Seine Tricks wirkten nicht mehr

Der Walliser leitete seinen Untergang selber ein – und tat damit auch etwas Gutes.

Die Banknoten kommen nicht von Sepp Blatter, sondern vom britischen Komiker Simon Brodkin. Dieser protestierte so an einer Pressekonferenz im August gegen die Korruption in der Fifa.

Die Banknoten kommen nicht von Sepp Blatter, sondern vom britischen Komiker Simon Brodkin. Dieser protestierte so an einer Pressekonferenz im August gegen die Korruption in der Fifa.

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

Ueli Kägi@ukaegi

Sepp Blatter ist nicht mehr Fifa-Präsident und nicht mehr Fussball-Funktionär. Die Ethikkommission des Weltverbandes hat den 79-Jährigen und auch Uefa-Präsident Michel Platini wegen einer 2-Millionen-Franken-Zahlung gesperrt.

«Ich spüre, dass sich alles gut entwickelt», hatte Blatter vor wenigen Tagen noch gesagt. Wenn er wirklich daran geglaubt hat, zeigt der Satz nur, wie sehr er die Realität verkannt hat. Früher konnte sich Blatter trotz schwersten Stürmen an der Macht halten. Dafür änderte er wenn nötig über Nacht die Meinung. Oder liess alte Weggefährten fallen. Bezahlte Abfindungen in Millionenhöhe - oder waren es auch Schweigegelder? Stoppte Untersuchungen. Und als der öffentliche Druck immer grösser wurde und sich die Justiz für die Fifa zu interessieren begann, verkaufte sich der frühere Profiteur des Systems plötzlich als Mann der Veränderungen.

Eine Maschine, die er selbst gestartet hat

Jetzt haben alle seine Tricks nicht mehr funktioniert um die Maschine zu stoppen, die er selbst gestartet hat. Blatter wird nicht als Präsident in die Geschichte eingehen, der die Fifa reich gemacht und Milliarden an die (armen) Verbände verteilt hat. Sondern als Präsident, der mit seinem System der Günstlingswirtschaft untergegangen ist.

Die einst von Blatter propagierte und installierte Ethikkommission hat nach vielen anderen Spitzenfunktionären nun den mächtigsten Mann dieses Sports aus dem Spiel genommen. Und sie hat bewiesen, dass sie bei unabhängiger Besetzung ein wirkungsvolles Instrument im Reinigungsprozess ist.

Die Fifa mag in den vergangenen Monaten und Jahren Krisen erlebt haben wie kein Sportverband vor ihr. Sie hat in der Krise und auch dank Blatters plötzlichem Drängen endlich Mittel geschaffen und sich zum reformfreudigsten Verband überhaupt entwickelt. Die Gründung einer untersuchenden und rechtssprechenden Kammer der Ethikkommission, strenge Leumundsprüfungen, Kontrollinstanzen, ein neues Prozedere bei der WM-Vergabe, Amtszeitbeschränkungen, Bilanz- und Salärtransparenz, weniger Macht für die Exekutive. Das alles würde anderen grossen Sportverbänden ebenso gut tun.

baz.ch/Newsnet

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