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Entscheid im Zürcher Fussball-Chaos: FCZ-Spieler stürzten Hyypiä

Nach dem Fiasko gegen Lugano muss der erfolglose finnische Trainer gehen. Zuvor kam es zu einem Vorfall mit Fans in der Kabine auf der Allmend Brunau.

Schauplatz Brunau: Hyypiä geht und die FCZ-Fans stellen die Spieler zur Rede. (Video: TA)

Die 0:4-Niederlage gegen Lugano war eine zu viel: Der FC Zürich trennt sich per sofort von Trainer Sami Hyypiä. Der Entscheid fiel nach einer mehrstündigen Krisensitzung, bei der die Spieler, Präsident Ancillo Canepa, seine Frau Heliane und der finnische Coach anwesend waren.

Der Abgang: Sami Hyypiä ist nicht mehr Trainer des FCZ.
Der Abgang: Sami Hyypiä ist nicht mehr Trainer des FCZ.
Reto Oeschger
Versucht zu erklären: FCZ-Präsident Ancillo Canepa und seine Frau ...
Versucht zu erklären: FCZ-Präsident Ancillo Canepa und seine Frau ...
Keystone
Canepa verliess nach dem 0:2 frustriert seine Loge.
Canepa verliess nach dem 0:2 frustriert seine Loge.
SRF
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Wie der Club bekannt gab, waren es die Spieler, die sich gegen eine Weiterführung der Zusammenarbeit ausgesprochen hatten. So habe Hyypiä der Mannschaft am Donnerstagmorgen die Vertrauensfrage gestellt, diese wünschte jedoch einen Trainerwechsel und verspricht sich davon neue Impulse für die drei verbleibenden Saisonspiele gegen St. Gallen, Sion und Vaduz. Durch den Mannschaftsrat sei der Entscheid schliesslich Präsident Canepa mitgeteilt worden.

Sami Hyypiä (September 2015 bis Mai 2016): Der erste ausländische FCZ-Trainer seit über 20 Jahren, der erste seit Bob Houghton. Besonders glanzvoll war die Ära des Finnen nicht beim FCZ. Er übernahm den Club am Tabellenende und ist mit ihm in acht Monaten keinen Rang vorwärts gekommen.Bilanz: 30 Spiele, 9 Siege, 11 Niederlagen
Sami Hyypiä (September 2015 bis Mai 2016): Der erste ausländische FCZ-Trainer seit über 20 Jahren, der erste seit Bob Houghton. Besonders glanzvoll war die Ära des Finnen nicht beim FCZ. Er übernahm den Club am Tabellenende und ist mit ihm in acht Monaten keinen Rang vorwärts gekommen.Bilanz: 30 Spiele, 9 Siege, 11 Niederlagen
Keystone
Urs Meier (November 2012 bis August 2015): Der einstige Nachwuchstrainer und unaufgeregte Schaffer steigt zum Chef auf. Mit ihm gewinnt der FCZ 2014 den Schweizer Cup. Die Trennung kommt nach dem dritten Spieltag der Saison 2015/16 und einer Niederlage im Stadtderby.Bilanz: 125 Spiele, 57 Siege, 44 Niederlagen
Urs Meier (November 2012 bis August 2015): Der einstige Nachwuchstrainer und unaufgeregte Schaffer steigt zum Chef auf. Mit ihm gewinnt der FCZ 2014 den Schweizer Cup. Die Trennung kommt nach dem dritten Spieltag der Saison 2015/16 und einer Niederlage im Stadtderby.Bilanz: 125 Spiele, 57 Siege, 44 Niederlagen
Walter Bieri, Keystone
Raimondo Ponte (März 1995 bis April 2000): Dem Aargauer gelingt es, so lange wie vor ihm nur Timo Konietzka auf dem FCZ-Trainerstuhl zu bleiben. Er spielt im Achtelfinal des Uefa-Cups gegen Roma, vielmehr als das bleibt aber sein folgenschwerer Fehler gegen Xamax haften. Als Ponte im Spätherbst 1999 einen Ausländer zu viel aufs Matchblatts schreibt, verliert der FCZ Forfait und fällt in die Abstiegsrunde.Bilanz: 210 Spiele, 76 Siege, 66 Niederlagen
Raimondo Ponte (März 1995 bis April 2000): Dem Aargauer gelingt es, so lange wie vor ihm nur Timo Konietzka auf dem FCZ-Trainerstuhl zu bleiben. Er spielt im Achtelfinal des Uefa-Cups gegen Roma, vielmehr als das bleibt aber sein folgenschwerer Fehler gegen Xamax haften. Als Ponte im Spätherbst 1999 einen Ausländer zu viel aufs Matchblatts schreibt, verliert der FCZ Forfait und fällt in die Abstiegsrunde.Bilanz: 210 Spiele, 76 Siege, 66 Niederlagen
Michele Limina, Keystone
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Die Entlassung des erfolglosen Finnen ist der Höhepunkt eines turbulenten Tages auf der Allmend Brunau. Die Spieler haben kurz nach Mittag die Kabine verlassen und sich versammelt den Fans gestellt. Diese redeten intensiv auf ihre «Versager» ein und forderten sie auf, alles für den Erfolg zu tun. Später brach die Mannschaft zum Lauftraining auf, fast drei Stunden nach dem geplanten Trainingsbeginn. Zurück in der Kabine blieben Präsident Canepa und seine Gattin Heliane und redeten allein mit Trainer Hyypiä weiter.

