Steuerparadies Italien lockt wieder Stars an

Dank eines neuen Gesetzes haben Serie-A-Clubs extreme Wettbewerbsvorteile – dabei gab es vorher schon die «Lex Ronaldo».

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Sie mussten es leicht romantisch verpacken. Natürlich. Schliesslich hat in der Vergangenheit noch kein Fussballer während seiner Präsentation beim neuen Verein gesagt, er sei vor allem wegen des Geldes hier. Also sagte Matthijs de Ligt, das neue Verteidigerjuwel von Juventus Turin, bei seinem Verabschiedungsinterview mit Ajax TV: «Ich liebe es, wie in Italien verteidigt wird, das war ausschlaggebend für meine Entscheidung. Viele meiner Vorbilder sind Italiener.»

Nun, vom mit Stars gespickten Juventus Turin ist nicht typisch italienischer Catenaggio-Fussball zu erwarten. So dürfte sicher auch eine Rolle gespielt haben, dass der 19-Jährige neu der am zweitbesten verdienende Profi bei Italiens Serienmeister wird – nur Cristiano Ronaldo kassiert mehr. Netto sollen es 7,5 Millionen Euro pro Saison sein, die de Ligt künftig verdienen wird. Ein Betrag, den Bonuszahlungen auf über 12 Millionen ansteigen lassen könnte – die damit verknüpften Ziele seien jedoch einfach zu erreichen, ergänzen diverse italienische Medien.

Dank einer Gesetzesänderung wird Juventus künftig deutlich weniger bezahlen müssen, um das von de-Ligt-Berater Mino Raiola geforderte Salär zu erreichen. Ursprünglich war die Idee, in Italien mehr Fachkräfte zu gewinnen; für die Serie-A-Clubs hat das aber einen angenehmen Nebeneffekt: Sie erhalten einen riesigen Wettbewerbsvorteil.

2,5 Millionen Steuerersparnis pro Jahr

Ausländische Fussballer oder Italiener, die mindestens zwei Jahre am Stück im Ausland waren, müssen ab Januar 2020 noch 50 Prozent ihres Einkommens versteuern statt wie bisher den Gesamtlohn. Voraussetzung: Sie bleiben mindestens zwei Jahre im Land. Beim Höchststeuersatz kostet es Juve aktuell 17,16 Millionen Euro, damit 12 Millionen für de Ligt übrig bleiben. Nach neuem Recht müssen aber nur noch 6 Millionen versteuert werden, womit der Verein über 2,5 Millionen jährlich spart. Gerade bei einem Fünfjahresvertrag, wie bei de Ligt, rechnet sich das. Der FC Barcelona beispielsweise, ebenfalls stark interessiert am jungen Holländer, hätte jährlich mehr als das Doppelte an Steuern zahlen müssen.

Im Volksmund heisst das Gesetz Lex Conte. Der italienische Trainer war zwei Jahre lang bei Chelsea unter Vertrag und kehrt nun zu Inter Mailand zurück. Er erfüllt also die Anforderung der italienischen Rückkehrer. Doch mit der Lex Conte hören die italienischen Steuergeschenke für Fussballprofis nicht auf.

Die Steuer-Flatrate

2017 wurde die sogenannte Lex Ronaldo eingeführt. Demnach gibt es für Personen, die neun der letzten zehn Jahre im Ausland gelebt haben und nun nach Italien ziehen wollen, für ihr im Ausland erzieltes Einkommen eine Steuerobergrenze. Als Einkünfte aus dem Ausland zählen insbesondere Marketingeinnahmen, diese kosten nun noch maximal 100’000 Euro an Steuern. Oder wie es für Fussballer heisst: Flatrate. Offenbar war das ein gewichtiger Grund, wieso sich Cristiano Ronaldo für Turin entschieden haben soll, denn schätzungsweise beträgt sein jährliches Werbeeinkommen über 40 Millionen Euro. Oder um beim Thema de Ligt zu bleiben: Das von den Medien kolportierte Beraterhonorar von 11 Millionen Euro, das Raiola einstreichen soll, fällt unter die Lex Ronaldo, also der Flatrate von 100’000 Euro. Der FC Barcelona hätte für diese Gage dem Fiskus 4 Millionen überweisen müssen.

Dabei waren sie in Spanien ähnlich generös. 2003 wurde die Lex Beckham eingeführt, als der damalige Fussballstar David Beckham zu Real Madrid wechselte. Auch hier gab es massive Steuererleichterung, was zahlreiche Stars anlockte und den spanischen Teams zur europäischen Dominanz verhalf. 2015 wurden die fiskalischen Geschenke für Fussballer jedoch gestrichen. Nun versuchen sie es also in Italien, mit einem bewährten Rezept wieder zur kontinentalen Spitze aufzuschliessen.

baz.ch/Newsnet

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