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Der FC Basel und die sechs Fragen zu Mister X

Wer wird neuer Coach beim FCB? Was muss Mister X mitbringen und wie gross sind Murat Yakins Fussstapfen? Was bereits jetzt klar ist – und was nicht.

Noch ist nicht klar, wer hier in der nächsten Saison das Sagen hat: St.-Jakob-Park in Basel.
Noch ist nicht klar, wer hier in der nächsten Saison das Sagen hat: St.-Jakob-Park in Basel.
Keystone

Heisst der neue Trainer des FC Basel Paulo Sousa? Anzeichen dafür sind einige da, gesicherte Informationen existieren noch keine, die diesen Schluss endgültig zulassen. Die Replik lässt folglich noch auf sich warten. Dafür gibt es sechs andere Fragen rund um den FCB und dessen neuen Coach, die bereits beantwortet werden können:

Wann wird der neue Trainer vorgestellt?

Vielleicht heute. Vielleicht morgen. Vielleicht erst in zwei Wochen. Ganz sicher aber vor dem Trainingsstart, der am 18. Juni vorgesehen ist. Es gibt für die FCB-Verantwortlichen keinen dringlichen Grund, den neuen Coach bereits jetzt zu präsentieren, denn das Spielerkader steht mit Ausnahme von einer oder zwei Neuverpflichtungen fest – oder erfährt im Zuge der Weltmeisterschaft ungewollt Veränderungen, wenn die Vorbereitung bereits läuft. Zudem wird auch ein neuer Trainer unter Umständen Ferien machen wollen.

Natürlich wird man trotzdem bestrebt sein, die Kuh sobald als möglich vom Eis zu schieben. Einerseits, weil es nie ein Nachteil ist, wenn der Trainer bereits vor dem Trainingsstart eingebunden ist – andererseits, weil es auch Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz lieber ruhiger als aufgeregter haben, beide froh sind, wenn sie nicht täglich Gerüchte nichtssagend kommentieren müssen. Dringt nichts klar nach aussen, werden sie den neuen Mann aber erst nennen (und wohl vorstellen), wenn wirklich alles geklärt ist – auch die Frage nach der Zusammensetzung des Staffs.

Welches Anforderungsprofil muss der neue Trainer erfüllen?

Auch wenn beim FC Basel zuletzt viel von den sogenannt «weichen Kriterien» die Rede war, so ist ein Punkt so selbstverständlich wie unverändert klar der wichtigste: Der neue Mann muss über die nötige Fachkompetenz verfügen, also in Sachen Trainingslehre, Taktik und Coaching überzeugen.

Überdies wird es nach den jüngsten Erfahrungen wichtig sein, dass der Trainer über so viel Einfühlungsvermögen und positive Ausstrahlung verfügt, dass es ihm gelingt, ein Gros der Spieler für seine Sache zu gewinnen und damit ein tendenziell positives Binnenklima zu erzeugen. Dies geht wohl nur, wenn seine Philosophie einen eher offensiven Fussball beinhaltet – das wirkt sich nicht nur auf die Leidenschaft der Spieler, sondern auch auf die Begeisterung des Publikums aus. Das bedeutet aber nicht, dass der Coach ein Spassvogel mit abgeschlossenen Psychologiestudium sein muss, der mit sieben Stürmern spielt.

Diese drei Kriterien dürften Priorität haben. Zudem wird man einen Mann wählen, dem man überdies zutraut, dass er wertvolle Inputs für die Weiterentwicklung der ersten Mannschaft liefert und die Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis erhöht. Schliesslich sollte er in Sachen Kommunikation zumindest solid sein. Die Sprache, in der er sich ausdrückt, spielt dabei selbstverständlich eine Rolle. Aber das heisst nicht zwingend, dass er Deutsch beherrschen muss. Die halbe Mannschaft versteht besser Englisch oder eine lateinische Sprache als Schweizer- oder Hochdeutsch. Wichtiger ist, dass sich der neue Mann deutlich auszudrücken weiss.

Muss die Macht der Spieler beschnitten werden?

Nein. Auch wenn da und dort versucht wurde, Yakin als Opfer der Spieler darzustellen und dieser falsche Eindruck von der Clubführung im Rahmen der Abschieds-Medienkonferenz ungewollt genährt wurde, indem die Indiskretionen zu sehr, alle wirklichen Gründe für die Trennung aber gar nicht thematisiert wurden. Fakt ist: Die Indiskretionen waren nicht das Problem, sondern die Folge der Probleme, die es rund um Yakin gab. Also nichts anderes als ein gesunder Reflex. Gesund, weil dieser Reflex sich in anderen Teams im Ausbleiben der sportlichen Leistung äussert, was in Basel nie der Fall war.