FCZ-Fans drangen in die Kabine ein

Schätzungsweise fünf bis zehn FCZ-Fans, ob der 0:4-Niederlage gegen Lugano noch ziemlich aufgebracht, verschafften sich am Morgen Eintritt in das Gebäude der Saalsporthalle und drangen offenbar bis in die Kabine vor.

Von dort kamen sie fünf Minuten später wieder heraus. Hyypiäs Assistent Alex Kern kam ebenfalls heraus und suchte mit den Anhängern das Gespräch. Auch die Canepas diskutierten während rund acht Minuten mit fünf der aufgebrachten Anhänger – und dies teilweise ziemlich heftig.

Nach dem Spiel gestern attackierten Anhänger des FC Zürich gegnerische Fans, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilt. Mehrere Tessiner Anhänger des FC Lugano wurden demnach in einem Fahrzeug an der Wegfahrt gehindert, teilweise aus dem Auto gezerrt und mit Fusstritten und Faustschlägen traktiert. Dabei erlitten zwei junge Männer diverse Prellungen am ganzen Körper und Rissquetschwunden im Gesicht. Einer der Angegriffenen musste im Spital ambulant behandelt werden. Einem der Männer wurde laut Polizeimeldung die Jacke geraubt und dem Fahrzeuglenker der Zündschlüssel entwendet und weggeworfen. Die Stadtpolizei Zürich hat ein Verfahren wegen Körperverletzung, Raub und Gewalt und Drohung gegen Beamte eingeleitet.

Aufregung gab es nach dem Spiel auch rund um die Mannschaft: Coach Hyypiä sagte: «Ich muss eine Nacht darüber schlafen.» Präsident Ancillo Canepa schloss eine Entlassung von Hyypiä vorerst aus. Womöglich muss der FCZ-Präsident auch gar nicht zu dieser Massnahme greifen. Denn der Finne, der es in den neun Monaten seit Amtsantritt nicht geschafft hat, sein Team auf Kurs zu bringen, denkt über einen Rücktritt nach. «...dann sehen wir, was passiert», erklärte der frühere Verteidiger. «Alles ist möglich.»

Die Zürcher Spieler rangen sich gestern nach der grossen Enttäuschung zu einem Gang Richtung Südkurve durch. Die Absicht: Eine Entschuldigung bei den Fans.

Ungehalten: In der Südkurve sind die Fans ausser sich. (SRF/11. Mai 2016)

Diese aber liessen das nicht zu. Mit wütenden Sprechchören liessen die Fans in der Südkurve ihrem Frust freien Lauf. «Wo isch euse Stolz» und «use, use, use» war zu hören. Bevor die Spieler den Feldrand erreichten, kehrten sie wieder um. Operation Entschuldigung abgebrochen.

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