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Das Protokoll eines Wutausbruchs

Im Interview mit Sky verlor Herthas Trainer Pal Dardei nach dem Pokal-Aus gegen Dortmund die Fassung.

«Ich rede»: Pal Dardai putzt Sky-Moderator Thomas Wagner herunter. Video: Sky

Eine ganze Stadt fieberte mit und hoffte, dass Hertha BSC im Pokalspiel gegen Dortmund in das Endspiel gegen die Bayern einziehen würde. Doch nach der 0:3-Niederlage im eigenen Stadion sass der Frust tief.

Vor allem auch bei Herthas Trainer Pal Dardai, der sich nach dem Spiel im Interview mit Sky fürchterlich darüber aufgeregt hatte, dass Moderator Thomas Wagner seiner Ansicht nach die Leistung der Berliner Mannschaft zu kritisch beurteilt habe. Dardei forderte mehr Respekt und zischte: «Kommen Sie zu uns. Ich nehme Unterricht bei Ihnen, wie man Dortmund schlägt.» Und der Ungar fuhr fort: «Stellen Sie vernünftige Fragen, sonst haben wir ein Problem.»

Die «Bild»-Zeitung hat das weitere Frage-Antwort-Spielchen zwischen Wagner und Dardei protokolliert.

Wagner: «Pal Dardai, dieses Spiel hatte so viele Hoffnungen geweckt in ganz Berlin und auch bei Ihnen persönlich. Warum ist es heute schiefgegangen?»

Dardai: «Also, erst mal «Hoffnung» habe ich nie in meinen Mund genommen. Das Wort Hoffnung ist ein schlechtes Wort. Wir haben nie Hoffnung gehabt, wir haben hart gearbeitet. Wir haben heute hier eine Chance gehabt, aber keine Hoffnung. Hoffnung ist ein komisches Wort.»

Wagner: «Dennoch. Sie sind reingegangen sicherlich gegen diese starke Dortmunder Mannschaft, erst mal geordnet zu stehen. Uns hat so ein bisschen der Mut zu Beginn gefehlt.»

Dardai: «Welchen Mut meinen Sie?»

Wagner: «Den Mut, auch nach vorne zu spielen, Akzente zu setzen als Heimmannschaft vor dieser Kulisse.»

Dardai: «Ja, aber wie sollen wir das machen? Sie müssen mir das erklären und dann mache ich gerne mit.»

Wagner: «Wenn man Zweikämpfe gewinnt, wenn man ein bisschen höher steht, wenn man Freistösse bekommt, dann geht vielleicht mal einer rein.»

Dardai: «Das ist richtig, aber haben Sie Freistösse gesehen oder haben Sie gesehen, dass wir den Ball erkämpft haben? Wir sind nur hinterhergelaufen. Wir sind nicht mal zum Zweikampf gekommen. Das waren die Probleme. Sie können mir alles erzählen, aber wenn ich die erste Halbzeit nach vorne gehe, dann sehe ich so aus wie Liverpool, 0:2. Was soll ich machen, 0:6? Also, sorry! Es gibt ein Limit. Wir geben alles, aber wir müssen nicht alles kaputtreden.»

Wagner: «Wir haben ja gar nichts kaputtgeredet. Ihre Mannschaft hat ja auch alles gegeben.»

Dardai: «Sie haben gerade gesagt, dass meine Mannschaft… natürlich musst du verteidigen. Wenn Sie eine bessere Idee haben, nehme ich gerne Unterricht von Ihnen. Kommen Sie zu uns zur Hertha, sehen Sie unsere Werte an, geben Sie uns eine bessere Lösung. Zweite Halbzeit gabs eine bessere Lösung. Wie viele Torchancen hatte Dortmund in der zweiten Halbzeit? Also, ein bisschen mehr Respekt.»

Wagner: «Nein, nein, nein. Moment, Pal Dardai, das kann ich so nicht stehen lassen.»

