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Das Überraschungsteam und die Transferpolitik seiner Besitzer

Der FC Watford ist in der Premier League auf Erfolgskurs. Dank einem neuen Trainer, einem jungen Brasilianer und einem gewinnorientierten Italiener.

Richarlison. Der Erfolgsgarant für Watford. Ihm gelangen diese Saison bereits fünf Tore und vier Assists.
Richarlison. Der Erfolgsgarant für Watford. Ihm gelangen diese Saison bereits fünf Tore und vier Assists.
Reuters

Manchester United ist angesagt an der Vicarage Road, um gegen den FC Watford zu spielen. Das Team aus dem Norden Londons ist bisher eine der Überraschungen dieser Premier-League-Saison. Nach sechs Siegen aus 13 Spielen, unter anderem auch gegen Arsenal, stehen die «Hornets» auf dem achten Platz, nur fünf Punkte hinter Meister Chelsea.

Das Lieblingsteam des Edelfans und Ex-Präsidenten Sir Elton John hat in den letzten Monaten eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Die letzte Saison beendete es noch auf Platz 17, nur sechs Punkte über einem Abstiegsplatz. Daraufhin wurde der Italiener Walter Mazzari als Trainer entlassen und Marco Silva verpflichtet – er ist bereits der sechste Trainer in den letzten drei Jahren. Der Portugiese, den die heimischen Medien auch schon den kleinen Mourinho genannt haben, trainierte letzte Saison Hull City und konnte dessen Abstieg nur knapp nicht verhindern. Unter seiner Leitung spielt Watford attraktiven, offensiven Fussball.

Eine Familie und drei Clubs

Grossen Anteil am neuen Erfolg des Clubs haben auch die Besitzer und ihre kostenorientierte Transferpolitik. Seit 2012 gehört der FC Watford der italienischen Familie Pozzo. Neben dem englischen Club besitzt sie zudem den italienischen Serie-A-Verein Udinese, den sie 1986 gekauft hat. Ihr Geld machten die Pozzos mit dem Verkauf von Werkzeugen, ihnen gehörte die Firma Freud, die sie 2008 verkauften, um sich ganz aufs Fussballgeschäft zu konzentrieren. Bis zum Sommer 2016 hatten sie auch die Kontrolle über den spanischen Club Granada, ehe sie ihn an eine chinesische Firma verkauften, um mehr Zeit und Geld in Watford und Udinese zu investieren.

Weil die Pozzos eine Zeit lang gleich drei Clubs kontrollierten, führte dies auch zu speziellen Transfers. Zum Teil wurden Spieler zwischen den drei Vereinen hin und her transferiert, oder ein Vertrag wurde beim einen Club aufgelöst, nur damit der Spieler am nächsten Tag beim anderen unterschreiben konnte. Ein Beispiel dafür ist der Schweizer Nationalspieler Valon Behrami. Er spielte zuerst zwei Jahre lang bei Watford, und als er dort nicht mehr erwünscht war, wechselte er zu Udinese.

Für die Familie geht es darum, möglichst kosteneffizient zu wirtschaften und viel Gewinn zu erzielen. Dies gelang besonders gut bei Alexis Sanchez. Den Chilenen, der mittlerweile bei Arsenal spielt, verpflichtete Udinese einst als 17-Jährigen für 2,2 Millionen Franken und verkaufte ihn dann Jahre später für 40 Millionen an Barcelona.

Nächster grosser Transfergewinn?

Ein solcher Gewinn könnte bald wieder gelingen. Im Sommer holte Watford den erst 20-jährigen Brasilianer Richarlison von Fluminense für 17 Millionen. Der Stürmer überzeugte sofort und kommt diese Saison bereits auf fünf Tore und vier Assists. Längst haben sich die grossen Teams aus der Premier League über ihn erkundigt, und vor allem Tottenham will gemäss englischen Medien bereits im Winter einen ersten Transferversuch starten. Aber nicht nur Spieler des FC Watford sind bei der Konkurrenz begehrt, sondern auch der Trainer. Everton wollte für Silva 13 Millionen zahlen, um ihn aus seinem Vertrag herauszukaufen. Doch zumindest bei ihrem Trainer stellen die Pozzos für einmal Erfolg über Gewinn und geben ihn nicht frei.

Dass ihnen nicht nur Geld wichtig ist, sondern auch der Anhang des Clubs, zeigten sie am vergangenen Wochenende: Sie zahlten rund 50 Fans mehrere Taxis, um sie zum Auswärtsspiel in Newcastle zu bringen, nachdem ihr Car stehen geblieben war. Kostenpunkt: 2600 Franken. Daraufhin wurde der Club von seinen Fans auch für seine Grosszügigkeit gefeiert.

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