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Desolate charakterliche Visitenkarte

Thuner Fans ärgern sich über das Verhalten der FCB-Fans und kritisieren das zustimmende Schweigen der Basler Clubführung. Ein offener Brief an Bernhard Burgener.

Wenn der FCB in Thun gastiert, nerven sich die Fans der Berner Oberländer über das Verhalten der Basler Fans.
Wenn der FCB in Thun gastiert, nerven sich die Fans der Berner Oberländer über das Verhalten der Basler Fans.
Keystone

Sehr geehrter Herr Burgener, Präsident des FC Basel

Weil der FC Thun seine beschränkten finanziellen Mittel sehr effizient einsetzt und sehr vieles sehr gut tut, haben wir uns entschlossen, den Club ab dieser Saison mit zwei Saisonkarten zu unterstützen. Nun haben wir uns am vorletzten Samstag das zweite Heimspiel (Gast FC Basel) angeschaut. Die Effizienz des FC Basel war fussballerisch beeindruckend.

Das Verhalten der Basler Fans war demgegenüber wieder einmal mehr beschämend und sollte den Clubverantwortlichen zu denken geben. Es sind nicht nur Einzelne, es ist eine solidarische Kampftruppe, die in Basel gezüchtet und unterhalten wird. Abschätzige Fansongs, stereotypes Pfeifen bei jedem Corner des FC Thun, erzwungener Matchunterbruch wegen Abfeuerns und Einnebeln des Stadions durch Pyros, Schlägereien nach Matchende gegen zivile Ordnungshüter am Bahnhof. Selbstverständlich wie immer ohne Anhaltungen und ohne Konsequenzen. Aber auch sogenannte zivilisierte Fans auf den Sitzplätzen sind unangenehm aufgefallen.

Der überhebliche FC Basel findet es nicht für nötig, in seiner Homepage die Ausschreitungen mit einem Wort zu erwähnen

Ein einmaliger Ausrutscher? Leider nein. Jedes Mal, wenn es den von der Clubleitung Gehätschelten langweilig wird, veranstalten sie solchen Krawall. Zum Beispiel auch Anfang März 2017, als wir an einem Sonntag Abend zu einer Fortbildungswoche für Hausarztmedizin nach Davos im Zug nach Zürich unterwegs waren. Wegen Basler Fanausschreitungen in Zürich nach einem gewonnenen Match in Vaduz kam es zu massiven Verspätungen, so dass wir und viele Reisende ihre Anschlusszüge verpassten.

Weil nie etwas ändert, gehen wir inzwischen davon aus, dass Sie als Präsident des FC Basel und die Verantwortlichen der Swiss Football-League schlicht nicht gewillt sind, ihre Saubannerhorden besser in den Griff zu bekommen. Symptomatisch auch die Tatsache, dass es der überhebliche FC Basel nicht für nötig findet, in seiner Homepage die Ausschreitungen mit einem Wort zu erwähnen, geschweige denn diese zu verurteilen.

Der FC-Basel-Fan kann also davon ausgehen, dass die Clubleitung hinter diesem Verhalten steht, anscheinend ist dies in Basel völliger courant normal! Es sollte Ihnen auch bewusst sein, dass Ihre Fans für Ihre Region eine desolate charakterliche Visitenkarte abgeben. Anscheinend ist bereits in den Kinderstuben vieles verpasst worden …

Bleiben Sie doch bitte das nächste Mal zu Hause.

Wir sind uns im Berner Oberland ein solches Benehmen schlicht nicht gewohnt und sind auch nicht mehr bereit, uns zukünftig von den Basler Chaoten heimsuchen zu lassen. Bleiben Sie doch bitte das nächste Mal zu Hause. Unser Club FC Thun leidet schon jetzt stark unter den immer höheren Kosten, die er jeweils für Sicherheitsmassnahmen ausgeben muss.

Dass der FC Thun regelmässig mit grossem Abstand zum sympathischsten Club gewählt wird und der FC Basel in dieser schweizweiten, repräsentativen Umfrage mit einem Faktor 1:300 zum unbeliebtesten Club gehört, hat in erster Linie mit der Fankultur zu tun, für die die Clubleitung die Hauptverantwortung trägt.

Gerne erwarten wir Ihre Stellungnahme und bitten Sie, endlich zielführende Massnahmen zu ergreifen, so dass wieder «Freude herrscht», wenn Basler ins Berner Oberland reisen.

Der Text erschien als Leserbeitrag in der Rubrik «Einspruch» der Basler Zeitung.

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