-Sportchef Georg Heitz: «Es soll weiterhin garantiert sein, dass der sportlich Beste Meister wird. Playoffs sind darum nicht optimal.»
Basel-Sportchef Georg Heitz: «Es soll weiterhin garantiert sein, dass der sportlich Beste Meister wird. Playoffs sind darum nicht optimal.»
Keystone
Claudius Schaefer, Geschäftsführer der Swiss Football League: «Wir müssen alles in Betracht ziehen, alle Vorschläge prüfen. Auch die schrägen Ideen. Wobei acht Teams - wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind.»
Claudius Schaefer, Geschäftsführer der Swiss Football League: «Wir müssen alles in Betracht ziehen, alle Vorschläge prüfen. Auch die schrägen Ideen. Wobei acht Teams - wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind.»
Keystone
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Dann sind Sie gegen eine Aufstockung?

Das will ich auf keinen Fall so verstanden wissen. Das Feld ist völlig offen. Die Belgier haben ein neues, interessantes System. Änderungen gibt es auch in ­Dänemark und Österreich – in Ligen, die von der Grösse her vergleichbar sind mit unserer, bewegt sich einiges. Aber wir können nicht einfach ein Modell kopieren. Und vor allem dürfen wir auch nicht die Illusion haben, dass wir eines finden, von dem alle sagen werden: wow, super! Es gibt Punkte, die in den Diskussionen gern vergessen werden.

Zum Beispiel?

Die Frage der Machbarkeit. Mittlerweile haben viele Clubs Stadien mit integrierten Einkaufszentren. Wenn diese offen sind, kann nicht gespielt werden – das steht in den Nutzerverträgen. Das mag ein Detail sein, aber kein unwesent­liches, es schränkt uns ein.

Wer in die Super oder die Challenge League will, muss einen Katalog von Kriterien erfüllen. Ist eine Lockerung denkbar?

Nein, sonst sind wir schnell beim Thema Beleuchtung und der Frage, ob ein paar Lux weniger nicht auch genügen. Dem entgegne ich: Es müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, weil wir unser Produkt speziell bei Fernsehübertragungen optimal zur Geltung bringen wollen.

Kleinere Vereine könnten einfach keine TV-Heimspiele austragen.

Und wenn einer plötzlich Erster ist und der TV-Rechteinhaber ein Spiel vom ­Tabellenführer übertragen will? Nein, diese Idee ist völlig unrealistisch, das Fernsehen braucht die gesamte Abdeckung, und es muss auch im Interesse der Klubsponsoren sein, eine möglichst breite TV-Präsenz zu haben.

Das Fernsehen ist ein bedeutender Partner. Gibt es auch von dieser Seite den Wunsch, den Modus zu überdenken?

Überhaupt nicht. Es wird von keiner Partei Druck ausgeübt.

