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Challandes lässt den Kosovo träumen

Der ehemalige FCZ-Meistertrainer ist mit der Weltnummer 120 in bislang 13 Partien ungeschlagen. Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien herrscht grosse Euphorie.

Fernab der ganz grossen Fussball-Bühne lässt ein Schweizer äusserst erfolgreich Fussball spielen: Bernard Challandes ist Trainer der kosovarischen Nationalmannschaft. Mit dem Kosovo spielte er auch schon im Letzigrund, Gegner im Mai 2018 war Albanien.
Fernab der ganz grossen Fussball-Bühne lässt ein Schweizer äusserst erfolgreich Fussball spielen: Bernard Challandes ist Trainer der kosovarischen Nationalmannschaft. Mit dem Kosovo spielte er auch schon im Letzigrund, Gegner im Mai 2018 war Albanien.
Ennio Leanza, Keystone
Erst zwei Monate davor war Challandes im Kosovo als neuer Nationaltrainer vorgestellt worden. Die Zweifel im noch jungen Land häuften sich, wie er heute erzählt. Challandes aber hat sie beseitigt.
Erst zwei Monate davor war Challandes im Kosovo als neuer Nationaltrainer vorgestellt worden. Die Zweifel im noch jungen Land häuften sich, wie er heute erzählt. Challandes aber hat sie beseitigt.
EPA/Valdrin Xhemaj
Challandes' Assistens übrigens bei den Zürchern: Urs Fischer. Hier posieren die beiden bei einem Benefizspiel gegen Bayer Leverkusen.
Challandes' Assistens übrigens bei den Zürchern: Urs Fischer. Hier posieren die beiden bei einem Benefizspiel gegen Bayer Leverkusen.
Patrick B. Kraemer, Keystone
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Als Bernard Challandes im März 2018 als neuer Nationaltrainer des Kosovo vorgestellt wurde, belegte der junge Verband im Fifa-Ranking Platz 176. Der Schweizer dachte zwar, dass diese Aufgabe auf ihn zugeschnitten sei, aber er nahm auch Zweifel war. «Es gab viele Leute, die dachten: Kann das klappen mit einem Trainer, der aus der Schweiz kommt? Der schon etwas älter ist und weisse Haare hat?», sagt er und grinst.

Und heute? Sind alle Zweifel verflogen, alle Skeptiker verstummt. Der Kosovo ist im Hoch, inzwischen die Nummer 120 der Welt. In der Nations League D dominierte das Team die Gruppe mit Aserbeidschan, den Färöern und Malta mit vier Siegen und zwei Remis in sechs Runden. Und in der EM-Qualifikation steht es nach drei Begegnungen mit fünf Punkten auf Rang 3. Das schürt Euphorie im Land, das sorgt dafür, dass die 13’000 verfügbaren Tickets für den Match gegen Tschechien am Samstagnachmittag im Nu abgesetzt waren. «Vermutlich hätten 50’000 verkauft werden können», meldet Challandes aus Pristina.

Die Menschen dort träumen von Grossem, sie träumen davon, 2020 an der EM dabei zu sein. Und Challandes ist ihr Hoffnungsträger, der 68-Jährige aus La Chaux-du-Milieu im Neuenburger Jura. Als die Mannschaft Anfang Woche in Pristina trainierte, jubelten ihnen Zuschauer zu. «Sie sangen und klatschten, die Stimmung war beeindruckend», sagt Challandes, der das zwar schön findet, aber auch zu bedenken gibt: «Die Begeisterung ist riesig. Umso grösser wäre wohl die Enttäuschung, wenn uns gegen Tschechien kein Resultat gelingt, dass sich alle Kosovaren wünschen.»

Brasilien als Vorbild

Seine Fussballer lieben das Risiko, den Vorwärtsgang, sie machen manchmal Dinge auf dem Platz, die Challandes’ Puls ansteigen lassen. «Sie spielen einfach gerne, und sie können alle mit dem Ball umgehen», sagt er, «aber sie dürfen nicht vergessen, dass auch die Arbeit in der Defensive dazugehört.» Neulich zeigte er seiner Mannschaft Bilder des Testspiels Tschechien - Brasilien (1:3) und fand eine Sequenz, die Eindruck machen sollte: «Alle elf Brasilianer verteidigten, auch die Stürmer eilten in die eigene Platzhälfte zurück. Diese Mentalität muss für uns ein Vorbild sein.»

Nach Tschechien folgt der Abstecher nach England. Es werde, sagt Challandes, für Kosovos Verband das grösste Spiel seiner bisherigen Geschichte. Allerdings sieht er in Southampton nur geringe Erfolgsaussichten: «Wir müssen uns nichts vormachen: England ist ein anderer Fussballplanet für uns. Für uns geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.»

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