Zum Hauptinhalt springen

Wer wird Nachfolger von Blatter?

Der Walliser Fussballkönig Sepp Blatter steigt vom Thron. Das Karussell der Kandidaten auf den Top-Posten der weltweit beliebtesten Sportart dreht schon auf Hochtouren.

Blatter geht, wer folgt? Der langjährige Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) mit seinem einstigen Ziehsohn, dann Rivalen Uefa-Präsident Michel Platini. (11. Juni 2014)
Blatter geht, wer folgt? Der langjährige Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) mit seinem einstigen Ziehsohn, dann Rivalen Uefa-Präsident Michel Platini. (11. Juni 2014)
Fabrice Coffrini, AFP
Der Franzose steht dem mächtigsten und reichsten Regionalverband vor. Ob Platini bei einer Kandidatur genügend Unterstützung aus dem Rest der Welt erhalten würde, ist aber ungewiss.
Der Franzose steht dem mächtigsten und reichsten Regionalverband vor. Ob Platini bei einer Kandidatur genügend Unterstützung aus dem Rest der Welt erhalten würde, ist aber ungewiss.
Fabrice Coffrini, AFP
Eine weitere Fussballlegende spielt offenbar mit dem Gedanken, ins Rennen einzusteigen. Der Brasilianer Zico (mit bürgerlichem Namen Arthur Antunes Coimbra) schreibt auf Facebook, er sei schon Spieler, Trainer und Sportminister gewesen, warum nicht noch Fifa-Präsident? Über hochkarätige Beziehungen verfügt er schon: Zico (l.) mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe in Brasilia. (1. August 2014)
Eine weitere Fussballlegende spielt offenbar mit dem Gedanken, ins Rennen einzusteigen. Der Brasilianer Zico (mit bürgerlichem Namen Arthur Antunes Coimbra) schreibt auf Facebook, er sei schon Spieler, Trainer und Sportminister gewesen, warum nicht noch Fifa-Präsident? Über hochkarätige Beziehungen verfügt er schon: Zico (l.) mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe in Brasilia. (1. August 2014)
Ueslei Marcelino, Reuters
1 / 10

Der Abgang von Sepp Blatter löst in der Fifa neue Unruhe aus. Unabhängig von der Situation des Fussball-Weltverbandes hat das Tauziehen um die Nachfolge des Wallisers bereits begonnen. Die Frage wird zum zentralen Thema: Wer wird Nachfolger des 79-jährigen Schweizers?

Uefa-Präsident Michel Platini etwa, der sich in der vergangenen – chaotischen – Woche in Zürich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat und dessen Nähe zum WM-Austragungsort Katar ein zu grosses Handicap sein könnte? Der Franzose ist vielen anderen Kontinentalvertretern auch zu europäisch, zu launisch. Allerdings gilt Platini als ehrgeizig, völlig abschreiben darf man den ehemaligen Klasse-Fussballer nie.

Die Stunde des Scheichs

Oder wird es Prinz Ali, dessen freudloser Auftritt am vergangenen Freitag vor dem Wahlduell gegen Blatter keine signifikanten Spuren im Hallenstadion hinterliess? Der Jordanier hält sich zumindest offen, ein weiteres Mal zu kandidieren. Jérôme Champagne, einst Blatters Begleiter, hat nicht jene Lobby, die es braucht, um gewählt zu werden. Das Gleiche gilt für den Holländer Michael van Praag, der sich ein paar Tage vor der Wahl zurückzog. Die «New York Times» bringt Portugals Fussballidol Luis Figo, der sich im letzten Monat als Kandidat zurückzog, ins Spiel. Das renommierte Blatt, das der US-Justiz sehr nahe steht, glaubt sogar, dass Lydia Nsekera durchaus Chancen habe, als erste Frau auf dem Fifa-Präsidentenstuhl zu sitzen. Die Afrikanerin ist seit 2009 Mitglied des Internationalen Olympischen Kommitees und führte fast zehn Jahre lang die Geschicke des Burundischen Fussball-Verbandes. In anglosächsischen Medien wird auch der Engländer David Gill, ein scharfer Kritiker von Blatter, portiert.

Fifa-Insider glauben, dass Scheich Ahmad al-Fahad al-Sabah aus Kuwait in der Pole-Position für die Nachfolge von Blatter sitzt. Der Mann aus Kuwait weiss, wie man Stimmen holt, als ehemaliger Fürsprecher des Wallisers weiss er auch, wie man sich auf dem grossen Teppich des Fifa-Bodens bewegt. Er ist überdies Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, sitzt auch im Fifa-Exekutivkomitee und gilt als einflussreicher Strippenzieher im asiatischen Sport.

Interimspräsident Scala

Wer auch immer die Nachfolge von Blatter antreten wird: Er gilt als Hoffnungsträger für eine neue, veränderte Fifa. In der Zwischenzeit könnte aber auch ein anderer Mann in den Mittelpunkt rücken: Domenico Scala. Nachdem Blatter gestern seinen Rücktritt angekündigt hatte, ergriff Scala das Wort. Der Italiener, 1965 in Basel geboren, soll interimistisch die Geschäfte des Verbandes führen. Gemäss dem abtretenden Präsidenten besitze Scala «das Vertrauen eines breiten Spektrums von Parteien in und ausserhalb der Fifa». Er habe überdies das Wissen und die Erfahrung, «um zu helfen, die notwendigen Reformen anzupacken», erklärte Blatter in seiner Rede.

Scala ist seit 2012 Chef der Fifa-Compliance-Kommission und achtet auf das saubere Geschäftsgebaren des Verbandes. Er soll zudem die Wahl leiten, wenn der ausserordentliche Fifa-Kongress den neuen Präsidenten bestimmen wird. «Spiegel Online» zitiert den Basler nach dessen Berufung mit den Worten: «Unter den gegenwärtigen Umständen ist das der verantwortlichste Weg, einen geordneten Übergang zu gewährleisten.» Scala kündigte schon am Dienstagabend Schritte an, «die weit über die Massnahmen hinausgehen, die bisher umgesetzt wurden».

Die Worte klingen wunderbar – nun müssen aber Taten folgen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch