«Das ist kein Marketing-Transfer»

Mit der Verpflichtung von Yoichiro Kakitani kann der FC Basel nicht nur sportlich stärker werden, sondern auch den lukrativen japanischen Markt erschliessen.

Yoichiro Kakitani soll dem FCB nicht nur neben, sondern vor allem auf dem Platz helfen.

Yoichiro Kakitani soll dem FCB nicht nur neben, sondern vor allem auf dem Platz helfen.

(Bild: Keystone)

Früher war das ganze Prozedere noch deutlich einfacher. Da schoss ein Spieler mehr Tore als die Konkurrenz, bereitete viele Treffer vor oder räumte in der Abwehr schlicht mehr Gegner ab als der Durchschnitt – und schon flatterte ein Angebot jenes Clubs auf den Tisch, der die gezeigten Fähigkeiten künftig gerne in seinen Reihen wissen wollte. Heute jedoch berechnet sich der Wert von Fussballern längst nicht mehr nur aus Toren, Vorlagen oder Blutgrätschen. Da spielen neben sportlichen Parametern auch Dinge wie das Vermarktungspotenzial eine Rolle. Wie viele Trikots verkauft man mit dem Namen des Neuen? Wie viel Aufmerksamkeit sichert er auf weit entfernten Werbemärkten? Öffnet er gar die Tür zu weiteren Transfers?

Nicht, dass der FC Basel aufgrund von solchen Überlegungen etwas mehr als zwei Millionen Franken für Yoichiro 
Kakitani, den 24-jährigen Japaner von Cerezo Osaka, ausgegeben hat. Sicher nicht. Doch Kakitani, der beim FCB einen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, ist nicht nur sportlich eine Bereicherung für die Basler. Er ist ein Star in seiner Heimat, sein Werdegang interessiert in Japan viele Menschen – und er wird somit auch seinem neuen Club einige Aufmerksamkeit bescheren: Kaum war gestern die Mitteilung über den unterschriebenen Vertrag Kakitanis beim FCB in aller Welt ersichtlich, verkündete der japanische TV-Sender Sky PerfecTV, dass er künftig Spiele der Super League zeigen werde. Wegen des FCB. Wegen Yoichiro Kakitani.

Der mögliche Hype

«Das ist kein Marketing-Transfer», stellt Clubpräsident Bernhard Heusler nochmals deutlich klar. Kakitani kommt zum FCB, weil er ein talentierter Spieler ist, der dem Club helfen wird, die Ziele der Zukunft zu erreichen. Aber natürlich weiss der Club längst um die Nebeneffekte des Wechsels, seit er sich im Herbst vergangenen Jahres erstmals mit der Personalie auseinandersetzte. Heusler spricht von einem «Hype», der nun entstehen könnte. Es sei ein Stück «Neuland» für die Basler. Und derartige Transfers würden immer auch die «Fantasie» anregen, weil sie für einen Schweizer Club nicht alltäglich sind.

Ja, auch die Beachtung rund um Mohamed Salah nahm im Vorjahr für den FCB bis dahin unbekannte Ausmasse an, als plötzlich Unmengen von ägyptischen Verehrern den Online-Auftritt des Clubs stürmten. Ja, mit Koji Nakata spielte von 2006 bis 2008 bereits ein Japaner für die Basler, er war der Erste in der Schweiz. Aber mit Kakitani sind diese Fälle nicht zu vergleichen: Denn der 24-Jährige Offensivspieler kommt nicht als Talent nach Basel wie Salah. Sondern als gestandener Spieler, der weit über die Super League hinaus auf sich aufmerksam gemacht hat.

Das grosse Kompliment

In den Verhandlungen setzte sich der FCB gegen Clubs aus der Bundesliga und Italien durch, darunter Namen wie Werder Bremen oder die AC Florenz. Selbst Borussia Dortmund, der Champions-League-Finalist des Vorjahres, soll an Kakitani interessiert gewesen sein. Doch dieser absolvierte vergangene Woche die medizinische Untersuchung in Basel – nicht in Bremen. Oder Florenz. Oder Dortmund.

Es ist ein neuerliches Kompliment an den Basler Club und seine Führung, dass ein begehrter Spieler in die Schweiz wechselt. Dort kann er zwar definitiv in der Gruppenphase der Champions League spielen. Der Alltag in der Super League ist allerdings längst nicht so glamourös wie jener in der Bundesliga. Für Kakitani selber ist es endlich der Sprung auf den europäischen Fussball-Markt.

Das vielversprechende Talent

Er, der schon lange den Ruf hat, ein überdurchschnittliches Talent zu sein. Bei der U17-WM im Jahre 2007 erzielte er zwei der vier japanischen Tore, eines davon von der Mittellinie – und galt danach als Spieler der Zukunft. Er war der jüngste Spieler, der jemals bei Cerezo Osaka einen Vertrag unterschrieb – im Alter von 16 Jahren. Doch dort konnte er sich nicht durchsetzen, weil es an der Einstellung mangelte. Zu viele Alleingänge, zu wenig Leistung gemessen an den Fähigkeiten. «Ich war nicht bereit, Fussballer zu sein. Ich war unprofessionell – ganz einfach», wurde Kakitani einmal zitiert. Und sein damaliger Trainer sagte: «Yochiro hat ähnliche Stärken wie Shinji Kagawa – aber er neigt dazu, sich ablenken zu lassen und sein Ziel aus den Augen zu verlieren.»

Kakitani ging den Umweg über die zweithöchste japanische Spielklasse, wurde ausgeliehen. Und er schaffte dort den Durchbruch. In den vergangenen Jahren war er nun auch Leistungsträger in Osaka, dort wird man den Publikumsliebling mit einer grossen Zeremonie in die grosse weite Welt entlassen, ehe er am 17. Juli in Basel eintrifft.

In Osaka werden sie dann jenen Spieler vermissen, der auf allen Positionen in der Offensive eingesetzt werden kann. Jenen Spieler, der den Ball so nah am Fuss führt, dass der Gegner kaum eine Chance auf die Eroberung hat. Und der FC Basel wird sich zeitgleich freuen, dass er diese Fähigkeiten künftig in seinen Reihen weiss – und zusätzlich künftig auch in Japan ein Begriff sein wird.

Basler Zeitung

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