Zum Hauptinhalt springen

Der Frust im Schatten der Magie

Basels 1:2 gegen Donezk wirkte ernüchternd und zeigte dem Schweizer Meister auf, dass er in mancher Hinsicht nicht bereit ist für die Champions League.

Fassungslosigkeit allerorten, auf dem Feld, auf den Tribünen. Spieler, die sich entgeistert anstarrten oder ihre Hände über dem gesenkten Kopf zusammenfalteten. Die herbe Enttäuschung nach 95 Minuten; waren doch die Ziele hoch und Hoffnungen gross gewesen vor diesem Auftakt zur Champions League im St.-Jakob-Park gegen Donezk. Schliesslich aber musste Trainer Christian Gross «einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Mannschaften» konstatieren.

Der FC Basel verlor nicht einfach, er wurde vorgeführt, erhielt eine Lektion erteilt. Dass er die Niederlage in Grenzen halten konnte und mit 1:2 wenigstens nicht völlig unterging, änderte nichts an der Tatsache, dass der FCB seine Limiten aufgezeigt bekam. Läuferisch, spielerisch, strategisch - Donezk war den Baslern in allen Belangen überlegen. Einzig in den Startminuten und den ersten Momenten nach der Pause fühlte sich der Schweizer Meister immerhin ein bisschen wie ein Heimteam an, das vorgehabt hatte, wie anno 2002 magisch zu werden.

2008 ist nicht 2002, und magisch war am Mittwochabend bestenfalls Donezk mit seinen spielfreudigen Brasilianern. In Basel kehrte derweil Ernüchterung ein, oder ist es gar Desillusion? Klar ist: Nach der Demonstration vom Mittwoch lautet die Befürchtung, dass Basel die Gruppenphase mit null Punkten aus sechs Spielen abschliessen könnte. Denn Donezk war neben dem FC Barcelona und Sporting Lissabon das vermeintliche Leichtgewicht. Jäh kam am Mittwoch die Erkenntnis: Diese Rolle hat der FC Basel inne.

Er wird sich von diesem Schreck erholen, der durchaus heilsame Wirkung haben kann. Schliesslich waren die Erwartungen (auch die eigenen) doch sehr gross gewesen. «Wir werden aus den Fehlern lernen», beteuerte Gross. Trotzdem bleibt die Frage, wie sein Team gegen Sporting, am 1. Oktober der nächste Kontrahent, Punkte zu holen gedenkt, wenn es gegen die Portugiesen noch in der Vorsaison im Uefa-Cup chancenlos gewesen war. Oder gegen den FC Barcelona, der mit zehnmal mehr Geld geschäftet als der FCB. Realistisch betrachtet, und Gross hatte gegen Donezk realistischen Fussball gefordert, sind die Chancen auf einen der beiden ersten Gruppenplätze dahin.

Marque kein Yakin, Hodel kein Atouba

Stellt sich die Grundsatzfrage, ob Gross, der die alles entlarvende Heimniederlage sportlich hinnahm, die Herausforderung Champions League nicht doch unterschätzt hatte. Das Kader mag für die Super League genügen, international tut es das nicht. Und da wäre ja noch immer der Schatten[0] von 2002, das vermutlich stärkste Kader einer Schweizer Klubmannschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten: François Marque ist kein Murat Yakin, Ronny Hodel kein Thimothée Atouba. Zum Rhombus, einst das Mittel zur Basler Wucht, mangelt es an einer Nummer 10 oder wenigstens einem Kreativtypen. Valentin Stocker mag Anlagen haben wie kaum jemand zuvor mit Schweizer Pass, an den Lorbeeren von seinem Nationalmannschaftsdebüt scheint er regelrecht zerbrochen zu sein. Und Eren Derdiyok fehlt erstens ein Sturmpartner und zweitens die Direktheit und der Schwung eines Christian Gimenez.

Kurz: Die Mannschaft ist schwächer besetzt als jene vor sechs Jahren. Die Ersatzbank ist es obendrein. Der «beste FCB seit 1999», wie Präsidentin Gigi Oeri die Mannschaft vor der Saison angekündigt hatte, ist nicht zu erkennen.

Er wolle den Stab nicht über der Mannschaft brechen, sagte Gross am späten Dienstagabend. Das ist gewiss eine vernünftige Einstellung. Viele Spieler sind jung oder unerfahren oder beides. Das Gefühl, sich im Umfeld der Champions League präsentieren zu dürfen, ist ungewohnt und kann sich negativ auf die Leistung auswirken, hemmen. Nur Benjamin Huggel und Scott Chipperfield haben Champions-League-Erfahrung, solange Ivan Ergic verletzungsbedingt fehlt - seine Rückkehr wird sehnlich erwartet. «Wir brauchen Angewöhnungszeit», sagte Gross ausserdem.

Ein Problem ist, dass Basel national unterfordert ist und im Halbschlaf zum ausgezeichneten Saisonstart gekommen war. Ihm fehlen in der heimischen Meisterschaft die Herausforderungen, an denen die Mannschaft wachsen könnte, dafür bleiben nur die Champions-League-Spiele. Am vergangenen Samstag schlug der FCB den Tabellenletzten Luzern ohne grossen Aufwand und ohne gröbere Schwierigkeiten 2:0. Gegen Donezk spielte er, als stünde ihm wiederum der FC Luzern gegenüber.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch