«So schiessen die Frauen ein Eigentor»

Kaum eine Kampagne in Deutschland, die kurz vor der Fussball-WM ohne Nationalspielerinnen wirbt. Fünf davon zeigen sich auch im «Playboy». Ein Fehler, findet Kommunikationsprofi Marcus Knill.

  • loading indicator
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Die Fussballerinnen, die für den «Playboy» in nassen Retro-Shirts und ohne BH posierten, wollen ihren Auftritt nutzen, um mit alten Vorurteilen aufzuräumen. «Leider herrscht das Klischee, wir seien Mannsweiber, immer noch vor. Doch auch Fussballerinnen können sexy sein – das haben wir mit diesem Shooting bewiesen», sagte Selina Wagner vom VfL Wolfsburg gegenüber der «Bild»-Zeitung. «Warum sollen wir uns verstecken? Wir wollen zeigen, was wir haben», pflichtet ihr Julia Simic vom FC Bayern bei.

Dass freizügige Fotos der richtige Weg sind, um den Frauen-Fussball langfristig populärer zu machen, glauben aber nicht alle Spielerinnen der DFB-Auswahl. Fatmire Bajramaj, die an der Fifa-Gala zu den Nominierten für die Spielerin des Jahres gehörte, erteilte dem «Playboy» eine Absage. Sie weiss aber, dass das Optische im Frauen-Fussball eine Rolle spielt: «Viele gucken sich nun mal die Spiele an und sagen: Die ist hübsch, die ist nicht hübsch. Statt zu sagen: Die spielt gut, die nicht so.»

«Frauen werden zu Sexobjekten reduziert»

Der Schweizer Kommunikationsprofi Marcus Knill geht noch einen Schritt weiter. «Mit dieser Strategie schiessen die Frauen ein Eigentor. So werben sie nicht für den Frauen-Fussball, sondern werden zu Sexobjekten reduziert.» Knill, der Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann im medialen Bereich berät, glaubt auch nicht, dass wegen der «Playboy»-Kampagne mehr Zuschauer in die Stadien strömen werden. Die taz folgt Knills Argumentation. «Die Spielerinnen im ‹Playboy› haben sich entschieden, nicht als Fussballerinnen in Erscheinung zu treten, sondern als reine Männerfantasie: halb nackt bei der gegenseitigen Massage oder fidel am Flussufer», schreibt die Zeitung.

Auch Katharina Witt und Christina Surer zogen sich für den «Playboy» aus

Die Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schaaf von der Sporthochschule Köln stellt sich dagegen hinter den Entscheid der Fussballerinnen, sich freizügig im Männermagazin zu präsentieren. «Bei der Vermarktung von Frauen im Sport geht es um drei Dinge: Bekanntheitsgrad, Medienpräsenz und hohe physische Attraktivität mit Sexappeal», so Schaaf im österreichischen Fussballmagazin «Ballesterer» (Artikel online nicht verfügbar). Die deutschen Nationalspielerinnen sind längst nicht die einzigen Athletinnen, die für den «Playboy» die Hüllen fallen liessen. Vor ihnen taten dies unter anderem die Schweizer Autorennfahrerin Christina Surer, die deutsche Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katharina Witt und die US-Tennisspielerin Ashley Harkleroad.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt