«Die Vertrauensfrage zu Marco Streller stellt sich nicht»

FCB-Präsident Bernhard Burgener stärkt dem Sportchef weiter den Rücken und verteidigt erneut seinen Führungsstil.

Bernhard Burgener über die Niederlage.

Bernhard Burgener über die Niederlage.

(Bild: Keystone)

BaZ: Bernhard Burgener, wie kommentieren Sie das 1:7-Debakel von Bern?
Bernhard Burgener: Auf der einen Seite war es für mich eine emotionale Ausnahmesituation, dass ein solcher Tsunami über uns hinweggefegt ist. Nüchterner betrachtet haben wir in einem Sechs-Punkte-Spiel drei Zähler verloren. Mein rotblaues Herz blutet.

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Ihr FCB derart hoch verlieren kann?
Ich mache mir im Vorfeld nie Gedanken über ein negatives Szenario. Nun stelle ich mir natürlich die Frage: Wie konnte das passieren?

Ihre Antwort?
Seit Saisonbeginn haben wir personelle Probleme in der Abwehr. Wir haben einen sehr guten Goalie verloren und einen sehr guten Goalie verpflichtet. Der ist verletzt. Unser Captain Marek Suchy ist verletzt. Wir haben einen starken Innenverteidiger verpflichtet, nun ist Carlos Zambrano auch verletzt. In Bern fehlte der gesperrte Taulant Xhaka, auch ein sehr wichtiger Mann. Und am Schluss flog mit Eder Balanta ein erfahrener Spieler mit Rot vom Platz. Da kommt einiges zusammen, aber das ist keine Entschuldigung.

Nun hat der FCB zwölf Punkte Rückstand auf Leader YB…
Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und weiterarbeiten. Die Saison ist noch lang. 2017 war der Start nicht viel besser. Wir halten an unseren sportlichen Zielen fest.

Ist Marco Streller noch der richtige Sportchef für den FCB?
Das diskutiere ich nicht mit Ihnen in der Öffentlichkeit. Ich sage nur, dass ich mit seiner Arbeit zufrieden bin. Die Vertrauensfrage zu Marco Streller stellt sich nicht.

Streller sagt in der Öffentlichkeit, dass er leidet. Wie empfinden Sie das?
Die Kritik an Marco ist eine Momentaufnahme. Wichtig ist für uns alle, am Mittwoch gegen Luzern eine Reaktion der Mannschaft zu sehen.

Viele Fans fordern auch Ihren Rücktritt. Was entgegnen Sie Ihnen?
Ich kenne das Geschäft. Es ist immer sehr einfach, etwas zu kritisieren.

Moment. Die Zuschauer machen sich Sorgen, weil der FCB in seine Einzelteile zerfällt!
Wir zerfallen nicht in Einzelteile. Ich antworte darauf: Es gab durchaus tolle Momente in jüngster Vergangenheit, 2017/2018 haben wir zum Beispiel die erfolgreichste Champions-League-Kampagne in der Geschichte des FCB gespielt. An solche Erfolge wolle wir wieder anknüpfen. In der letzten Winterpause mussten wir ein paar Leistungsträger verkaufen, das Risiko war uns bewusst.

Der sportliche Substanzverlust ist gewaltig, oder nicht?
Wir versuchen, das Ganze sachlich zu betrachten. Über Goalie Jonas Omlin müssen wir nicht diskutieren, er ist ein Top-Transfer. Statistisch gesehen ist Rechtsverteidiger Silvan Widmer nicht schlechter als sein Vorgänger Michael Lang. Der brauchte auch seine Zeit, bis er Feuer fing. In der Abwehr haben wir drei Spieler gewechselt, zwei davon sind verletzt, es trifft derzeit ständig die Verteidiger, in diesem Bereich sind wir handicapiert. Momentan können wir sowieso nicht reagieren, das Transferfenster ist geschlossen.

Was passiert in der Winterpause?
Wenn Wunsch und Bedarf besteht, die Mannschaft zu verstärken, bin ich wie immer bereit, darüber zu sprechen. Aber es wird kein Aktionismus geben. Erst im Dezember können wir mit Trainer Marcel Koller eine vernünftige Bilanz ziehen, jetzt ist es noch zu früh. In der Offensive sind wir gut besetzt.

Flügelspieler Aldo Kalulu kostete 2,5 Millionen Franken Ablöse und sitzt seit Wochen nur auf der Ersatzbank.
Wir können auch noch über Dimitri Oberlin reden … Das sind junge Spieler, die noch etwas Zeit brauchen. Die Mannschaft ist ganz sicher nicht so schlecht, wie nun viele glauben.

Warum standen Sie in Bern nicht vor die Medien und erklärten die Blamage?
Am Sonntag ging das zeitlich nicht. Aber es ist doch klar, dass wir innert nützlicher Frist hinstehen, wenn wir ein solches Spiel abgeliefert haben.

Werden Sie nun vor dem Luzern-Match eine Brandrede in der Kabine halten?
Ich bin schon mehrere Male vor die Mannschaft gestanden, aber das hänge ich nicht an die grosse Glocke. Ich gehöre nicht in die erste Reihe, das habe ich schon mehrmals betont. Mein Führungsstil basiert auf Vertrauen – und das gehört Marco Streller.

Basler Zeitung

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