Erich Vogel wurde von seinem Schützling benutzt

Der bekannte Fussballmanager ist wegen Gehilfenschaft zu Erpressung schuldig gesprochen worden. Für Spielerberater Peter Bozzetti ging der Prozess weniger glimpflich aus. Der Bericht unseres Reporters aus dem Gericht.

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Mario Stäuble@mario_staeuble

«Reinziehen lassen» habe er sich, sagte der vorsitzende Richter Alain Kessler zu Erich Vogel. Er sei von seinem ehemaligen Schützling Peter Bozzetti «benutzt worden». Ganz unschuldig sei Vogel deswegen aber nicht. Er habe Bozzettis Erpressungsversuch «psychisch gefördert», indem er ihm am Telefon sagte, er solle mehr Geld aus Fredy Bickel herausholen.

Spielervermittler Bozzetti hatte von YB-Sportchef Bickel im September 2013 131‘000 Franken verlangt, im Austausch gegen «heisse» Dokumente aus Bickels Vergangenheit. Vogel hatte die Papiere jahrelang in seinem Tresor aufbewahrt, ohne deren Inhalt genauer zu kennen.

Deutlich weniger als gefordert

Das Zürcher Bezirksgericht sah Vogels Beitrag zu Bozzettis Erpressungsversuch anlässlich der mündlichen Urteilsbegründung als «gering» an. Sein Verschulden wiege «leicht». Einen Teil der Anklage zerpflückte das Gericht: Vogel habe nicht wie behauptet von Beginn weg auf Bozzetti eingewirkt. Erst nach und nach habe er erfahren, was der Spielervermittler überhaupt vorhatte. Zugutehalten müsse man Vogel zudem, dass er bereits während den Ermittlungen zugegeben hatte, dass seine Aufforderung an Bozzetti ein Fehler gewesen sei. So verurteilten die Richter Vogel zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 150 Franken, insgesamt 13‘500 Franken – deutlich weniger als die 14 Monate Freiheitsstrafe, die der Staatsanwalt gefordert hatte.

Peter Bozzetti hingegen muss für sechs Monate ins Gefängnis. Das Gericht sprach ihn wegen versuchter Erpressung schuldig. Dafür erhielt er 16 Monate, davon zehn Monate bedingt. Er habe «hinterhältig, wenn auch nicht sehr intelligent» gehandelt, so der Richter. Über mehrere Tage hinweg habe er Druck auf Fredy Bickel aufgebaut, indem er durchblicken liess, die Dokumente dem «Blick» zuzuspielen, wenn Bickel nicht Couvert gegen Couvert tausche. Es blieb allerdings beim Versuch, weil Bickel sich nie auf die Forderungen einliess. Zusätzlich erhielt Bozzetti einen Schuldspruch wegen versuchter Nötigung. Er hatte früher mit Murat Yakin geschäftet und dem Spieler gedroht, nach Bickel sei er «der Nächste, der öffentlich an die Reihe kommt».

Zufriedener Staatsanwalt

Stark straferhöhend wirkte sich beim Spielervermittler aus, dass er bereits sechs Vorstrafen angehäuft hat, eine davon dreht sich ebenfalls um Erpressung. Jenen Strafbefehl erhielt er just in den Tagen, in denen er Fredy Bickel kontaktierte. «Dieser Strafbefehl hatte offenbar keinerlei Einfluss auf Ihr Handeln», so Richter Kessler.

Staatsanwalt Michael Scherrer zeigte sich mit dem Urteil zufrieden: «Ich wollte zeigen, dass es hier nicht einfach um ein ‹Gentlemen’s Agreement› ging, und das ist mir gelungen.» Erich Vogel sei zwar «recht milde» bestraft worden, das sei für ihn akzeptabel.

Das Urteil weiterziehen?

Annegret Lautenbach, die Verteidigerin Bozzettis, kündigte derweil an, dass ihr Klient mit grosser Wahrscheinlichkeit das Urteil weiterziehen werde: «Das Gericht hat es sich einfach gemacht, es verharrt in Schwarz-Weiss-Denken.» Die Ereignisse im letzten September seien komplizierter gewesen. Vor allem hätten die Richter die fragwürdige Rolle von Fredy Bickel und dessen Anwalt nicht genügend gewürdigt.

Erich Vogel sagte seinerseits, er sei nicht ganz zufrieden, aber immerhin habe das Gericht die Strafe im Vergleich mit der Anklage um 80 Prozent reduziert. Seine Anwälte wollen nun die Urteilsbegründung abwarten und dann über den Weiterzug entscheiden.

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