Bernhard Burgener kommuniziert auf eigenem Kanal

Der FCB-Präsident äussert sich entgegen der internen Strategie im «Blick». Er bestätigt Marcel Kollers Verbleib – und dementiert nicht, dass dieser bereits entlassen war.
FCB-Präsident Bernhard Burgener präsentiert die sportlichen und wirtschaftlichen Ziele seines Clubs im April 2018.

FCB-Präsident Bernhard Burgener präsentiert die sportlichen und wirtschaftlichen Ziele seines Clubs im April 2018.

Oliver Gut

«Information für die Medien: Zu Beginn der kommenden Woche wird der FC Basel 1893 zu einer Medienkonferenz einladen, die genaue Zeit wird noch kommuniziert. Wir bitten um Verständnis, dass bis dahin keine weiteren Auskünfte seitens des FCB in dieser Sache erteilt werden.» So endet am Freitag ein Medien-Communiqué des FC Basel zum Rücktritt von Marco Streller als Sportchef. Und so – samt lautem, lang anhaltendem medialen und öffentlichen Echo – endet damit aus rotblauer Sicht auch eine Woche, in der sich der FCB in die grösste Krise seit den Ausschreitungen vom 13. Mai 2006 manövriert hat.

Zumindest meint man das. Doch der Club, der zuletzt eine einzige Wundertüte gewesen ist, hält eine weitere Überraschung bereit. Sie kommt vom Präsidenten selbst: Bernhard Burgener beschliesst, die rotblaue Kommunikationsstrategie – die er als Chef in einer derart wichtigen Causa zwingend zu verantworten hat – ad absurdum zu führen und bereits am Folgetag auf seinem eigenen Kanal zu kommunizieren. Er gibt dem «Blick» Auskunft über die vergangene Woche. Burgener beantwortet dabei einige berechtigte Fragen. Einige berechtigte Fragen beantwortet er nicht. Und einige berechtigte Fragen werden ihm gar nicht gestellt. So, dass am Ende nicht weniger Fragen stehen. Private Dinge aus dem Büro.

Marcel Koller bleibt Trainer

Klar ist nun immerhin, was nach der spektakulären Kehrtwende am Donnerstag/Freitag schon absehbar war: «Wir werden weiterhin mit Marcel Koller zusammenarbeiten und in die neue Saison gehen.» Dass dieser Trainer, der in den vergangenen Wochen genauso zum Spielball eines internen Machtkampfs wurde wie Streller-Kandidat Patrick Rahmen, trotz Verbleibs stark geschwächt in diese Saison gehen wird, scheint innerhalb der verbliebenen Führung nicht registriert oder als vernachlässigbar eingeschätzt zu werden.

Mehr noch: Burgener unterlässt es im Interview, die Behauptung des «Blick» zu dementieren, wonach Koller während einer Sitzung am Mittwoch in Pratteln bereits mündlich entlassen wurde. Einer Sitzung, bei der Burgener, CEO Roland Heri, Noch-Sportdirektor Streller sowie Koller und dessen Berater Dino Lamberti zugegen waren. Es führt dies zum einzig logischen Schluss, dass das stimmt – zumal Lamberti bestätigt, dass sein Klient nach der Sitzung sein Büro im St.-Jakob-Park aufsuchte, um «private Dinge zu holen.»

Warum sollte Bernhard ­Burgener zulassen, dass sein künftiger Trainer auch noch das Stigma des bereits Entlassenen mit in die neue Saison bringt, wenn die Information nicht korrekt sein sollte?

Geld spielte beim geplatzten Rahmen-Deal keine Rolle

Im Verborgenen bleibt hingegen, warum danach der Rahmen-Deal platzte. Es wird auch gar nicht explizit danach gefragt. Aber Burgener bestätigt immerhin, was die BaZ schon schrieb: Das Geld spielte keine Rolle. Ebenso wenig kommt zur Sprache, dass Burgener letztlich durch seinen Meinungsumschwung seinen in sportlichen Fragen wichtigsten Angestellten desavouierte und warum er das tat. Änderte er einfach selbst seine Meinung? Oder liess er sich von anderen Entscheidungsträgern im Club beeinflussen, die ein Interesse daran gehabt haben könnten, dass Streller aufläuft? Und warum wird er nicht danach gefragt?

Stattdessen wird noch immer der falsche Eindruck bewirtschaftet, Streller habe im Alleingang gewirkt und es habe sich um einen Machtkampf zwischen ihm und dem Trainer gehandelt. Dies, obwohl allein schon aus dem Wenigen, was Burgener zum Thema «Koller/Rahmen» sagt oder nicht sagt, hervorgeht, dass das so nicht stimmen kann. Ebenfalls im Widerspruch zu dieser Version steht Marcel Kollers Aussage, die er noch am Dienstag gegenüber SRF machte und wonach er zu jenem Zeitpunkt von nichts wusste.

Neue Analyse angekündigt

Richtig ist: Marcel Koller wollte FCB-Trainer bleiben und hat einen laufenden Vertrag bis 2020 mit Option auf ein weiteres Jahr. Marco Streller wollte diesen Trainer durch Patrick Rahmen und ohne weitere Alternative ersetzen, im falschen Glauben, er habe im Club die nötige Unterstützung für diesen Schritt.

Zwei Konsequenzen daraus sind bekannt: Koller bleibt Trainer und Streller ist nicht mehr Sportchef. Wer auf ihn folgt, ist weiter offen. Burgener spricht davon, dass der künftige Verantwortliche zum Team passen und die sportliche Kompetenz mitbringen muss. Dass er von aussen kommt, sagt er nicht.

Ausserdem soll nun die sportliche Abteilung analysiert und neu aufgestellt werden. Das kann auch bedeuten, dass Kaderplaner Remo Gaugler nicht mehr weiterbeschäftigt wird. Vielleicht will Gaugler aber auch gar nicht mehr ohne Streller. Die jüngsten Entwicklungen dürften beim einen oder anderen FCB-Mitarbeiter Spuren hinterlassen haben. Zum Beispiel bei jenen, die im Bereich der Kommunikation tätig sind – und an denen Burgener einfach vorbeikommunizierte.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt