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Deshalb steht die Bundesliga vor einem Manipulationsskandal

Mehr als nur Indizien: Wie Forscher alarmierende Zahlen in Deutschlands Profifussball als «keinen Zufall» taxieren.

Drei Bundesliga-Schiedsrichter sollen in einen Manipulationsskandal involviert sein (Symbolbild).
Drei Bundesliga-Schiedsrichter sollen in einen Manipulationsskandal involviert sein (Symbolbild).
Keystone

Eine Studie der Universitäten Bielefeld, Pennsylvania und West Virginia deutet an, dass der Fussballbundesliga ein grosser Manipulationsskandal droht. Im Zeitraum der Saisons 2010/11 und 2014/15 gab es auffällige Wetten – dabei rücken drei Schiedsrichter in den Fokus.

«Zufall nahezu ausgeschlossen»

Auf der britischen Wettplattform Betfair hat das Forscherteam die Zahlen zu mehr als 1200 Bundesligaspielen analysiert. Im Fokus: Wetten, ob mehr oder weniger als 2,5 Tore in einem Spiel fallen. Weil dabei keine Rolle spielt, welche Mannschaft am Schluss gewinnt, sind diese Art von Wetten in der Vergangenheit oft für Wettbetrug genutzt worden. Und bei drei untersuchten Schiedsrichtern sollen die Beträge deutlich höher gewesen sein als bei den restlichen 23 Unparteiischen.

Die komplette Studie (auf Englisch) ist hier abrufbar.

Dr. Markus Knasmüller, Gutachter und in Österreich bei mehreren Wettbetrugsprozessen als Zeuge aufgetreten, erklärt gegenüber dem «Morgenmagazin» von ARD und ZDF: «Weil nur bei drei Schiedsrichtern derselbe Ausreisser von solchen Torwetten nach oben zu sehen ist, können wir einen Zufall nahezu ausschliessen.» Die Wissenschaftler haben ein Modell aufgestellt, das alle Parameter berücksichtigt, wieso auf eine Partie mehr gewettet wird.

Berücksichtigt wurden in der Studie übrigens auch andere Faktoren, die das Wettverhalten beeinflussen. Beispielsweise auf Spitzenspiele oder Derbys wird viel häufiger gewettet als auf weniger prominente Spiele. «Es gibt viele Gründe dafür, dass mehr gewettet wird. Die Wissenschaftler haben ein Modell aufgestellt, das alle diese Parameter berücksichtigt», so Knasmüller.

Dennoch: Ein klarer Beweis ist mit diesem System nicht möglich, wie Christian Deutscher, Sportökonom bei der Universität Bielefeld sagt, aber: «Man beobachtet statistische Eigenschaften, die man auch erwarten würde, falls es Wettbetrug gäbe.»

Auf Schwachstellen im System hinweisen

Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass er seit 2005 mit dem Wettüberwachungsspezialisten Sportradar zusammenarbeitet. Seither sei keines der Spiele aus der 1. oder 2. Bundesliga als manipulationsverdächtig taxiert worden. Gemäss Manipulationsexperte Eike Emrich sei die Bundesliga «sehr resistent gegenüber Match Fixing».

Benjamin Best war als Journalist der WDR-Sendung «Sport inside» für den Beitrag verantwortlich. Im «Morgenmagazin» sagte er: «Aus der Vergangenheit wissen wir, dass diese Radarsysteme keinen hundertprozentigen Beweis für Spielmanipulationen liefert. Und wir wissen auch, dass es Fälle von Manipulationen gab, die von diesem System nicht erfasst wurden.» Ihm sind die Namen der betroffenen Schiedsrichter bekannt, in der Studie werden sie jedoch nicht erwähnt: «Die Forscher wollen nicht skandalisieren und niemanden an den Pranger stellen.» Es gehe ihnen lediglich darum, auf Schwachstellen im System hinzuweisen.

«Wettbetrug ist so präsent wie eh und je»

Im nächsten Schritt werden die Spiele einzeln analysiert und die Studie wird sogar im Sportausschuss in der deutschen Politik eingebracht. Weiter sagte Best: «Der DFB muss zwingend den Kontakt mit diesen Forschern suchen und gemeinsam mit ihnen an der Aufklärung dieses Falles arbeiten.»

Ein besonderer Knackpunkt bei der Aufklärung von Wettbetrug im Fussball sei, dass oftmals mehrere Länder involviert seien: «Wir haben einen britischen Wettanbieter und die deutsche Bundesliga. Die polizeilichen Ermittlungen hören aber oft an der Landesgrenze auf.» Ausserdem sei die Kommunikation von Behörden und Verbänden oft unzureichend.

Zudem warnt der Journalist davor zu glauben, dass Wettbetrug im europäischen Fussball, insbesondere in Deutschland, von der Bildfläche verschwunden sei: «Das absolute Gegenteil ist der Fall. Wettbetrug ist so präsent wie eh und je. Kaum ein Kontinent ist nicht betroffen.»

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