Dem FC Basel laufen die Zuschauer davon

Erstmals seit zwölf Jahren wird die 20'000er-Marke beim Verkauf der rotblauen Jahreskarten unterschritten.

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Man kann nur ahnen, wie sich die Verantwortlichen des FC Basel gefühlt haben müssen, als sie am Mittwoch die Kunde aus der Hauptstadt vernahmen: Der BSC Young Boys hat seinen Saisonkartenabsatz um beeindruckende 7000 Abonnenten steigern können. Eine Zahl, auf die Gelbschwarz stolz sein darf und die auf die Euphorie rund um den ersten Meistertitel seit 32 Jahren zurückzuführen ist.

Die Gemütslage im St.-Jakob-Park ist eine komplett andere, wenn es um die Bilanz der treusten Supporter geht. Seit 2014 gingen die Zuschauerzahlen leicht, aber stetig zurück. Ebenso verkauften die Basler in der Tendenz leicht weniger Jahreskarten. Zuletzt waren es 21 157. Nun erfolgt ein signifikanter Einbruch, bei dem erstmals seit 2007 (19 965 Jahreskarten) die 20'000er-Marke unterschritten wird: Drei Tage vor Wiederaufnahme der Meisterschaft beim Grasshopper Club und eine gute Woche vor dem ersten Heimspiel gegen St. Gallen weiss die BaZ aus mehreren gut unterrichteten Quellen, dass der FCB erst rund 18'000 Abonnemente verkauft hat. Bliebe diese Zahl bestehen, wären das 3000 Stammkunden weniger als im Vorjahr. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass nach Januar nicht mehr viele Abos gelöst werden.

Regelmässige Matchbesucher bleiben fern

An der Jahresend-Medienkonferenz im Dezember sagte FCB-CEO Roland Heri noch, dass sich der Jahreskarten-Verkauf im Bereich des Vorjahrs bewegen würde. Seither hat sich aber ein nicht zu vernachlässigender Teil der regelmässigen Matchbesucher dazu entschieden, künftig auf den eigenen Platz im Joggeli zu verzichten. Und dies, obwohl Rotblau abseits des Rasens einiges unternommen hat, um die Kundschaft bei Laune zu halten. Angestellte aus dem St.-Jakob-Turm suchten mit unschlüssigen Jahreskarte-Besitzern per Telefon das Gespräch und versuchten, diese auf diesem Weg für eine Erneuerung des Abos zu gewinnen. Spieler bedankten sich persönlich und werbewirksam für Verlängerungen.

Ebenso erhielten diejenigen Klienten im Januar eine Fristverlängerung, die den Zahlungstermin verpassten. Es muss also festgehalten werden: Der FCB wirbelte auf administrativer Ebene kräftig, um dem Negativtrend der letzten Jahre entgegenzuwirken. Genützt hat es nicht in erwünschtem Masse.

Die Proteste der Basler

Die Gründe für die Nicht-Erneuerung des Abonnements dürften von Fall zu Fall variieren. Bei dieser hohen Anzahl an davonlaufenden Zuschauern muss aber davon ausgegangen werden, dass es sich nicht nur um sogenannte «Mode-Fans» handelt, die nicht mehr zu jedem Spiel ins Joggeli wollen. Es ist wohl eher ein heterogener Haufen, der künftig den FCB nicht mehr in diesem Umfang unterstützen möchte – unter ihnen auch Menschen, die seit Bau des Stadions 2001 Spieltag für Spieltag im St.-Jakob-Park mit ihrem Herzensclub mitfieberten. Und die nun entweder müde sind oder sich auf ihre Weise zu den zuletzt sportlich wenig überzeugenden Leistungen und zu einem für den FC Basel ungewohnten Führungsstil äussern.

Dieser Rückgang zeichnete sich aber nicht erst in dieser Saison ab. Bereits in den letzten Spielzeiten war zu beobachten, dass in praktisch jeder Partie viele Plätze der Dauerkartenbesitzer leer blieben. Da der FCB seine Zuschauerzahl jeweils inklusive aller verkaufter Abos kommuniziert, konnte es vorkommen, dass sich Tausende Fans weniger als angegeben im Stadion befanden.

Diese «No-Show-Quote» behielt der Verein stets als sein gut gehütetes Geheimnis für sich. Bis Präsident Bernhard Burgener im letzten Frühjahr offenlegte, dass 2017 pro Spiel 29 Prozent der Jahreskartenbesitzer auf den FCB verzichteten. Oder anders gesagt: 7808 Personen blieben im Schnitt einem FCB-Heimspiel fern, obwohl sie für ihren Platz bezahlt hatten. Mit dem neuen rotblauen Kurs sollte diese Ausfallquote korrigiert und der Zuschauer wieder ins Stadion gelockt werden. Gelungen ist dies der neuen Clubführung bislang nicht.

Die Aktion der Basler

Der Wegfall eines Teils der Stammkundschaft wird Rotblau nicht nur beim Support im Stadion, sondern auch im Portemonnaie schmerzen. In Zeiten, in denen bei den Baslern in vielen Bereichen Geld eingespart wird, dürfte dieser Rückgang an Burgener und Co. nicht spurlos vorbeigehen.

Ein Indiz dafür könnte die Aktion sein, mit der der Verein für die Heimpartie gegen St. Gallen vom 9. Februar wirbt. Mit «Alli ins Joggeli» möchte Rotblau zum Auftakt der Rückrunde seiner Elf eine würdige Kulisse bescheren. Dafür wird jeder verfügbare Platz in Anlehnung an das 125-Jahr-Jubiläum für 12.50 Franken angeboten.

Nicht alle haben an dieser Aktion jedoch ihre Freude. Besonders langjährige Jahreskartenbesitzer nicht, die für ihr Billett ein Mehrfaches von diesem Preis berappen. Und nun für eine Partie einen Sitznachbarn begrüssen dürfen, der mit einem Schnäppchen-Angebot ins Joggeli gelockt worden ist. In der Absicht, dass er sich danach vielleicht vom Erwerb einer Jahreskarte überzeugen lässt.

Basler Zeitung

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