Pokal-Krimi im gefährlichsten Stadion Deutschlands

Der viertklassige Hallesche FC und Eintracht Frankfurt treten am Samstag im DFB-Pokal zu einem Spiel an, das niemand ausrichten wollte. Aus Angst vor den Krawallmachern aus dem Umfeld der Klubs.

Kaum geeigent für ein Risikospiel: Das Stadion am Bildungszentrum in Halle.

Kaum geeigent für ein Risikospiel: Das Stadion am Bildungszentrum in Halle.

(Bild: Keystone)

Alexander Kühn@alexkuehnzh

Weil sich das Heimstadion des Halleschen FC im Umbau befindet, machte sich der frühere DDR-Oberligist nach der Auslosung der ersten DFB-Pokal-Runde auf die Suche nach einem ausreichend grossen und sicheren Austragungsort für die von der Polizei als Hochrisikospiel eingeschätzte Erstrundenpartie gegen den Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt. Da aber sowohl die Frankfurter als auch die Hallenser Fans nicht nur in Polizeikreisen als überaus problematisch gelten, erntete der HFC nur Absagen.

Bürgermeister schreitet ein

Eine Austragung in der nahen Stadt Dessau verhinderte deren Oberbürgermeister Klemens Koschig höchstpersönlich. Die Polizei sei nicht in der Lage, die Sicherheit der Besucher zu garantieren. Koschig erklärte, er habe im Internet in Erfahrung gebracht, dass sich Hooligangruppierungen aus der ganzen Republik mit den HFC-Ultras verbünden wollen, um gegen die Frankfurter Anhänger vorzugehen. Diese sind die gefürchtetsten auf dem Gebiet der alten Bundesländer, ihnen das Fürchten zu lehren, gilt unter Randalierern als besondere Heldentat. Zuvor hatte eine Sicherheitsfirma aus Leipzig einen Einsatz beim Problemspiel dankend abgelehnt.

Dass die Hallenser mit den Ultras des 1. FC Lokomotive Leipzig befreundet sind und die Frankfurter mit den Anhängern des konkursiten FC Sachsen Leipzig, verleiht dem Duell zusätzlichen Zündstoff. Lok und der FC Sachsen waren sich stets spinnefeind, Lok-Anhänger stürmten im vergangenen Jahr gar eine Weihnachtsveranstaltung von Sachsen-Fans und verprügelten diese aufs Ärgste.

Vermummte stürmten beim Freundschaftsspiel den Stadion-Innenraum

So flatterten dem HFC auch aus Wolfsburg und Nürnberg Absagen ins Haus. Als einziger Spielort blieb so das kleine Stadion am Hallenser Bildungszentrum, das sonst als Bezirkssportanlage dient. Dort kam es jüngst nach dem Freundschaftsspiel gegen Hessen Kassel zu schweren Ausschreitungen. Rund zwanzig Vermummte versuchten, in den Innenraum des Stadions einzudringen. Die Ultraszene Chemie Halle, so hiess der HFC zu DDR-Zeiten, entschuldigte sich inzwischen beim Klub für die Vorgänge. Eine Grantie dafür, dass es gegen Frankfurt ruhig bleibt, ist dies freilich nicht.

Frankfurter Fans sind in Halle nur zugelassen, wenn sie ein gültiges Ticket mitbringen, das sie zuvor gegen Vorlage ihres Personalausweises erworben haben. Um Eindringlinge frühzeitig abzufangen, macht die Polizei Kontrollen in Zügen und auf der Autobahn. Wer in der Nähe des Stadions in Eintracht-Fanmontour, aber ohne Eintrittskarte gesichtet wird, muss mit der Verhaftung rechnen.

Der Schweizer Pirmin Schwegler darf oder muss in Halle nicht für Frankfurt auflaufen. Der Mittelfeldspieler sitzt eine Rotsperre ab.

baz.ch/Newsnet

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