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Die Ricky-Challenge

FCB-Stürmer Ricky van Wolfswinkel fällt mit gebrochenem Mittelfuss länger aus. Wird Albian Ajeti jetzt wieder zum Thema?

Schmerzhafter Moment: Kurz vor dem Ende des Spiels gegen Benfica Lissabon bricht sich Ricky van Wolfswinkel den rechten Mittelfussknochen und wird dem FC Basel nun längere Zeit fehlen.
Schmerzhafter Moment: Kurz vor dem Ende des Spiels gegen Benfica Lissabon bricht sich Ricky van Wolfswinkel den rechten Mittelfussknochen und wird dem FC Basel nun längere Zeit fehlen.
Keystone

Ricky van Wolfswinkel hat in dieser Saison acht Tore geschossen, zwei hat er seinen Nebenmännern zur weiteren Verwendung aufgelegt und im Training hat er mit dem Fuss mal einen Ball ganz zielsicher in einem der beiden Basketballkörbe verlocht, die dort zur grossen Freude der Fussballer am Spielfeldrand stehen. Weil zufällig eine Kamera lief, fertigte der FC Basel einen kurzen Film von der Aktion, versah ihn mit ein paar internettauglichen Animationen und verkaufte das Ganze dann als «Ricky-Challenge».

So richtig hat sich die Aufgabe mit dem Ball und dem Korb zwar bis heute nicht durchsetzen können, auch wenn es die Spieler vor dem Training immer wieder aufs Neue probieren. Doch seit Mittwoch sind die Basler ohnehin von der Realität überholt worden und sehen sich seit dem Spiel gegen Benfica einer ganz anderen «Ricky-Challenge» gegenüber:

Der produktivste Basler Stürmer, der in der Super League die Hälfte aller FCB-Tore erzielt hat, brach sich den rechten Mittelfuss und fällt damit für unbestimmte Zeit aus. Sechs bis acht Wochen dauert der Heilungsprozess eines entzweiten Knochen in der Regel, Van Wolfswinkel wird für den FC Basel also erst gegen Ende der Hinrunde wieder eingreifen können; wenn überhaupt. Die richtungsweisenden Spiele in der Champions League gegen ZSKA Moskau verpasst er ganz sicher.

Glänzendes Beispiel

«Durch seine Verletzung verlieren wir viel», sagt Trainer Raphael Wicky und meint damit ganz konkret: «Ricky garantiert uns dank seiner Spielweise viele Tore. Er ist zudem ein absoluter Teamplayer, eine Persönlichkeit, die in der Kabine trotz seiner kurzen Zeit in Basel von allen Mitspielern akzeptiert ist und die uns in den kommenden Wochen sicherlich fehlen wird.»

Mit der Verletzung des Stürmers ist also genau jener Fall eingetreten, den man im bisherigen Saisonverlauf häufig als glänzendes Beispiel dafür aufgeführt hat, was auf keinen Fall passieren sollte. Mit Van Wolfswinkel fällt ja nicht nur einer der talentiertesten Fussbasketballer des FCB aus, sondern auch einer, der aufgrund seiner Spielausrichtung, Erfahrung und Torquote im aktuellen Team kaum Nachahmer hat.

Zwar merkt Wicky zu Recht an, dass auch Mohamed Elyounoussi oder Kevin Bua bereits als Sturmspitze aufgelaufen sind und als Vertretung denkbar wären. «Unser Spiel würde sich nicht grossartig verändern», sagt der Trainer. Allerdings sind beide – Elyounoussi und Bua – im Vergleich zum Holländer ganz andere Spielertypen und keine waschechten Stürmer, wie das so schön heisst. Hält man sich an die Unterteilung, die der Verein auf seiner Website vorschlägt, lässt Van Wolfswinkel die Basler mit folgenden Ausweichkandidaten zurück:

Cedric Itten, 20 Jahre jung, mit 46 Einsätzen in der Super League schon so etwas wie die graue Eminenz hinter Van Wolfswinkel und vom Spielertypus her die einzig artgerechte Vertretung des verletzten Holländers.

Dimitri Oberlin, auch erst 20 Jahre, mit der Erfahrung von sechs Einsätzen in der Super League, zwei weiteren in der Champions League und nach seiner Vorstellung gegen Benfica Lissabon der Mann der Stunde (siehe unten).

Afimico Pululu, 18 Jahre jung, ausgestattet mit 19 Minuten in der Super League, derzeit aber in einem festen Arbeitsverhältnis mit der Basler U21.

Neftali Manzambi, 20 Jahre, der drei Teileinsätze in der Super League vorzuweisen hat, zu Beginn der Saison verletzt war und den sie beim FCB ohnehin eher auf der Aussenbahn verorten.

Damit steht der FC Basel nicht mal drei Tage nach dem berauschenden 5:0 gegen Lissabon vor der kniffligen Frage, was zu tun ist. Braucht man überhaupt einen Ersatz für Ricky van Wolfswinkel, oder vertraut der FCB der Ansammlung von unerfahrenen Spielern, die er seinen Sturm nennt? Bessert er im Hinblick auf die kommenden Wochen noch nach, und wenn ja: Was würde in diesem Fall überhaupt Sinn machen?

«Wir werden uns zusammensetzen und das diskutieren», sagte Wicky. Auf der Geschäftsstelle dürfte es gestern zu angeregten Diskussionen zu diesem Thema gekommen sein.

Hektische Stunden

Bis Montag hat der FCB noch Zeit, um Spieler eines Schweizer Clubs sowie vertragslose Profis zu verpflichten. Der Transfer eines Routiniers könnte zwar umgehend den plötzlichen Erfahrungsverlust beheben, das birgt jedoch eine ganze Bandbreite an Problemen: Den Stürmern des aktuellen Kaders würde man einen Konkurrenten an die Seite stellen, was kaum im Sinne des ausgerufenen Konzepts ist. Und in der Champions League, dort, wo man Verstärkung am dringendsten benötigt, könnten die meisten Kandidaten nicht eingesetzt werden, weil die Meldefrist für die A-Liste längst verstrichen ist.

So kann man das Stürmer-Spiel in jede Richtung durchdenken, bis man zum zweiten Mal in diesem Jahr beim Namen Albian Ajeti ankommt. Für alle, die es wieder vergessen haben: Der FCB wollte seinen ehemaligen Junior bereits in der Sommerpause zurückholen, die geforderte Ablösesumme des FC St. Gallen war allerdings zu drastisch. Die sportliche Führung entschied sich für Dimitri Oberlin, was sich ja nicht zuletzt gegen Lissabon auch ausgezahlt hat.

Jetzt ist die Situation jedoch wieder anders: Ajeti kann trotz seiner 20 Jahre Erfahrungsspuren aus der Bundesliga sowie der Europa League vorweisen. Und als Spieler, der beim FC Basel ausgebildet wurde, könnte ihn der Club auch in der Königsklasse einsetzen. Es ist aber klar, dass die Basler für diese Lösung der «Ricky-Challenge» tief in die Tasche greifen müssten. Weniger Geld als zuletzt wird der FC St. Gallen angesichts des Basler Engpasses sicher nicht verlangen.

«So kurz vor dem Ende der Transferperiode ist es eine Frage des Wollens», sagt FCB-Präsident Bernhard Burgener vieldeutig. Der sportlichen Führung könnten also – abgesehen vom Spiel gegen GC – ein paar hektische Stunden bevorstehen.

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