«Wunschspieler? Davon weiss ich nichts»

Hintergrund

Lucien Favre fordert viel. Von sich selbst, von seinen Spielern, aber auch von seinen Chefs. Zufrieden ist der Schweizer Trainer in Mönchengladbach indes nie.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Der letztjährige Tabellenvierte wird in Deutschland bereits als grosser Transfersieger gefeiert. In den holländischen Nationalspieler Luuk de Jong von Twente Enschede investiert Mönchengladbach inklusive gestaffelter Bonuszahlungen 15 Millionen Euro. In den Schweizer Internationalen Granit Xhaka 8,5 Millionen, in den spanischen Verteidiger Alvaro Dominguez 8 Millionen und in den togoischen Stürmer Peniel Mlapa 3 Millionen. Macht 34,5 Millionen Euro. De Jong wird der mit Abstand teuerste Spieler in der 112-jährigen Vereinsgeschichte der Borussia.

Obwohl der Verein Favre die Transferwünsche erfüllt hat und die Abgänge von Torjäger Marco Reus (Dortmund), Mittelfeldspieler Roman Neustädter (Schalke) und Abwehrchef Dante (Bayern) kompensiert hat, ist Favre immer noch nicht zufrieden. Er wehrt sich gegen die Erwartungshaltung im Umfeld und tritt auf die Euphoriebremse. «Wir sind nicht auf dem Niveau mit Dortmund, Bayern oder Schalke. Allein schon vom Etat her», sagt der Romand in den deutschen Medien und versucht so den Druck abzubauen. «Wunschspieler?», meint er ziemlich gereizt über die Verpflichtung de Jongs. Davon wisse er nichts. «Ich habe mir zwei Spiele von ihm angeschaut, fertig», so Favre weiter. Er vertraue voll und ganz auf Manager Max Eberl und die Scouts. Sie hätten in der Vergangenheit gute Transfers für Borussia gemacht. «Ich akzeptiere die Philosophie von Borussia Mönchengladbach, auf junge Spieler zu setzen», fährt Favre fort. Aber ist das nicht auch seine Philosophie? «Nein, nein, ich arbeite mit Spielern, die ich bekomme.»

«Wir haben Messi, Xavi und Piquet verloren»

Favre verweist gerne auf die Abgänge von Marco Reus, Roman Neustädter und Dante. «Wir haben unseren Messi, Xavi und Pique verloren», bedauert der Schweizer. Favre glaubt indes nicht, dass die Neuverpflichtungen die Lücken gleich schliessen können. «Die Neuen kommen aus Holland oder der Schweiz, es ist ein grosser Schritt in die Bundesliga. Wir müssen viel Geduld haben.» Favre erwähnte bei seiner Auflistung Alvaro Dominguez, der in der Primera Division zum spanischen Nationalspieler reifte, nicht. Selbst das Lob von Dortmunds Meistertrainer, Gladbach habe gezielt und hervorragend eingekauft, lässt Favre nicht gelten. «Klopp macht immer gute Scherze.»

Doch Favre überzeugt in seiner Analyse der Situation mit starken Argumenten. Das neue Team müsse sich nach den namhaften Abgängen von drei Leistungsträgern erst einmal finden. «Wir haben in der vergangenen Saison mit einem eingespielten Kader mit 14, 15 Feldspielern antreten können», erklärt Favre die damals bestens funktionierenden Automatismen. Reus sei an 90 Prozent der Tore beteiligt gewesen.

baz.ch/Newsnet

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