Dass ein Spieler wie Marco Streller, der mehr zu den fünf erfolgreichen Jahren beigetragen hat als jeder Trainer, einen ziemlich direkten Draht zur Clubführung hat, ist kein Problem, sondern ein klares Plus, weil sich der Captain seiner grossen Verantwortung nach allen Seiten bewusst ist. Er entlässt und kürt keine Trainer. So wenig, wie Alex Frei verhinderte, dass er am Flügel oder gar nicht spielt – oder Benjamin Huggel seine Aktivkarriere um ein Jahr verlängern durfte. Heusler ist der Chef. Die Macht liegt bei ihm und den Verwaltungsräten, mit denen er sich berät.

Wie gross sind Murat Yakins Fussstapfen tatsächlich?

Nicht so gross, wie manche mit Verweis auf die zweifellos grossen Erfolge in dessen Amtszeit glauben. Denn die Behauptung, die vergangenen zwei Spielzeiten seien die besten in der Clubgeschichte, steht auf tönernen Füssen: In der Saison vor Yakin erreichte der FCB mit Thorsten Fink und schliesslich Heiko Vogel die Achtelfinals der Champions League, und er schlug dabei in einer K.-o.-Situation, die für beide Teams bestand, den Vorjahresfinalisten Manchester United. Die Meisterschaft wurde überlegen gewonnen, dank dem Cupsieg kam es zum Double.

Yakin hat nie das Double gewonnen und er hat die Achtelfinals der Champions League trotz Siegen gegen Chelsea verpasst. Es wäre also bei aller Absturzgefahr auch Luft nach oben. Bedenkt man das gesamte Fink/Vogel-Erbe und beachtet dabei weiche Kriterien, so waren die Fussstapfen für Yakin sogar klar grösser, als es jene sind, die er hinterlässt. Ihn in der B-Note zu übertreffen – Empathie, Offensivgeist, Kommunikation – ist bestimmt machbar. Entsteht daraus Erfolg in Form des Meistertitels, dann ist im ersten Jahr viel erreicht.

Warum steht der Trainer trotzdem vor einer schweren Aufgabe?

Nicht wegen Yakins Erbe und nicht wegen dem Einfluss der Spieler – aber aufgrund von Umständen, die mit beidem zu tun haben: Mit Yann Sommer und Valentin Stocker verlassen die wichtigsten Einzelspieler der vergangenen Saison den Club, die überdies gemeinsam mit Fabian Frei nach Captain Streller die Leader in der Kabine waren. Hinzu könnten weitere Abgänge kommen – dabei scheinen weniger Frei oder Fabian Schär auf dem Absprung als ein Marcelo Diaz oder Geoffroy Serey Die. Der Chilene ist bisher fussballerisch in Basel nicht glücklich geworden, der Ivorer wird im November 30 und steht damit altersmässig an jener Schwelle, die gerade noch einen lukrativen Transfer erlaubt. Beide Profis dürften an der WM mit ihren Nationalmannschaften zum Einsatz gelangen und damit Eigenwerbung betreiben.

Der Substanzverlust könnte im ersten Moment, da nicht nur der Trainer, sondern auch neue Spieler noch Eingewöhnungszeit brauchen, folglich enorm sein. Wenn man hinzuaddiert, dass einige Spieler müde von einer WM zurückkehren und die traditionellen Basler Startschwierigkeiten berücksichtigt, dann ist gut möglich, dass die ersten Monate resultatmässig schwierig werden – was jene Clubanhänger und Medien, die den Yakin-Entscheid bis heute nicht verstehen, rasch mit sehr kritischen Tönen auf den Plan rufen dürfte.

Welche Schlüsse kann die Clubführung aus der 
vergangenen Saison ziehen?

Heusler und Heitz sind auch deshalb ein derart starkes Duo, weil sie bei allen Erfolgen nie aufgehört haben, sich zu hinterfragen und dazuzulernen. Die vergangene Saison wird ihre Haut bestimmt dicker gemacht haben, was nicht schadet, wenn man Präsident oder Sportdirektor des FCB ist. Darüber hinaus dürften auch sie im stillen Kämmerlein zum Schluss kommen, dass es nicht per se schlecht ist, wenn eine gewisse Nähe zwischen ihnen und der Öffentlichkeit, der Mannschaft und den Medien besteht. Denn auch wenn man am Ende nicht alles gerne hört oder liest, so hilft diese Nähe doch, den Puls auf allen Ebenen zu fühlen, verschiedene Blickwinkel zu verstehen und Strömungen frühzeitig zu erkennen.

Was man dank Yakin und dem ganzen Drumherum auch klar vor Augen geführt bekam: Wie man es nicht mehr haben will – in Sachen Trainer, aber auch in Sachen Umfeld.

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