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Dieses Mädchenteam lehrt alle Boys das Fürchten

Eine Gruppe 13-jähriger Mädchen gewinnt in Spanien die regionale Meisterschaft – bei den Jungs.

Lleidas Captain Andrea Gomez überragt beim Kopfball alle Jungs.
Lleidas Captain Andrea Gomez überragt beim Kopfball alle Jungs.

Gomez lässt sich nicht beirren. Weder vom Regen noch vor der gegnerischen Abwehr. Mit einem Flachschuss wird der gegnerische Goalie bezwungen. Grosser Jubel.

So weit, so normal. Doch der Torschütze heisst nicht Mario (Wolfsburg), Joe (Liverpool) oder Gustavo (Milan) Gomez. Der Torschütze heisst Andrea Gomez, ist 13 Jahre alt und schüttelt den Pferdeschwanz, bevor sie gegenüber der «New York Times» lachend sagt: «Ich versuche immer zu zeigen, dass Fussball nicht nur für Jungs ist. Wenn man technisch stärker ist, kannst du ausgleichen, dass du physisch vielleicht schwächer bist.»

Das gelingt Andrea Gomez ziemlich gut. Sie hat gerade ihr 38. Saisontor erzielt und hat damit grossen Anteil am Meistertitel von AEM Lleida in einer nordspanischen Regionalliga der Junioren. Das Besondere: Gomez und ihre Altersgenossinnen haben sich vor 13 Teams klassiert, die allesamt aus Jungs bestehen.

2014 hatte das Team einmal mehr bei den Mädchen dominiert. Da entschieden sich die Vereinsverantwortlichen, es bei den Boys zu melden. Dabei profitierten sie von einem Passus im Verbandsreglement, der es erlaubt, dass bis zum Alter von 14 Jahren Spieler unabhängig vom Geschlecht gemeldet werden dürfen. So gibt es auf diesen Altersstufen auch viele gemischte Teams.

Real Madrid hat kein Frauenteam

Generell fristet der Frauenfussball in Spanien trotz der ersten Teilnahme an der WM 2015 weiter ein Mauerblümchendasein. Die Liga existiert zwar seit drei Jahrzehnten, erst im Vorjahr wurde aber der erste grosse Sponsoringdeal unterzeichnet und Real Madrid stellt keinen Verein.

«Wir hatten das Gefühl, die Mädchen müssen gegen Jungs spielen, denn nur gegen starke Gegner macht man richtige Fortschritte», sagt Generaldirektor Jose Maria Salmeron. Die Massnahme stiess nicht überall auf Verständnis, betont Präsident Sergio Gonzalez: «Einige Eltern bezeichneten uns als verrückt. Und wenn dies sehr schiefgelaufen wäre, hätte man uns beschuldigt, die Girls zu erniedrigen.» Ana Maria Biela gibt zu, dass sie gezögert habe, ihrer Tochter Cristina Wettkämpfe zu erlauben: «Ich hatte Angst, dass die Jungs sie verletzen könnten. Sie antwortete mir dann, dass auch sie die Jungs verletzen könne.»

Beleidigungen von den Müttern der Gegner

Der Anfang war schwierig, das erste Jahr beendete das Team auf Platz 12 in der 18er-Liga. Als dann die Erfolge zunahmen, häuften sich die spitzen Kommentare, sagt Salmeron. «Es ist aber mehr ein Problem für Eltern als für deren Jungs. Die meisten Machokommentare und Beleidigungen kommen von Müttern unserer Gegner.»

Lleida gab die beste Antwort auf dem Platz – mit Siegen à discrétion. Nach dem letzten Heimspiel, dem Spitzenkampf gegen den benachbarten Erzrivalen La Noguera, stemmten die Girls die Trophäe und warfen ihren Trainer Daniel Rodrigo in die Höhe. Mutter Biela verdrückte derweil auf der Tribüne eine Träne: «Sie sind noch so jung und realisieren vielleicht gar nicht, dass sie etwas ziemlich Aussergewöhnliches geschafft haben.»

Der kleine Club hat damit Pionierarbeit geleistet, es wird aber noch ewig dauern, bis der Frauenfussball ein ähnliches Ansehen wie das männliche Pendant geniesst. Andrea Gomez, Captain und Topskorer, sieht denn ihr persönliches Nirwana auch anderswo: «Ich will dort spielen, wo Frauenfussball wirklich geschätzt wird. Das Paradies ist die USA, leider nicht Spanien.»

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