Dardai: «Die Jungs haben gut gekämpft. Da gehe ich nicht mit, mit solchen Diskussionen zur Defensive. Also, sorry. Das war genug Offensive, es waren genug Offensivspieler auf dem Platz. Also, bitte schön bessere Frage stellen, sonst brauchen wir nicht diskutieren. Oder kommen Sie zu mir, machen Sie Unterricht für mich, wie ich gegen Dortmund verteidigen soll. Ich bin ein offener Mensch, da mache ich sehr gerne mit.»

Wagner: «Aber Pal Dardai, ich habe Sie gefragt, ob Ihrer Mannschaft ein bisschen der Mut...»

Dardai (fällt ihm ins Wort): «Nein, nein, nein.»

Wagner: «Darf ich vielleicht auch ganz kurz reden?»

Dardai: «Ich rede.»

Wagner: «Ja, dann müssen Sie die Fragen aber auch richtig verstehen.»

Dardai: «Sie haben meine Mannschaft rundgeredet: Das war zu defensiv, das war nicht mutig genug. Sorry, solche Fragen brauche ich nicht. Auf andere Fragen würde ich vernünftig antworten.»

Wagner: «Sie haben gerade erzählt, wie viele Fragen oder wie viele Chancen Borussia Dortmund in der zweiten Hälfte hatte. Sie haben zwei Tore geschossen und hatten noch drei Hundertprozentige. Was ist denn da dann schiefgelaufen?»

Dardai: «Habe ich gerade erklärt. Haben Sie nicht zugehört?»

Wagner: «Doch. Ich habe Ihnen zugehört.»

Dardai: «Also, was Sie gerade hier reden, das ist nicht in Ordnung.»

Wagner: «Ja gut, aber in der zweiten Halbzeit haben Sie 0:1 zurückgelegen. Da mussten Sie ja was tun.»

Dardai: «Ja, haben wir gemacht, und was haben Sie...»

Wagner: «Gut, aber wenn Sie jetzt sagen, dass das Material von Dortmund besser als Hertha ist.»

Dardai: «Schnelligkeit ist besser.»

Wagner (nickend): «Schnelligkeit.»

Dardai: «Spielermaterial. Material für Spieler ist ein komisches Wort.»

Wagner: «Okay, dann sagen wir Schnelligkeit und vielleicht, dass das Vermögen von Dortmund besser ist.»

Dardai: «Ja.»

Dardai: «Wir müssen uns das wahrscheinlich noch einmal ansehen, weil Sie haben zwei verschiedene Fragen gestellt und über Ihre Meinung… ich verstehe Sie nicht mehr langsam.»

Wagner: «Aber ich.»

Dardai: «Ja, weil ich habe erklärt: Zweite Halbzeit Räume gelassen, da haben wir Probleme. Das sind Schnelligkeitsprobleme. Und ich weiss nicht: Wollen Sie mein Wort rausreden? Ich habe keine Ahnung.»

Wagner: «Will ich überhaupt nicht.»

Dardai: «Entweder mehr Respekt, weil meine Jungs haben gut gearbeitet. Wenn einer das nicht sieht... das war organisiert. Wir sind bis zum Limit gegangen. Wir können die Werte sehen. Jeder Spieler ist viel gelaufen. Und sorry, wenn Sie das nicht gesehen haben, dann haben wir Probleme.»

Wagner: «Okay, dann haben wir ein Problem. Dann beenden wir es vielleicht. Ich habe den Respekt vor Ihrer Mannschaft nie verloren, ich bin trotzdem der Meinung, sie hätten vielleicht ein bisschen höher verteidigen können.»

Dardai (fällt Wagner ins Wort): «Doch, Sie haben über Material geredet. Meine Spieler sind nicht Material.»

Wagner: «Okay, das ist ein Wort, wo man sagt Spielermaterial.»

Dardai: «Das Wort verstehe ich nicht.»

Wagner: «Tut mir leid. Okay, dann beenden wirs. Pal Dardai, vielen Dank.»

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