Inkoom sitzt auf gepackten Koffern

Der Abgang Samuel Inkooms (21) steht kurz bevor. Noch ist der Transfer nicht perfekt – aber der FCB wird sich wohl auf die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger begeben.

Noch ist Thorsten Fink (rechts) der Trainer von Samuel Inkoom. Doch wie lange noch?

Noch ist Thorsten Fink (rechts) der Trainer von Samuel Inkoom. Doch wie lange noch?

(Bild: Keystone)

Florian Raz@razinger

Immer wieder war den Transferverantwortlichen des FC Basel in den letzten Wochen aus der Ukraine ein schriftliches Angebot für Samuel Inkoom angekündigt worden. Am Samstag war es so weit: Dnipro Dnipropetrowsk, der Vierte der ukrainischen Premier Liga, meldete sich mit einer konkreten Offerte beim FCB. Und die war so ernsthaft, dass Inkoom beim samstäglichen Testspiel auf der gefrorenen Lausanner Pontaise nicht mehr eingesetzt wurde. «Wir haben Samstagnachts verhandelt», sagt Bernhard Heusler. Zwar sind gemäss dem Vizepräsidenten des FCB «einige Punkte noch zu verhandeln», und ist ein Scheitern der Gespräche nie auszuschliessen: «Aber es kann schnell gehen.» In Basel besitzt Inkoom noch einen Vertrag bis Sommer 2013.

In der Ukraine wird eine Ablösesumme von rund sechs Millionen Schweizer Franken kolportiert. Ein Wechsel des ghanaischen Nationalspielers dürfte Dnipro aber um einiges teurer zu stehen kommen. Im Raum stehen acht Millionen Franken Ablöse, das wäre dann nahe am bisherigen Basler Rekordtransfer von Felipe Caicedo. Der Stürmer hat dem FCB im Februar 2008 bei seinem Wechsel zu Manchester City rund neun Millionen Franken eingebracht.

Nebst den Fähigkeiten Inkooms gibt es zwei Gründe für den hohen Preis, den Dnipro zu bezahlen bereit scheint. Einerseits operiert der Club mit einer üppigen Kriegskasse. Dem spanischen Trainer Juande Ramos stehen rund 30 Millionen Franken zur Verfügung, mit denen er sein Team verstärken darf. Bereitgestellt wird das Geld von der Clubbesitzerin «Privat Group», einer von Oligarchen geführten Firma, die vor allem im Öl- und Stahlgeschäft tätig ist.

Iberische Körbe

Allerdings musste Ramos andererseits bei seiner Einkaufstour feststellen, dass Dnipropetrowsk für Fussballer nicht zu den bevorzugten Arbeitsplätzen gehört. Ramos, zweimaliger Uefa-Cup-Sieger mit dem FC Sevilla, wirbt vor allem in Spanien und Portugal um neue Spieler – mit wenig Erfolg. Zuletzt hat der 21-jährige spanische Aussenverteidiger Jose Angel von Sporting Gijon abgewunken.

Das geringe Club-Prestige treibt die Preise in die Höhe. Zuletzt verpflichtete Dnipro mit Giuliano (SC Internacional) und Matheus (Sporting Braga) zwei Brasilianer für insgesamt rund 14 Millionen Franken. Für Inkoom dürfte der Umzug in den Osten durch eine schöne Gehaltsaufbesserung versüsst werden. Der FCB seinerseits wird sich schleunigst auf die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger machen. Schliesslich geht es in diesem Frühjahr in der Liga um die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League. Da wird der Club kaum das Risiko eingehen, mit Reto Zanni und Taulant Xhaka das Meisterrennen zu bestreiten. Der 30-jährige Zanni hat nie das Vertrauen von Trainer Thorsten Fink besessen. Und der 19-jährige Taulant Xhaka mag ein Versprechen für die Zukunft sein, kommt bislang aber auf genau null Minuten Einsatzzeit in der Super League.

Nachfolger gesucht

Denkbar, dass die Basler einen Transfer vorziehen, den sie bereits für den Sommer ins Auge gefasst haben. Kay Voser besitzt bei den Grasshoppers einen im Juni auslaufenden Vertrag und gilt beim FCB nicht nur deswegen als interessanter Spieler. Der 23-Jährige kann sowohl links wie auch rechts hinten eingesetzt werden. Für Vosers Wechsel im Winter spricht, dass die notorisch klammen Hoppers einer Ablösesumme kaum widerstehen könnten. Zumal GC bei einem Transfer im Sommer leer ausginge. Problematisch ist allerdings, dass sich Voser erst im Aufbau befindet. Er wurde am 3. Dezember am rechten Fuss operiert und ist bislang noch nicht ins Mannschaftstraining eingestiegen. Um für den FCB interessant zu sein, müsste er aber möglichst schnell einsatzbereit sein.

Philipp Degen ist ein anderer Spieler, der bei den Rotblauen intern bereits mehrfach thematisiert worden ist. Der Baselbieter ist derzeit vom FC Liverpool an den VfB Stuttgart ausgeliehen, steht dort aber auf dem Abstellgleis. Zuletzt wurde ihm der 20-jährige Patrick Funk vorgezogen, ausserdem befinden sich die Stuttgarter aktiv auf der Suche nach einem weiteren Rechtsverteidiger. Eine Ausleihe Degens nach Basel wäre vom Regelwerk her erlaubt. Ausserdem dürfte dem FC Liverpool nicht ungelegen kommen, wenn sein Spieler in Basel jene Praxis sammeln kann, die er dringend nötig hat. Die Stuttgarter ihrerseits hätten bei einem Wechsel einen Profi weniger auf der Gehaltsliste. Wobei Degens Gehalt auf Premier-League-Niveau ein gewichtiger Punkt ist, der aus Basler Sicht gegen eine Verpflichtung spricht.

Basler Zeitung

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