Das Eigentor, das Andrés Escobar vor 25 Jahren das Leben kostete

Heute vor 25 Jahren wurde Andrés Escobar erschossen. Zehn Tage zuvor hatte der Verteidiger an der Weltmeisterschaft 1994 gegen die USA ins eigene Tor getroffen. Der 27-Jährige hatte auch für YB gespielt.

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Als am 26. Juni 1994 der dänische Schiedsrichter Peter Mikkelsen das WM-Spiel zwischen der Schweiz und Kolumbien abpfiff, stand die Schweiz als Achtelfinalteilnehmer fest. Und Andrés Escobar, der kolumbianische Verteidiger, hatte noch sechs Tage zu leben.

24 Nationen trugen in den Vereinigten Staaten die 17. Weltmeisterschaft aus. Kolumbien war als einer der Geheimfavoriten angereist. Mit der goldenen Generation um Spieler wie Carlos Valderrama, Freddy Rincón, Adolfo Valencia und eben Andrés Escobar. Letzterer galt als einer der besten Verteidiger und stand vor einem Wechsel zur AC Milan.

Am Dienstag gedenkt die Fussballwelt des einstigen Verteidigers. Denn der Name Escobar steht für eine der grössten Tragödien der Geschichte. Für einen Mord nach einem Eigentor.

In der Gruppe A hatten die Kolumbianer den Auftakt gegen Rumänien verloren und brauchten gegen die USA ein positives Resultat, um nicht vorzeitig auszuscheiden. Vor knapp 94'000 Zuschauerinnen lief die 35. Minute, da flankte der Amerikaner John Harkes zur Mitte, und Escobar lenkte den Ball ins eigene Tor.

«Viele, viele Jahre sind seither vergangen. Aber ich denke noch immer daran», sagt Harkes zu dieser Szene, die am Ursprung von Escobars Tod stand.

«Bis bald, denn das Leben endet nicht hier»

Kolumbien verlor die Partie 1:2. Damit war das dritte Gruppenspiel gegen die Schweiz, der Sieg zum Abschluss, für die Kolumbianer wertlos – und für Escobar der letzte Auftritt als Fussballer. In der kolumbianischen Zeitung wendete sich Escobar in einem Editorial an die Fans und schloss mit den Worten: «Hasta pronto, porque la vida no termina aquí» – «Bis bald, denn das Leben endet nicht hier.»

Zehn Tage nach seinem Eigentor, heute vor 25 Jahren, wurde Escobar vor dem Nachtclub El Indio in Medellín, seinem Geburtsort, erschossen. Er war 27 Jahre alt. Vieles ist auch ein Vierteljahrhundert nach dem Mord noch ungeklärt. Je nach Quelle ist von sechs oder zwölf Schüssen die Rede. Und was der Mörder bei der Tat geschrien haben soll, variiert ebenfalls: «Goool!» oder «Eigentor, Andrés, Eigentor!» oder «Danke für das Eigentor!» sind auffindbare Versionen.

Der Mörder, Humberto Castro Munoz, stand auf der Lohnliste eines Drogenkartells. Ebenfalls unklar ist, ob er als enttäuschter Fussballfan oder im Auftrag seiner Bosse handelte, die möglicherweise bei Fussballwetten viel Geld verloren hatten.

Escobars kurzes Gastspiel bei YB

Die Justiz verurteilte Munoz zu 43 Jahren Haft und reduzierte die Strafe später auf 26 Jahre. Seit 2005, nach elf Jahren Haft, ist Munoz wegen guter Führung wieder auf freiem Fuss.

Zu Escobars Beerdigung kamen 120'000 Menschen. Und auch 25 Jahre nach seinem Tod ist er eine Ikone des kolumbianischen Fussballs. Die Fans seines Heimatvereins Atlético Nacional feiern ihn mit Fahnen, in Medellín stehen mehrere Statuen des ehemaligen Verteidigers.

Und auch in der Schweiz gedenkt man des Kolumbianers. Denn neben den Farben seines Stammvereins Atlético Nacional trug Escobar auch Schwarz-Gelb. In der Rückrunde der Saison 1989/90, kurz vor seiner ersten WM-Teilnahme in Italien, absolvierte Escobar acht Spiele für die Young Boys. Auf ihrer Internetseite schreiben sie: «YB gedenkt in diesen Tagen seines ehemaligen Verteidigers, der auf tragische Weise sein Leben lassen musste.»

Beitrag des Schweizer Fernsehens zu Andrés Escobars Zeit in Bern:

saw

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