Wie 23 Junioren die Schweiz eroberten

Keiner rechnete an der WM 2009 mit dem Erfolg der U-17-Nationalmannschaft. Eine Nacherzählung eines überraschenden Schweizer Fussballmärchens.

Totale Emotionen nach 90 Minuten Kampf: Die Schweizer Junioren feiern den WM-Titel. (Bild: Keystone)

Totale Emotionen nach 90 Minuten Kampf: Die Schweizer Junioren feiern den WM-Titel. (Bild: Keystone)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

«Und jetzt?», fragte Haris Seferovic. Die Frage ging an seine Familie, die am 17. November 2009 nach Kloten gefahren war, um ihren Sohn, den Torschützen im WM-Final, und die anderen 22 Weltmeister zu empfangen. Zwei Tage nach dem Finalsieg war die Mannschaft zurück in der Heimat.

Es war eine gute Frage, die Seferovic stellte. Für sich, für alle Kollegen: Was jetzt, was nun? Die U-17-Junioren hatten sich aus dem Nichts ins Schweizer Bewusstsein gespielt. Noch in der Vorrunde hatten nur wenige Notiz genommen von der Mannschaft, dabei spielte sie überragend, schlug nach Mexiko und Japan auch Brasilien, bei denen die Spieler Alisson, Casemiro oder Neymar hiessen. Im Achtelfinal war Deutschland der Gegner mit Ter Stegen im Tor und Götze im Sturm, doch auch da gewann die Schweiz. Im Viertelfinal Italien. 2:1.

Nun ging es los. Aus der Schweiz flogen drei Journalisten von «Tages-Anzeiger», «Blick» und der Agentur SDA in Nacht-und-Nebelaktionen nach Nigeria – alle drei mehr schlecht als recht geimpft und ohne Visum unterwegs. Im Hotel Eko in der Hafenstadt Lagos, fünf Sterne teuer und von einem Schweizer Ehepaar geführt, wurde ein temporäres Medienzimmer eingerichtet: Journalisten konnten hier mit den Spielern ihrer Wahl telefonieren. Der Wirbel belastete das besorgte Trainerteam mehr als die Spieler.

Haris Seferovic schiesst im Endspiel gegen Nigeria das einzige und entscheidende Tor zum WM-Titel. (Video: SRF)

Es folgte der Halbfinal gegen Kolumbien, ein 4:0, den Unterschied machten die zwei besten Spieler aus: Ben Khalifa und Seferovic. Und dann der Final gegen Nigeria: 60000 Zuschauer in Abuja. Tausende Heuschrecken raubten den Spielern den Schnauf, die Heimfans feuerten Raketen ab. Nach einem Eckball von Buff traf Seferovic mit dem Kopf und liess sie verstummen. Daheim sassen 1,3 Millionen Zuschauer vor dem TV. Danach trugen die Spieler ihre Shirts verkehrt herum. Motto: Die Fussballwelt steht kopf.

Zurück in der Schweiz suchte GC-Junior Seferovic das schnelle Glück. In Florenz, San Sebastián, Frankfurt. Es dauerte bis 2017, ehe er es bei Benfica endlich fand.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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