Ein Coach sorgt für noch mehr böses Blut

Er war Publikumsliebling bei Juventus Turin, jetzt soll Antonio Conte mit Erzrivale Inter die Vorherrschaft seines Herzensclubs beenden.

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Seit acht Jahren dominiert Juventus die italienische Liga. Doch in dieser Spielzeit könnte damit definitiv Schluss zu sein. Inter ist so stark wie zuletzt vor 52 Jahren in die Serie A gestartet und fordert Juventus im Sonntagabendspiel der siebten Runde zum 136. Derby d’Italia heraus. Die Affiche dürfte aus sportlicher Sicht so spannend werden wie seit Jahren nicht mehr.

Juventus ist wie erwartet zwar stark gestartet, liegt mit bisher fünf gewonnen Spielen und einem Remis – mit einem Torverhältnis von 11:5 – aber nur auf Rang zwei. Inter führt dagegen mit sechs Siegen aus ebenso vielen Spielen das Klassement an. Dabei erzielten die Mailänder 13 Tore und kassierten lediglich deren zwei. In Italien begründen sie den Erfolg von Inter zum Saisonstart alle mit der Verpflichtung des Mannes an der Seitenlinie: Antonio Conte. Noch nie ist es einem Inter-Coach in seiner Debütsaison gelungen, die ersten sechs Spiele zu gewinnen. Eine Garantie auf den Scudetto ist das nicht. Doch in elf von fünfzehn Fällen hat sich das Team, das die ersten sechs Spiele gewonnen hat, zum Meister gekrönt.

Spieler schwärmen von Conte

Conte ist es mit seinem Charisma wie schon in Turin bei Juventus, in London bei Chelsea und in der italienischen Nationalmannschaft auch in Mailand gelungen, innert kurzer Zeit sein Team für sich zu gewinnen. Neben den überzeugenden Leistungen auf dem Platz zeugen auch die Worte, die seine Spieler verwenden, um den 50-Jährigen zu beschreiben, davon, dass bei Inter alle am selben Strang ziehen. Was in jüngster Vergangenheit oft nicht der Fall war, wie beispielsweise im Fall Mauro Icardi, der zu PSG abgeschoben wurde.

Inter-Mittelfeldspieler Nicolò Barella sagte am Samstag in einem Interview mit der «Gazzetta dello Sport», für Antonio Conte würde er sich umbringen lassen. Stürmer Lautaro Martinez findet, dass Conte im Vergleich zur Vorsaison eine andere Mentalität in die Mannschaft hineingebracht habe. «Er fordert von uns harte Arbeit, eiserner Wille und grosse Intensität», so Lautaro weiter.

Tiefe Rivalität

Eigenschaften, die für das bevorstehende Spiel gegen Erzrivale Juventus mehr denn je gefragt sind. Seit jeher ist diese Partie nicht wie jede andere. Zu viele Sachen sind vorgefallen, so etwa die Calciopoli-Affäre 2006, als der Meistertitel von Juventus aberkannt und Inter zugesprochen wurde.

In diesem Jahr erhitzt zudem ebendiese Personalie Antonio Conte die Gemüter. Grund dafür ist seine Vergangenheit in Turin. Dreizehn Jahre als Spieler und drei Spielzeiten als Trainer stand er in den Reihen der Bianconeri – mit grossem Erfolg. Unter anderem stehen in seinem Palmarès acht italienische Meistertitel, ein Uefa-Cup sowie eine Champions League.

In jenen Jahren machte er mit gehässigen Aussagen gegen Inter sowie einem wunderschönen Volleytor auf sich aufmerksam und bei den eingefleischten Inter-Fans unbeliebt.

Jetzt, nur wenige Monate nach seiner Ankunft in Mailand, scheint Contes Vergangenheit bereits vergessen zu sein. Conte macht keinen Hehl daraus, dass dieses Spiel zwar mit vielen Emotionen verbunden sei. «Ab dem Anpfiff weiss ich aber, dass ich ein Gegner von Juventus bin und bereit sein muss, sie zu bezwingen.»

Lukaku ist zurück

Ihm dabei helfen soll Romelu Lukaku. Mit drei Toren – eines gegen Milan – und einem Assist ist dem bulligen Stürmer der Einstand in der italienischen Meisterschaft geglückt. In der Champions League gegen Barcelona fehlte er zwar verletzungsbedingt, seit Freitag ist er aber zurück im Training und bereit für das Spitzenspiel. Damit können die Nerazzurri fast aus dem Vollen schöpfen – einzig Alexis Sanchez fehlt wegen einer Sperre.

Gleiches kann Juve-Coach Maurizio Sarri nicht behaupten. Chiellini, De Sciglio, Douglas Costa und Danilo stehen allesamt auf der Verletztenliste. Dafür kann Sarri auf einen wiedererstarkten Gonzalo Higuain setzen. Im Champions-League-Spiel gegen Bayer Leverkusen vom Dienstag (3:0) ist er wieder aufgeblüht und hat das wegweisende 1:0 erzielt. Der Argentinier profitiert vom Spielsystem Sarris, das perfekt auf ihn zugeschnitten scheint.

Die Sturmspitzen beider Teams, Lukaku und Higuain, müssen sich am Sonntagabend ab 20.45 Uhr vor über 75’000 Zuschauern im altehrwürdigen San Siro ein weiteres Mal beweisen. Spektakel ist garantiert.

baz.ch/Newsnet

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