«Mir fehlt noch die nötige Spielintelligenz»

FCB-Neuzugang Mohamed Salah redet über schnelle Beine, seine Schwächen und den arabischen Fru?hling.

«Ich bin Moslem und werde meinen Glauben weiter leben.» Mohamed Salah tastet sich in Basel an sein neues, aufregendes Leben heran.

«Ich bin Moslem und werde meinen Glauben weiter leben.» Mohamed Salah tastet sich in Basel an sein neues, aufregendes Leben heran.

(Bild: Henry Muchenberger)

Nur zwei Spiele hat Mohamed Salah gebraucht, um die Sympathien der FCB-Fans zu erobern. Dank seiner Schnelligkeit hat der 20-jährige Ägypter das Potenzial zum Spektakelspieler. Beim FC Basel hat man die Fähigkeiten Salahs längst entdeckt, trotzdem wird der zierliche Offensivspieler behutsam aufgebaut. Denn der Sprung, den Salah in diesem Sommer machte, war ein gewaltiger – weg aus der Heimat, wo ein einschneidender Umbruch das Land verändert, hin zum FC Basel.

Die neue Welt entdeckt Salah Schritt für Schritt. Er kennt das Café am Bar­füsserplatz und erinnert sich an die Moschee, in der er schon gebetet hat. Für das Interview mit der BaZ braucht es zwar einen Dolmetscher, doch der FCB-Profi streut immer wieder Englisch-Brocken ein; das ist die Sprache, die er lernt. Salah hat beste Chancen, im heutigen Meisterschafts-Heimspiel gegen Lausanne-Sport (19.45 Uhr, St.-Jakob-Park, live auf baz.ch/Newsnet) in der Startformation zu stehen. Es wäre sein zweiter Einsatz von Beginn an.

Mohamed Salah, Sie haben beim 3:1-Erfolg gegen Thun am letzten Sonntag 90 Minuten bei über 30 Grad auf dem Platz gestanden und keinen Schluck Wasser getrunken. Wir staunen.
Ich befinde mich im Fastenmonat Ramadan und darf von Sonnenaufgang bis -untergang keine Lebensmittel konsumieren.

Trotzdem liefen Sie Ihren Gegenspielern um die Ohren und waren an allen drei Toren beteiligt.
Ich bin relativ zufrieden mit meiner Leistung, aber ich kann noch mehr und werde das schon bald beweisen.

Haben Sie die Wertschätzung des Publikums gespürt?
Ich habe den Applaus registriert und mich von Anfang an wohlgefühlt. Die Atmosphäre im Stadion war toll.

Dank Ihrer Schnelligkeit wurden Sie bereits mit Usain Bolt verglichen. Wie lange brauchen Sie für 100 Meter?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, ich habe noch nie nachgemessen.

Was sind – neben Ihrem Speed – Ihre anderen fussballerischen Stärken?
Das müssen die Zuschauer und die Öffentlichkeit beurteilen.

Und Ihre Schwächen?
Das Spiel mit dem Kopf.

Das verwundert nicht, schliesslich sind Sie mit 175 Zentimetern nicht unbedingt der Grösste.
Ich meine nicht das Kopfballspiel, sondern das Spiel mit dem Kopf. Mir fehlt noch die nötige Spielintelligenz, um einzelne Situationen richtig einzuschätzen. Oft handle ich auf dem Feld intuitiv, statt das Spiel besser zu lesen, und entscheide mich ab und an für die schlechte Variante. In diesem Bereich muss ich mich verbessern.

Wo ist Ihre bevorzugte Position?
Ich kann zwar auch im Sturm spielen, fühle mich aber auf der rechten Aussenbahn sehr wohl.

Haben Sie vor Ihrer Ankunft bereits Spieler des FC Basel gekannt?
Natürlich, ich habe die Auftritte der Mannschaft in der letztjährigen Champions League verfolgt. Alex Frei und Marco Streller sind Namen, die man auch in Ägypten kennt.

Sie werden hier bereits als Nachfolger von Xherdan Shaqiri genannt.
Ich weiss, er spielte auf dem rechten Flügel und ich kann ebenfalls auf dieser Position agieren. Aber ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen. Er ist ein hervorragender Spieler und nicht umsonst beim FC Bayern München unter Vertrag.

Sie waren im Frühling bei Clubs aus der Primera Division ein Thema. Warum sind Sie zum FCB gekommen, warum gingen Sie nicht nach Spanien?
Unter anderem hatte ich eine Anfrage von Espanyol Barcelona, aber mein Anspruch ist es, in der Champions League zu spielen.

Beinahe wäre dieser Traum bereits in Ihrem ersten FCB-Pflichtspiel geplatzt, als der norwegische Meister aus Molde kurz vor dem Ende des Rückspiels einen Elfmeter zugesprochen bekam…
(Schlägt die Hände vors Gesicht.) In diesem Moment dachte ich, das Leben ist vorbei! Auf einmal war alles um mich herum schwarz. Hätte der Norweger getroffen, wären wir ausgeschieden. Umso grösser war die Erleichterung, als Yann Sommer den Penalty hielt. Das war für mich wie ein Traum – zu wissen, dass wir noch immer die Chance haben, uns für die Königsklasse zu qualifizieren.

Auf welche Mannschaft würden Sie dort gerne treffen?
Ich bewundere den FC Barcelona. Die haben in den letzten Jahren alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Sehen Sie den FC Basel als eine Art Durchgangsstation, um später bei einem grösseren Verein zu landen?
Das ist mein Ziel. Aber zuerst möchte ich den Zuschauern hier in Basel zeigen, was ich kann.

Wie erleben Sie den Kulturunterschied zwischen Ägypten und der westlichen Welt?
Es war schon immer ein grosser Traum von mir, nach Europa zu gehen, und ich bin mir bewusst, dass ich mich hier zu integrieren habe. Ich respektiere und akzeptiere alle Menschen auf der Welt, egal ob arm oder reich, ob schwarz oder weiss, ob gläubig oder nicht. Trotzdem möchte ich mir selber treu bleiben. Ich bin Muslim und werde meinen Glauben weiter leben.

Haben Sie in Basel bereits eine Moschee besucht?
Ja. Zudem habe ich schon etliche meiner Landsleute kennengelernt. Oft treffen wir uns beim Barfüsserplatz.

Wie haben Sie die Revolution erlebt? Waren Sie auf dem berühmten Tahrir-Platz in Kairo und haben gegen den einstigen Machthaber Mubarak demonstriert?
Ich selbst war nie auf einer solchen Demonstration. Aber ich habe die Leute unterstützt. Es ist wichtig, dass man für seine Überzeugung kämpft. Die Ägypter fühlen sich nun befreit und freuen sich auf ein neues Leben.

Lesen Sie das ganze Salah-Interview in der Samstagsausgabe der Basler Zeitung.

Basler Zeitung

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