Schiedsrichter zieht zweimal Gelb – und sieht Rot

Ein Schiedsrichterskandal beschäftigt Deutschlands Fussballwelt. In einem Zweitligaspiel zeigte der Unparteiische zwei gelbe Karten – gleichzeitig.

Thomas Metzen war bis Sonntagnachmittag einer der vielversprechendsten, jungen Schiedsrichter in Deutschland. Im Zweitligaspiel Mainz gegen St. Pauli hat er sich mit dem spektakulären «Doppel-Gelb» in Revolverhelden-Manier wohl selbst Rot gezeigt. Als der Mainzer Karhan mit dem Paulianer Bruns aneinander geriet, schritt Metzen zur Tat. Er stellte die Spieler, griff in beide Brusttaschen – und zog zwei gelbe Karten gleichzeitig. Die Zuschauer rieben sich für kurze Zeit die Augen: War man jetzt im Kino, beim Western oder tatsächlich im Fusballstadion?

Amüsiert zeigten sich nur die Fans. Beim Deutschen Fussball-Bund (DFB) löste diese Aktion das pure Gegenteil aus. Der Ausbildungschef der Schiedsrichter Eugen Striegel wetterte in deutschen Medien über seinen Schützling: «So etwas habe ich ja noch nie erlebt. Der Schiedsrichter hat erst den einen und dann den anderen Spieler zu verwarnen.»

Der DFB mag es seriöser. Deutschlands Top-Schiedsrichter Herbert Fandel schaute sich noch nachts um 1:30 Uhr eine Videoaufzeichnung an und sagte gestern: «Diese Szene machte mich einfach nur sprachlos.» Strigel stellte den «Teilzeit-Sheriff» zur Rede und soll ihn ordentlich zusammengestaucht haben. Warum niemand beim DFB Metzen lustig findet? Seit dem Fall Hoyzer sind Selbstdarsteller nicht mehr gerne gesehen. Eine unmittelbare Strafe kann für Metzens Aktion nicht verhängt werden, doch Metzen wird fürs Erste aus dem Verkehr gezogen und nicht für weitere Partien angesetzt. Per Rundschreiben wurden alle Schiedsrichter darauf hingewiesen, dass Metzens Verhalten nicht den Anweisungen entspreche.

ph

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