Alex Frei weiss, wie Shaqiri sich fühlt

Der Rekordtorschütze des Nationalteams musste in Rennes untendurch, bevor er durchstartete. Und er weiss, wie Shaqiris Trainer Jürgen Klopp tickt.

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Die Situation um Xherdan Shaqiri bei Liverpool und der Schweizer Nationalmannschaft: Da werden Erinnerungen wach. An Alex Frei. Und an dessen schwierige Zeit bei Stade Rennes, als der Baselbieter in Frankreich fast verzweifelte.

Die Ähnlichkeiten zwischen «XS» und «AF» sind frappant. Beide sind Ausnahmekönner. Beide haben in der Schweizer Nationalmannschaft eine Ära geprägt. Alex Frei, als er zwischen 2001 und 2011 in 84 Länderspielen 42 Tore schoss. Eine Rekordmarke bis heute. Und Xherdan Shaqiri, als aktuell wichtigster Offensivspieler, der für die Schweiz mit erst 27 Jahren schon 80 Länderspiele absolvierte und 22 Tore erzielte.

Jetzt ist Shaqiri in Liverpool ähnlich verzweifelt wie Frei im Sommer 2003, als der damals 24-Jährige kaum zum Einsatz kam. Die Situation ist deprimierend. Shaqiri leidet unter der Situation, hinter Topangreifern wie Mohamed Salah oder Sadio Mané nur die Nummer 6 in der Hierarchie zu sein.

Aus dem Umfeld des Spielers ist auch zu hören, dass er viel alleine sei, seitdem seine Brüder privat und geschäftlich weniger Zeit für ihn haben. Anders als zuvor in München und Mailand, als oft Bruder Ari bei ihm war. Aber auch Erdin, Bruder und Manager, hat mit dem Familienunternehmen zu viele Verpflichtungen, um stets bei ihm zu sein.

Hilfe von der Familie

Alex Frei schmorte zu Beginn bei Rennes unter Trainer Vahid Halilhodzic und auch später unter dessen Nachfolger Laszlo Bölöni meist auf der Ersatzbank und musste wiederholt in der Reservemannschaft spielen. In der schwierigen Zeit in der Bretagne bekam Frei Hilfe von zu Hause. «Meine Eltern haben mir damals geholfen und mich unterstützt. Meine Familie war während der Ferien oft bei mir in Rennes.» Unterstützung gab es aber auch aus der Mannschaft. Die Mitspieler Petr Cech und Olivier Monterrubio kümmerten sich um Frei. Parallel zu seiner Reservistenrolle im Club steigerte er seine Relevanz in der Nationalmannschaft. Er schoss Tor um Tor.

Wenn sich einer in die Lage Shaqiris versetzen kann, dann Frei. Während sich «XS» aber der Schweizer Auswahl verweigert, um den Kopf frei zu bekommen und Energie für den Club zu sammeln, hatte das Nationalteam für Frei eine andere Bedeutung. «Für mich ist die Nationalmannschaft immer jenes Umfeld gewesen, wo ich mich austoben konnte. Wo man mich im Kollektiv akzeptiert hat und der Trainer immer wollte, dass ich durch die Nati meinen Platz im Club sichere», sagt Frei, der heute die U-18 des FC Basel trainiert.

Der heute 40-Jährige hat bei Dortmund unter Jürgen Klopp gespielt und weiss, wie der Liverpool-Trainer tickt. «Bei Klopp muss man immer bereit sein, wenn es zählt. Immer! Wenn er einen Spieler auf der Bank hat, sind das keine erzieherischen Massnahmen oder dergleichen.» Warum sich Shaqiri eine «Auszeit von der Nationalmannschaft» nimmt, darüber will Frei nicht spekulieren.

Mit Kuhn war es ein Vertrauensverhältnis

«Ich weiss nicht, wie das Verhältnis zwischen Shaqiri und Trainer Vladimir Petkovic ist. Ich bin zu weit weg, um das Innenleben des Teams beurteilen zu können. Bei mir und Trainer Köbi Kuhn war es ein Vertrauensverhältnis. Ich habe immer gewusst, dass er mir die Chance gibt, mich zu profilieren. Er gab mir immer das Gefühl, unverzichtbar zu sein.» Petkovic hingegen sprach am Montag von einem Niveau des Verhältnisses zwischen ihm und Shaqiri, «das okay ist, aber auch viel besser sein kann».

Petkovic sagte, er akzeptiere die Absage und werde Shaqiri schützen. Er bringt dem Spieler Verständnis entgegen und zeigt Menschlichkeit, die im Fussball eher selten vorkommt. Für Frei ist es weniger eine Frage von Unlust, falscher Kommunikation oder mentaler Leere. «Es ist das Gefühl, gebraucht zu werden», sagt der Schweizer Rekordtorschütze. «Bin ich für das Team nützlich oder nicht.» Frei nahm das Vertrauen Kuhns an und dankte es mit seiner Leistung auf dem Platz.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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baz.ch/Newsnet

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