Fredy Bickel und seine spannende GC-Rückkehr

Nach 20 Jahren steht Fredy Bickel vor dem Comeback bei den Grasshoppers. Sein Verhältnis zu Trainer Uli Forte ist getrübt.

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Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Der FC Zürich hat Thomas Bickel als Leiter Sport, und nun sind auch die Grasshoppers kurz davor, wieder einen Bickel zu haben. Das ist Fredy Bickel, der am Mittwoch als neuer starker Mann vorgestellt wird.

Er ersetzt Elio Keller, den der Club diesen Sommer als Geschäftsführer aus dem Hut zauberte. Und weil Bickel kommt, kann auch Paul Bollendorff als Chefscout keine Zukunft haben.

Bickel kann sich auf die Aufgabe freuen, sie wird nicht langweilig werden. Denn dieses GC ist längst nicht mehr der Club, den er einst in seinen Lehrjahren unter Erich Vogel in den 90er-Jahren kennen lernte und vor zwanzig Jahren in den stürmischen Tagen verlassen musste, als die Wirtschaftsgrössen Rainer E. Gut und Fritz Gerber den Club übernahmen. Die Verantwortlichen um Andras Gurovits sind seit dem Sommer damit beschäftigt, die Scherben einer fatalen Entwicklung zusammenzukehren und zu versuchen, den Club wieder in die Super League zurückzuführen.

Was wohl Forte denkt

Bickel steht für eine spannende Personalie. Denn bei GC trifft er auf den Mann wieder, den er vor vier Jahren wegen fehlender Resultate entliess: auf Uli Forte, damals Trainer bei den Young Boys, seit April zurück bei GC. Gurovits, der letzte Mohikaner im Verwaltungsrat von GC, wird sich bestimmt gut überlegt haben, wie das kommen soll mit Bickel und Forte.

54 ist Bickel inzwischen, er hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als er einst von GC wegging, wechselte er nach Bern, als YB noch weit davon entfernt war, das YB von heute zu sein. Es war ein YB am Abgrund, gefährlich nahe am Abstieg in die 1. Liga. Bickel gefiel die Aufgabe damals, er fühlte sich herausgefordert. Nicht allen gefiel seine Art, wie er arbeitete, er machte sich Gegner, die ihn Jahre später noch attackierten.

2003 kehrte er nach Zürich zurück, zum FCZ. Sven Hotz, dem Präsidenten jener Zeit, sagte er sinngemäss: Er soll ihm zahlen, was er für angemessen halte. Es war kein kluger Zug, Hotz setzte den Lohn tief an. Doch mit Bickel – und mit Lucien Favre und Bernard Challandes als Trainern – kam später der durchschlagende Erfolg: Der FCZ wurde in seiner Amtszeit dreimal Meister, einmal auch Cupsieger und vor allem Teilnehmer an der Champions League. Ende 2012 trennte sich der Sportchef vom FCZ, es war die Zeit, als Machtkämpfe den Verein erschütterten.

Bickels Pech

Danach ging Bickel zu YB zurück, zu dem Club, an den er jeden Tag gedacht habe, wie er bekannte. Nach nur einem halben Jahr holte er seinen Wunschtrainer. Der hiess Uli Forte und kam von GC, wo er eben gerade Cupsieger geworden war.

In der Folge verpflichtete Bickel nicht zuletzt Spieler wie Steve von Bergen und Guillaume Hoarau. Sie kosteten viel Geld, aber sie bildeten auch das Herz der Mannschaft, die 2018 und 2019 die Meisterschaft gewannen. Das Pech von Bickel war, dass er davon selbst nicht mehr profitieren konnte. Ein Jahr nach Forte, im September 2016, war er aus seinem Berner Paradies vertrieben worden: Ihm hielten die Rihs-Brüder als Besitzer vor, die finanziellen Vorgaben nicht eingehalten zu haben.

Rapid Wien war die nächste Destination Bickels, er liebte das Leben in Wien. In diesem Frühjahr, nach zweieinhalb Jahren, die intensiv, aber nicht sonderlich erfolgreich waren, trennte er sich vom österreichischen Grossclub. Zu der Zeit hatte er schon Gespräche mit dem Schweizer Fussballverband geführt, um der neue Direktor des Nationalteams zu werden. Er bekam den Zuschlag nicht, dafür interessierten sich Hannover 96 und offenbar auch Servette für ihn. Doch erst mit GC fand er eine Einigung.

Bickel und GC – das kann passen. Es wird nun an Bickel sein, den Draht zu Forte zu finden, und es wird an Forte sein, nicht wegen einer alten Geschichte beleidigt zu sein.


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