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Derdiyok – ein 20-jähriges Spekulationsobjekt

Eren Derdiyok, Stürmer beim FC Basel, möchte nach Leverkusen in die Bundesliga wechseln.

Auf dem Fussball-Transfermarkt werden schöne Träume verkauft. Der 20-jährige Eren Derdiyok ist ein solcher Traum, obwohl seine Erfolgsbilanz eigentlich dagegen spricht: Derdiyok ist beim FC Basel in einem Duell der Nationalspieler nur Ersatzstürmer, die Nummer 2 hinter Marco Streller. In 707 Einsatzminuten (von möglichen 1350) sind ihm in der Schweizer Meisterschaft diese Saison erst vier Tore gelungen, das sind sechs weniger als Topskorer Eric Hassli vom FCZ ausweist.

Der FC Basel als Schweizer Branchenkrösus hat schon manchen Spieler mit hohem Gewinn in eine grosse Liga verkauft: zuletzt Caicedo zu Manchester City, Petric nach Dortmund, Rakitic an Schalke, Delgado an Besiktas Istanbul und Kuzmanovic nach Florenz. Alle waren sie hochtalentierte Fussballer, die meisten von ihnen aber mit deutlich konstanteren Leistungen, mehr Toren, mehr Einfluss aufs Spiel als Derdiyok. Trotzdem sagt der Basler Transferverantwortliche Bernhard Heusler, er habe noch nie einen «solchen Hype» erlebt wie mit Eren Derdiyok.

Der Stürmer, dessen Vertrag beim FC Basel bis 2010 läuft, hat das Tor, das er vor ein paar Tagen im legendären Stadion Nou Camp von Barcelona in der Champions League erzielte, gar nicht mehr gebraucht, um zum Wunschkandidaten bei mehreren europäischen Klubs zu avancieren. Er hatte sich bei seinen wenigen Gelegenheiten schon vorher als Stürmer mit grossem Potenzial gezeigt, Fantasien ausgelöst, sich zum Spekulationsobjekt gemacht. Genau genommen genügte ihm dafür ein Augenblick: das Tor im Wembley-Stadion gegen England, 12 Minuten nach seiner Einwechslung in seinem ersten Länderspiel für die Schweiz. 19 Jahre alt war er damals noch.

Angebote bis fünf Millionen

Rund zehn schriftliche Angebote erhielt der FC Basel im Sommer für seinen Stürmer aus England, Deutschland, Italien, Russland und der Türkei, die bis zu fünf Millionen Euro reichten. Es kam zu keinem Transfer, weil für den FCB und für Derdiyok in keinem Fall alle Rahmenbedingungen stimmten. Eine Qualität dieses Spielers besteht darin, dass er sich auch nach spektakulären Auftritten nie zu wichtig nahm. Dass er nicht plötzlich Ansprüche stellte. Dass er nur weiter an sich arbeiten und Fortschritte machen wollte. Der grosse Rummel ist nicht seine Sache.

Jetzt aber rückt ein Transfer zu Bundesliga-Leader Bayer Leverkusen in Griffweite. Derdiyok hat am Sonntagabend bekräftigt, was er schon vor ein paar Wochen gesagt hatte: Dass er einen Wechsel nach Leverkusen als guten Karriereschritt betrachtet. Und Leverkusens Verantwortliche haben soeben die Absicht geäussert, Derdiyok am liebsten per 1. Januar 2009 zu übernehmen. Beim FCB vorstellig geworden ist der Bundesligist allerdings noch nicht. Fraglich ist, ob sich die beiden Vereine über die Transfersumme einigen können. Basel dürfte gegen zehn Millionen Franken verlangen.

Der schnelle Aufstieg

Ein Wechsel nach Deutschland wäre ein Aufstieg für Derdiyok. Es wäre ein Schritt zu einem grossen Salär für den 20-jährigen Stürmer, der 20 Monate vor seinem Nationalmannschaftsdebüt noch in der 2. Liga bei den Old Boys Basel gespielt hatte und dort Basels Trainer Christian Gross aufgefallen war. Als Junior hatte Derdiyok den Weg in einen grossen Klub verpasst und war nicht unter professionellen Bedingungen gefördert worden. Bei einem Probetraining der Basler U-18 war er für zu wenig gut befunden und wieder nach Hause geschickt worden. Seinen Traum vom Profifussball hat Derdiyok trotzdem nie aufgegeben. Das scheint sich für ihn nun auszuzahlen - ein Sonderfall im Schweizer Fussball.

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