FCB: Wo ist der Funke geblieben?

Der neue Trainer von Southampton weiss im Gegensatz zu Marcel Koller wie man seine Mannschaft und das Publikum motiviert.

Bei der Führung des Clubs braucht es Charisma, und dieses ist bei Marcel Koller gänzlich nicht vorhanden.

Bei der Führung des Clubs braucht es Charisma, und dieses ist bei Marcel Koller gänzlich nicht vorhanden.

(Bild: Keystone)

Jeder Fussballbegeisterte, der Fan der englischen Premier League ist, schaut am Sonntag jeweils «Match of the Day» auf BBC One. Die Berichterstattung und die Analysen sind jeweils hervorragend, und oft sieht man, wie Strategie und Taktik im Fussball eine enorm wichtige Rolle spielen. Ehrlich gesagt, ist auch der Rhythmus zwischen einem Premier League-Spiel und einem Spiel unserer Super League wie der Unterschied zwischen einem TGV und einem Bummler.

Am Sonntagabend hat also Roy Keane (ehemaliger raubeiniger Spitzenspieler von Manchester United) das Spiel zwischen Southampton und Arsenal London analysiert. Southampton kommt aus einer schweren Krise und hat neu als Coach den Deutschen Ralph Hasenhüttl eingestellt. Innerhalb kurzer Zeit ist es ihm gelungen, die Mannschaft neu zu motivieren, was zum gestrigen Sieg gegen Arsenal geführt hat. Es ist ihm jedoch nicht nur das gelungen, sondern es ist ihm auch gelungen, den Funken auf das Publikum zu übertragen, z.B. indem er vor dem Spiel Gratisgetränke an die Fans verteilt hat. Die Stimmung in diesem eher biederen Stadion war hervorragend, und die Fans haben ihre Mannschaft zum Sieg gebrüllt.

Kommen wir zum FC Basel nach Ende der Vorrunde. Nach den letzten zwei Siegen scheint alles wieder in Minne zu verlaufen. Die Vorrunde wird als unglücklich beschrieben: Viele Verletzte, Pech im europäischen Fussball, Formtief, Schiedsrichterfehlentscheide, Gerangel innerhalb der Führung etc. Jetzt kauft man ein paar neue Spieler ein, 2019 sind die verletzten Spieler wieder da, und man setzt zu einer Aufholjagd an (schon mal gehört?). Leider sind da immer noch 19 Punkte Differenz.

Der bekannte Funken

Ich komme auf meinen Kommentar zu Southampton zurück. Hasenhüttl hat innert ganz kurzer Zeit einen neuen Geist einfliessen lassen. Bemerkenswert ist auch, wie er nach dem Spiel nicht nur jedem Spieler auf dem Feld die Hand drückt oder umarmt, sondern auch zur Fankurve geht. Bei uns hat Marcel Koller in vier Monaten diesen «Funken» weder auf die Spieler noch auf die Zuschauer übertragen können. Ausser der Muttenzer Kurve, die treu zu ihrem Club steht, ist bei den Zuschauern kein Funke vorhanden, der sich übertragen lässt (das war vor zwei Jahren noch anders). Ich frage mich, wie ein solcher Trainer in der Kabine die Mannschaft zu Höchstleistungen peitschen kann?

Aber da ist ja noch der Sportdirektor, der zwar nicht mehr vor dem Spiel in die Kabine darf, dafür drum herum aktiv versucht, Begeisterung in die Mannschaft zu bringen (wenigstens hat er Emotionen). Diesen berühmten Funken sehe ich auch nicht nach oben oder nach unten sprühen. Auf der Chefetage des FCBs sieht man keine Begeisterung oder Enthusiasmus, und nach unten in der Geschäftsstelle schon gar nicht. Bei der Führung des Clubs braucht es auch Charisma, und dieses ist gänzlich nicht vorhanden. Wie mir kürzlich ein bekannter Anwalt in Basel gesagt hat: Oben sehe man das Charisma eines Fliessblatts!

Wenn ich wieder auf England zurückkomme: Alan Shearer (auch ehemaliger Rekordschütze in England) hat nach der Analyse eines Spiels gesagt, jeder Spieler solle nach dem Spiel in den Spiegel schauen und sich fragen, ob er heute wirklich alles gegeben hat. Ich glaube, das hat kein FCB-Spieler auf Ende der Vorrunde gemacht, oder es hat in der Umkleidekabine keinen Spiegel.

Ich hoffe sehr, dass sich bei den FCB-Verantwortlichen ein neuer Geist entwickeln kann, denn mit dem Geld alleine ist es nicht getan.

Basler Zeitung

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