Es war das kühnste Experiment im europäischen Fussball. Ab der Saison 05/06 wurden die holländischen Europacup-Teilnehmer nach 34 Runden per K.-o.-Spiele ermittelt, lediglich der Meister war für die Champions-League gesetzt. Nachdem Groningen als Fünftplatzierter und mit 18 Punkten Rückstand den Zweiten Alkmaar eliminiert hatte, kam massive Kritik auf, worauf seit 2008 nur noch die Fünft- bis Achtplatzierten der 18er-Liga den letzten Europa-League-Platz im K.-o.-Modus aus­spielen.
Es war das kühnste Experiment im europäischen Fussball. Ab der Saison 05/06 wurden die holländischen Europacup-Teilnehmer nach 34 Runden per K.-o.-Spiele ermittelt, lediglich der Meister war für die Champions-League gesetzt. Nachdem Groningen als Fünftplatzierter und mit 18 Punkten Rückstand den Zweiten Alkmaar eliminiert hatte, kam massive Kritik auf, worauf seit 2008 nur noch die Fünft- bis Achtplatzierten der 18er-Liga den letzten Europa-League-Platz im K.-o.-Modus aus­spielen.
EPA/Olaf Kraak
In Schottland hat man bereits im Jahr 2000 von 10 auf 12 Mannschaften umgestellt, nach 33 Runden (dreimal jeder gegen jeden) wird die Liga in zwei Gruppen à sechs Teams (5 weiteren Runden) aufgeteilt. Weil diese letzten fünf Runden aber meist kaum mehr Einfluss auf die Meisterschaft haben, macht man sich heute wieder Gedanken über eine Änderung.
In Schottland hat man bereits im Jahr 2000 von 10 auf 12 Mannschaften umgestellt, nach 33 Runden (dreimal jeder gegen jeden) wird die Liga in zwei Gruppen à sechs Teams (5 weiteren Runden) aufgeteilt. Weil diese letzten fünf Runden aber meist kaum mehr Einfluss auf die Meisterschaft haben, macht man sich heute wieder Gedanken über eine Änderung.
EPA/Peter Powell
Unsere Nachbarn haben sich vergangenen Sommer für einen neuen Weg entschieden. Dieser sieht ab der Saison 18/19 einerseits eine Aufstockung von 10 auf 12 Mannschaften vor, andererseits werden nach 22 Spieltagen die Punkte halbiert, und die Liga wird in eine Finalrunde der Top 6 und eine Qualifikations- und Abstiegsrunde (Plätze 7–12) geteilt. Ähnlich wie in Belgien kann sich der Erste der zweiten Gruppe via K.-o.-Partien gegen den Viert- und Drittplazierten der Finalrunde für die Europa League qualifizieren. Die zweite Liga wird ebenfalls aufgestockt (von 10 auf 16) und geöffnet. Künftig sind Amateur­teams zugelassen, es dürfen also auch U-21-Equipen der Erstligisten mit­spielen.
Unsere Nachbarn haben sich vergangenen Sommer für einen neuen Weg entschieden. Dieser sieht ab der Saison 18/19 einerseits eine Aufstockung von 10 auf 12 Mannschaften vor, andererseits werden nach 22 Spieltagen die Punkte halbiert, und die Liga wird in eine Finalrunde der Top 6 und eine Qualifikations- und Abstiegsrunde (Plätze 7–12) geteilt. Ähnlich wie in Belgien kann sich der Erste der zweiten Gruppe via K.-o.-Partien gegen den Viert- und Drittplazierten der Finalrunde für die Europa League qualifizieren. Die zweite Liga wird ebenfalls aufgestockt (von 10 auf 16) und geöffnet. Künftig sind Amateur­teams zugelassen, es dürfen also auch U-21-Equipen der Erstligisten mit­spielen.
APA/ Krugfoto
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Wir vermissen die Barrage im Abstiegskampf.

Ich vermisse die Barrage auch. Doch es hatte einen Grund, weshalb wir sie wieder abschaffen mussten. Als wir die Challenge League von 16 auf 10 Mannschaften reduzierten, gab es das Risiko einer Instabilität. Plötzlich hätte es in einer Zehnerliga pro Jahr bis zu vier neue Mannschaften geben können – das wollten wir nicht.

In Österreich wird die zweite Liga aufgestockt und zur Amateurliga – was halten Sie davon?

Dass die Österreicher etwas unternehmen müssen, scheint mir klar bei noch 6000 Zuschauern im Schnitt pro Match. Aber die Ausrichtung, auf die sie sich festgelegt haben, ist ein Wagnis, vor ­allem wegen der Reamateurisierung der 2. Bundesliga. Oben sind 12 Profiteams, darunter 16, die nicht mehr hohe Lizenzierungshürden nehmen müssen. Mir kommt es ein bisschen vor, als würde man den Unterbau vernach­lässigen, ja sausen lassen. Dabei ist genau diese Stufe extrem wichtig.

Wieso?

Nehmen wir die Challenge League bei uns: Seit wir eine Zehnerliga betreiben, haben wir ein deutlich höheres Niveau. Vereine aus der Super League leihen Spieler aus, weil sie wissen, dass diese dort profitieren können.

Falls sich die Liga zu einem neuen Modus durchringen kann, wann kann der in Kraft treten?

Der neue Fernsehvertrag läuft bis 2021, darin ist der Modus festgeschrieben. Falls wir vorher etwas ändern wollen, müssen wir das erst verhandeln. Doch wenn wir nun an die Arbeit gehen und das seriös machen, dauert der Analyseprozess sicher ein Jahr. Dann sind wir im 2018, es braucht Übergangsfristen, etwa für eine Aufstockung – das Jahr 2021 scheint mir realistisch.

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